Mit psychisch Kranken leben: Aufklärung – Information – Hilfe


Eine Kampagne der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie in Kooperation mit der Selbsthilfe-Fördergemeinschaft der Ersatzkassen


Die Kampagne wurde durchgeführt in den Jahren 2004 und 2005 im Großraum Berlin.


Unterstützt durch:

  • Deutscher Apothekerverband
  • Kassenärztliche Vereinigung Berlin
  • Früherkennungs- und Therapiezentrum für Psychosen Berlin-Brandenburg Charite Berlin

Amelie:

Hallo, mein Name ist Amelie. Ich bin 17 Jahre alt, und mein großer Bruder Philip ist psychisch krank. Das war anfangs natürlich eine schwierige Situation für mich und meine Eltern. Was wir da vor allem brauchten, waren Informationen und Unterstützung. Aber man glaubt ja gar nicht, welche Vorurteile es so alles in der Bevölkerung gibt. Aufklärung ist da echt wichtig, so wie durch diese neue Kampagne. Wer mehr darüber wissen will, erfährt hier, wo er weitere Infos bekommt.

Jährlich suchen etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland psychiatrische Hilfe, ca. 400.000 werden stationär psychiatrisch behandelt. Die Analysen der Krankenkassen über das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen weisen in den letzten Jahren eine Zunahme der psychischen Erkrankungen und seelisch bedingten somatischen Erkrankungen auf, wobei insbesondere Angststörungen, Depression, und bipolare Erkrankungen verstärkt zu beobachten sind . Eine hohe Dunkelziffer wird in diesem Bereich angenommen.

Viele Menschen, die unter einer psychischen Störung leiden, nehmen keine ärztliche Hilfe in Anspruch. Die Folge ist dann vielfach, dass Befindlichkeitsstörungen sich zu manifesten psychischen Erkrankungen entwickeln und durch Nichtinanspruchnahme von Interventionsmaßnahmen (von der Selbsthilfe bis zur stationären Behandlung) eigentlich gut behandelbare Krankheiten chronifizieren. Vielfach werden psychische Störungen auch nicht von den Ärzten erkannt, was dazu führt, dass sich eine erhebliche Anzahl psychischer Störungen unter den somatischen Erkrankungen der Arbeitsunfähigkeitsdaten wieder findet.

Eine Vielzahl von Faktoren beeinflussen den Verlauf psychischer Erkrankungen. Zu den negativen Einflüssen zählen Uninformiertheit, Verhaltensunsicherheit, Rückzug und Stigmatisierung sowohl der Betroffenen als auch ihrer Angehörigen. Reagiert das soziale Umfeld hingegen angemessen und sozial zugewandt und verfügt darüber hinaus über entsprechende Informationen, Kompetenzen und Ressourcen, z.B. zu Wissen über Therapie- und Selbsthilfeangebote und über Möglichkeiten des psychiatrischen Hilfesystems, kann dies zur frühzeitigen Diagnose und Therapie, zur Aufrechterhaltung des beruflichen und sozialen Umfeldes und im weiteren zur Rückfallprophylaxe beitragen.

Die Kooperationspartner – Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker und die „Selbsthilfe-Fördergemeinschaft der Ersatzkassen“ – verfolgen mit dem Projekt das Ziel

  • psychische Probleme und Erkrankungen aus ihrem gesellschaftlichen Nischendasein zu holen,
  • über ihre Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren,
  • Beratungs- und Selbsthilfeangebote bekannt zu machen,
  • sowie über Möglichkeiten eines angemessenen Umgangs mit erkrankten Menschen aufzuklären.

Sie wollen damit gleichzeitig einen Beitrag zur Enttabuisierung und Entstigmatisierung psychisch Erkrankter leisten und durch Ressourcenstärkung zur Prävention psychischer Erkrankungen beitragen.

Durch das Aufzeigen entsprechender Hilfs- und Handlungsoptionen soll die Eigenkompetenz der Betroffenen und ihrer Angehörigen gestärkt und aufgezeigt werden, dass psychische Erkrankungen nicht zwangsläufig zu Chronifizierungen führen.

Insbesondere die Kooperation mit Ärzten und Apothekern sowie deren Selbstverwaltungsorganen und angeschlossenen Berufsverbänden erleichtert den Zugang zu den Betroffenen und trägt auch dazu bei, die Verteilung der im Rahmen des Projektes entwickelten Informationsmaterialien zu erleichtern. Gleichzeitig wird dadurch ein Zeichen gesetzt für die Zusammenarbeit von Professionellen mit der organisierten Selbsthilfe.

Das Projekt verfolgt einen breiten Aufklärungs- und Beratungsansatz. Neben vielfältigen schriftlichen Informationen, kontinuierlicher Informations-, Aufklärungs- und Vernetzungsarbeit kommt insbesondere der Beratung eine besondere Bedeutung zu.

Psychische Probleme kann jeder bekommen...

Jeder Dritte erkrankt mindestens einmal im Lauf des Lebens psychisch, jeder zehnte muss deswegen in einer Klinik behandelt werden.

Die Fakten sprechen für sich: Zu den zehn Volkskrankheiten, die die Lebensqualität am stärksten einschränken, gehören allein fünf psychische:

  • Depressionen
  • Zwangsstörungen
  • Bipolare Störungen
  • Alkoholabhängigkeit
  • Schizophrenie

„Es ist ja nur psychisch...“

Wir möchten durch unsere Kampagne Informationen und Verständnis vermitteln, ohne Illusionen zu fördern, und Hilfemöglichkeiten aufzeigen, ohne Probleme zu verschweigen.

Gerade das geschieht in vielen Familien, oft aus gutem Willen, etwa um den Kranken zu schonen oder mehr Verständnis der Umwelt zu erlangen. Die Kehrseite ist jedoch leider, dass Probleme und Leiden verharmlost und nicht ernst genommen werden. »Es ist ja nur psychisch«, sagen viele und meinen damit: Es ist ja nicht so schlimm, und wenn man sich zusammennimmt, geht es schon wieder weg.

Psychische Krankheiten sind heute gut behandelbar

Die psychiatrische Versorgung hat sich in den letzten 20 Jahren auch in Deutschland durchgreifend verändert. In der letzten Zeit hat es große Fortschritte bei der Erforschung und in der Therapie psychischer Erkrankungen gegeben.

Die verbreitete Vorstellung »einmal psychisch krank, immer krank« ist aber nicht richtig, denn es kommt gar nicht selten vor, dass die Krankheit wieder verschwindet oder dass sie zumindest gut beherrscht werden kann.

Dennoch werden psychisch Kranke häufig zu spät, unzureichend oder gar nicht behandelt. Die Folge: Armut, soziale Isolation, Einsamkeit. Das ist ebenso belastend wie die Krankheit selbst und hindert die Betroffenen und ihre Familien, ein normales Leben zu führen.

Die Kampagne: Mit psychisch Kranken leben – Selbsthilfe als Partner

Hilfe zur Selbsthilfe, Unterstützung und die Vermittlung wertvollen Wissens aus eigener Erfahrung – das ist die Basis für die erfolgreiche Arbeit der über 500 Angehörigengruppen bundesweit und ihrer Organisationen auf Länder- und auf Bundesebene.

Die Familien haben erfahren:

Rechtzeitige Hilfe und ein aufgeklärtes, zugewandtes Umfeld vermeiden negative soziale Folgen, Chronifizierung und Rückfälle bei psychischer Krankheit.

Die Kampagne »Mit psychisch Kranken leben. Aufklärung – Information – Hilfe« verfolgt daher mehrere Ziele:

  • Vorurteile abbauen,
  • über Warnzeichen, therapeutische Möglichkeiten und Hilfen im medizinischen und psychosozialen Bereich informieren,
  • Klischees hinterfragen, Tabus brechen.

Wir möchten erreichen, dass seelisch erkrankte Menschen und ihre Familien mit Freunden, Nachbarn, Kollegen, dem Arzt ihres Vertrauens oder dem Apotheker genauso offen über ihre psychische Krankheit sprechen können wie andere über Rheuma, Herzinfarkt oder Osteoporose.

Was wir anbieten

Mit dem Wissen aus eigener Betroffenheit haben wir in einer Basisbroschüre Informationen zusammengestellt, die

  • helfen, Symptome, die auf eine psychische Erkrankung schließen lassen, zu erkennen,
  • Informationen über therapeutische Interventionsmöglichkeiten und -chancen vermitteln,
  • für die Situation der Betroffenen und ihrer Angehörigen sensibilisieren und
  • Hilfsmöglichkeiten im medizinischen und psychosozialen Bereich aufzeigen.

Die Materialien bieten wir kostenlos an als „Gesprächseinstieg“ überall dort, wo Menschen mit ihren Fragen zu psychischen Problemen auftauchen, oft ohne den Mut, von sich aus zu fragen: z.B. in Allgemeinarztpraxen, beim Kinderarzt, dem Gynäkologen, in Apotheken oder bei Ämtern und Behörden.

»Aufklärung – Information – Hilfe«

Dafür stehen wir mit unserer Kampagne und mit unseren Angeboten zur Beratung und Unterstützung:

Selbsthilfe als

  • Partner für Profis im medizinischen und außermedizinischen Bereich, damit Behandlung rechtzeitig beginnen kann,
  • Partner für Journalisten, damit ein realistisches Bild über psychisch kranke Menschen vermittelt wird,
  • Partner für alle Menschen, die mehr über psychische Erkrankungen wissen wollen, damit Vorurteile verschwinden und Verständnis wachsen kann.

 

Amelie:

Wie gesagt, zuerst waren wir ziemlich hilflos. Aber dann haben wir gemerkt, dass es ganz schön viele Leute gibt wie uns. Die haben sich sogar zusammen geschlossen zur Familien-Selbsthilfe Psychiatrie, so nennen die das … Macht ja auch Sinn, zusammen kann man viele Probleme einfach besser lösen, und man fühlt sich auch nicht so allein.

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