Berufsbildungs- und Berufsförderungswerke

Für junge Menschen ohne Berufserfahrung existieren sogenannte Berufsbildungswerke, die der Ausbildung behinderter Menschen dienen. Wer dagegen bereits im Berufsleben stand und aufgrund einer Behinderung oder gesundheitlichen Einschränkung eine Umschulung benötigt, kann diese in den Berufsförderungswerken erhalten.

Beide Einrichtungstypen stehen prinzipiell auch für psychisch kranke Menschen offen. Teilweise sind jedoch die Bedingungen der Einrichtungen (Aufnahmeverfahren, Größe der Einrichtung und der Kursgruppen, Organisation des Lehrgangsangebotes, Leistungsdruck, Internatsunterbringung usw.) für psychisch kranke Menschen nicht sehr geeignet; teilweise sind die Einrichtungen und ihre Mitarbeiter wenig erfahren im Umgang mit psychisch kranken Menschen.

Es gibt aber auch Berufsbildungswerke und Berufsförderungswerke mit speziellen Abteilungen oder Angeboten für psychisch kranke Menschen. Mitunter haben diese Einrichtungen einen sehr großen Einzugsbereich und bieten deshalb für ihre Umschulungsteilnehmer eine Internatsunterbringung an, was für die Aufrechterhaltung der sozialen Kontakte während der mehrjährigen Umschulung sehr problematisch sein kann.

Die aktuell regional vorhandenen Angebote der beruflichen Ausbildung und Umschulung für psychisch kranke Menschen kann man beim örtlichen Jobcenter erfragen, das in der Regel auch Kostenträger für die betreffenden Maßnahmen ist. Das Arbeitsamt kennt den aktuellen Stand der oftmals wechselnden Angebote der Fortbildung und Umschulung. Darüber hinaus kann das Arbeitsamt individuell zugeschnittene Rehabilitationsmaßnahmen planen und finanzieren bzw. Einarbeitungszuschüsse und andere finanzielle Förderleistungen vergeben, wenn ein Arbeitgeber bereit ist, für einen psychisch kranken Menschen eine entsprechende Maßnahme zu organisieren. Auch entsprechende Fördermittel der Hauptfürsorgestellen werden über die Arbeitsämter vergeben.

Da die gesetzlichen Bestimmungen und Voraussetzungen für Maßnahmen der Fortbildung, Umschulung und beruflichen Rehabilitation sich oft ändern, die finanziellen Möglichkeiten der Arbeitsämter in diesem Bereich starken Schwankungen unterworfen sind und das Angebot der verschiedenen Träger von Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen sich ebenfalls ständig wandelt, ist es zweckmäßig, sich bei Bedarf jeweils aktuell beim Arbeitsamt informieren zu lassen. Auch spezielle Weiterbildungs- und Beratungsstellen, die an vielen Orten in unterschiedlicher Trägerschaft bestehen, können nützliche Informationen geben.

Suche

Derzeit befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Klaus Obert: Dr. rer. Soc., Dipl.-Sozialpädagoge, Jg. 1953. Seit 1982 in Stuttgart tätig: Auf- und Ausbau Sozialpsychiatrischer Dienste sowie weiterer Bausteine des gemeindepsychiatrischen Verbunds und deren Koordination in der Praxis wie in der fachpolitischen Umsetzung.

Text von Klaus Obert aus BApK (Hg.): Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige. Balance buch + medien Verlag, 5. Auflage 2014

Bücher zum Thema

Hermann Mecklenburg, Joachim Storck (Hg.): Handbuch berufliche Integration und Rehabilitation - Wie psychisch kranke Menschen in Arbeit kommen und bleiben. Psychiatrie-Verlag, 2. Auflage Bonn 2010, 354 Seiten, 39,95 Euro. [mehr]

Matthias Hammer, Irmgard Plößl: ZERA - Zusammenhang zwischen Erkrankung, Rehabilitation und Arbeit - Ein Gruppentraining-sprogramm. Psychiatrie-Verlag, 5. überarbeitete Auflage, Bonn 2010, ISBN 3-88414-506-7