Basiswissen Maßregelvollzug


Bücher über den Maßregelvollzug gibt es nicht viele. Neben den einschlägigen Lehrbüchern zur forensischen Psychiatrie gibt es maximal zwei oder drei Werke, die sich mit dem Maßregelvollzug als übergeordnetes Thema befassen und nicht nur mit speziellen Aspekten dieses Fachgebietes. Diese haben aber den Nachteil, dass sie sich vorwiegend mit Maßregelvollzugsrecht befassen – alles in allem war dies bislang ein relativ unbefriedigendes Ensemble an Möglichkeiten, einen schnellen Einstieg in die Materie zu finden.

Das hier zu besprechende Buch von Cornelia Schaumburg bildet hier nun insofern ein Novum, da es sich – in einer sehr übersichtlichen Art und Weise – mit dem gesamten Gebiet auf eine äußerst praxisnahe Art und Weise befasst. Eines vorweg: Das Buch wurde sicher nicht für Experten geschrieben. Besteht jedoch die Notwendigkeit, sich schnell und umfassend Basisinformationen über Maßregelvollzug beschaffen zu müssen, so findet man in diesem Buch die – ich würde sagen – mit Abstand beste Informationsquelle zum Thema. Zur Lektüre empfiehlt es sich wohl am ehesten zum einen für Fachkräfte, die mit ihrer Tätigkeit auf forensischem Gebiet am Anfang stehen (wie Assistenzärzte, Psychologen und andere therapeutisch tätige Mitarbeiter), für die der unvermeidliche und mit vielen Fragen behaftete »Sprung ins kalte Wasser« hierdurch sichtlich abgemildert werden dürfte, zum anderen empfiehlt es sich jedoch selbstverständlich auch für interessiertes Pflegepersonal, welches ja ohnehin mehr und mehr den Anspruch erhebt, an fachlichen, therapeutischen und organisatorischen Entscheidungen beteiligt zu werden.

In ganz besonderem Maße sei das Buch denjenigen Fachkräften ans Herz gelegt, die mit der Behandlung forensischer Patienten an allgemeinpsychiatrischen Kliniken befasst sind, wie dies in einigen Bundesländern der Fall ist, denn gerade dort könnte es viele Unsicherheiten und Vorurteile ausräumen helfen, mit den Teams und Leitungskräfte an solchen Kliniken zu kämpfen haben. Neben ganz sicher wesentlichen Fragen zum Maßregelvollzugsrecht befasst sich das Buch darüber hinaus mit der Rolle der diversen Justizbehörden im Maßregelverfahren, der Begutachtung und dem Aufnahmeprocedere.

Mehr als diese Aspekte verdient jedoch noch die Beschäftigung mit Fragen und Problemen von Behandlungsteams Beachtung sowie Informationen über die Organisation der Behandlung selbst. Eingegangen wird ebenso auf die Bewältigung von Krisensituationen, auf die Dokumentation der Behandlung und auf die Problematik von Lockerungen und Entweichungen – einem stets umstrittenen und ganz zentralen Thema für alle forensisch Tätigen.

Nicht zuletzt erfahren wir Wesentliches über die Funktion der Strafvollstreckungskammern, den Umgang mit dem sozialen Umfeld sowie über Maßnahmen, die für Patienten Bedeutung gewinnen, die am Ende ihrer Maßregelvollzugsbehandlung stehen. All dies ist so beschrieben und dargestellt, dass es dem Prinzip »so kurz wie möglich, aber so ausführlich wie nötig« gerecht wird. Das Buch liest man in wenigen Stunden, es erspart dem forensischen Einsteiger jedoch so manche Mühe, da es alle Fakten vermittelt, die man sich zuvor nur auf Umwegen »by doing« oder durch die Lektüre mehrerer, viel umfangreicherer Werke beschaffen musste.

 

Dr. Michael Hintersdorf in Psychosoziale Umschau 1/2004

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