The Forgotten Children


A major European Conference addressing the subject of Children of parents with a mental illness

Auf der ersten europaweiten EUFAMI-Tagung zum Thema Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern wurde mit der Deklaration von Vilnius an das Verständnis der Politiker und die Kooperationsbereitschaft der fachlichen Institutionen appelliert.


Bericht von Beate Lisofsky und Thomas Pirsig

Über 200 Delegierte aus 25 europäischen Ländern trafen sich am 26. und 27. November 2009 in Vilnius, der Hauptstadt von Litauen. Neben den Vertretern der nationalen Mitgliedsorganisationen wurde die Konferenz von der Europäischen Kommission und dem Litauischen Sozialministerium unterstützt und von der WHO (World Health Organisation) gefördert.

EUFAMI (European Federation of Associations of Families of People with Mental Illness) ist der Zusammenschluss von zurzeit 26 Angehörigenverbänden auf europäischer Ebene. Hauptziele der EUFAMI ist die kontinuierliche Verbesserung der Situation von Menschen mit psychischen Erkrankungen und deren Angehörigen.

Die diesjährige Tagung fand in einer äußerst freundlichen und zielgerichteten Arbeitsatmosphäre statt, die, ausgehend von der Präsidentin Sigrid Steffen und der Direktorin der litauischen Landesvertretung Danuté Kasubiene, während der gesamten Veranstaltung auf alle Anwesenden ausstrahlte. Seit Jahren verfolgt EUFAMI mit großem Engagement die Strategie, konsequent mit Projekten und Veranstaltungen in den osteuropäischen Ländern präsent zu sein, um auf diese Weise den nationalen Angehörigenverbänden Unterstützung und "Aufwind" zu geben. Beeindruckend war deshalb auch in Vilnius die hohe Präsenz der nationalen Politik, deren Vertreter in einer Vielzahl von anerkennenden und motivierenden Reden eindeutig Stellung bezogen und einen Systemwandel signalisierten.

Zum Auftakt wurden die Erfahrungen zur Situation von Kindern, die mit psychisch kranken Eltern aufwachsen, aus unterschiedlicher Perspektive eindrucksvoll dargestellt. Lisa Mizzi aus Malta, die als Kind mit ihrer depressiven Mutter aufwuchs, stellte ihre persönlichen Unterstützungssysteme und Lösungen vor, die heute ein unbeschwertes, partnerschaftliches Leben der Familie ermöglichen. Mary O’Shea, aus Irland, die selbst psychisch erkrankt war, vermittelte die persönliche Perspektive ihrer Kinder zum Umgang in der Familie, von den Kämpfen, der Verzweifelung und dem Ankommen in einem System, das für alle Beteiligten lebbar ist.

Von der Definition des Problems zur Lösung

Prof. Tytti Solantaus aus Finnland fasste in ihrem Einführungsvortrag all das prononciert zusammen, was Wissenschaft und Praxis bis heute zur Situation und den Problemlagen von Kindern, die mit psychisch kranken Eltern aufwachsen, zu sagen ist. Mittlerweile ist die Forschungslage recht überschaubar – im positiven Sinne – und es geht um die flächendeckende Umsetzung von Unterstützung für die betroffenen Familien, entsprechend der unterschiedlichen Lebens- und Bedürfnislagen. Hier sind, wie oft, die skandinavischen Länder und insbesondere Finnland weit fortgeschritten, während in Westeuropa (inklusive Deutschland) zwar viele Leuchtturmprojekte in Angriff genommen wurden, aber eine wirklich umfassende und verlässliche Unterstützung der Familien nicht auszumachen ist.

Aus einer Vielzahl von Erkenntnissen aus Workshops und wissenschaftlichen Beiträgen übertragbare Unterstützungssysteme herauszuarbeiten und daraus politische Forderungen abzuleiten, war das erklärte Ziel dieser Tagung.

In zahlreichen parallelen Workshops wurden Erfahrungen ausgetauscht und Best Practise-Modelle vorgestellt. Viel Interesse fand dabei u.a. auch das Projekt des deutschen Angehörigenverbandes mit seinen zielgruppenspezifischen Informationen für die betroffenen Familien und zur Sensibilisierung der verschiedenen (Fach-)Öffentlichkeiten.

Und obwohl die Situation in der gesundheitsbezogenen und sozialen Unterstützung in den Ländern natürlich völlig unterschiedlich ist, war man sich nach den zwei Kongresstagen doch einig: Nötig ist eine Aufbruchstimmung, die weit über die klassische psychiatrische Versorgung hinausgehen muss und eine politische Aktivierung mit einschließt. Gerade unter dem Fokus der Kinder wurde noch einmal besonders deutlich, was Familien mit psychisch kranken Menschen generell brauchen: Eine ganzheitliche Versorgung und Unterstützung, die Angehörige, ob nun Kinder, Partner oder Eltern wie das soziale Umfeld einschließt, kontinuierlich Hilfe bereithält und nicht separiert, sondern einen Beitrag gegen Ausgrenzung leistet. Insofern wird dies für die Angehörigenbewegung auch weiterhin ein wichtiges Thema auf der Agenda bleiben. Ausdruck dessen war die Verabschiedung der "Deklaration von Vilnius" zum Abschluss der Veranstaltung.


Eufami gründet das vituelle Netzwerk "Friens of the Forgotten Children"

 

Als ein Ergebnis des Kongresses in Vilnius gibt Eufami im Juni 2010 die Gründung des virtuellen Netzwerks "Friends of the Forgotten Children" bekannt.

Als Plattform wird Facebook genutzt; Eufami betreut und überwacht diese Plattform.

Ziel ist, mit Hilfe dieser Plattform die Themenschwerpunkte, die sich während des Kongresses heraus kristallisierten, europaweit weiter zu diskutieren und über Projekte und Aktionen zu informieren.

Eufami Pressemitteilung herunterladen (englisch)

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