Die MUT TOUR macht Station in Bonn - der BApK ist dabei


„Heute Physio, morgen Psycho“

BApK begleitet Mut-Tour 2016 in Bonn

Niedergeschlagen und traurig haben Sebastian Burger, Valentin Wolkow und ihre Mitfahrer nicht gewirkt, als sie mit ihren Tandems auf den Bonner Friedensplatz geradelt sind. Die Sonne strahlte in der Bonner Innenstadt. Auch die Gesichter der Radfahrerinnen und Radfahrer ließen Entspannung und Freude erkennen. Die Mut-Tour 2016, eine bundesweite Staffelfahrt für Tandemfahrer mit und ohne Depressionserfahrung, hatte in der Bundesstadt Station gemacht.

Mit dabei: der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) und der regionale Verein „Hilfe für psychisch Kranke Bonn / Rhein-Sieg“ (HfpK). „Für uns ist es eine gute Gelegenheit gewesen, die eigene Selbsthilfe-Arbeit einem breiteren Publikum vorzustellen“, stellte die BApK-Geschäftsführerin Dr. Caroline Trautmann fest. Es sei immer wieder spürbar, wie nötig konkrete Unterstützung nötig sei. Dabei ergänzten sich Angebote wie das „SeeleFon“ des BApK und die konkrete Beratungstätigkeit vor Ort.

In diesem Jahr legt die Mut-Tour unter der Führung von Initiator Sebastian Burger mehr als 7300 Kilometer mit 52 Tandemfahrern zurück. Burger geht es darum, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem man über die eigene psychische Erkrankung reden könne. „Heute Physio, morgen Psycho“ – dies sei die Vision, die Burger habe von einer gleichwertigen Betrachtung von körperlichen wie seelischen Erkrankungen.

Bereits zum dritten Mal nach 2012 und 2014 setzen sich depressionserfahrene Menschen und diejenigen, die sich mit ihnen solidarisieren, gemeinsam auf die Räder. Es gehe nicht nur um ein „Raus aus der Tabuzone!“, wie Sebastian Burger erzählt. Er habe die Erfahrung gemacht, dass Sport und Struktur, Natur und Gemeinschaft das Potential hätten, die Stimmung zu steigern. Es gehe darum, unverkrampft mit einer Erkrankung umzugehen, „die mehr Tote fordert als der Straßenverkehr und häufiger zur vorzeitigen Rente führe als ein Rückenleiden“.

Einer derjenigen, der das unverkrampfte Reden über seine Melancholie bereits eingeübt hat, ist Valentin Wolkow. Der 60jährige gelernte Krankenpfleger Wolkow hat ohne jede Scham von seinem Leidensweg und von seinen Odysseen durch psychiatrische Kliniken berichtet. Heute fühle er sich stabil und zufrieden, nachdem er nicht nur nach vielen Wegen die richtige Therapie erleben durfte. Er sagt selber, dass er inzwischen gut auf sich aufpassen könne.

Ein Smiley haben die Radlerinnen und Radler aus den Fahrradtaschen gepackt, was auf den ersten Blick überrascht hat. Doch haben Sebastian Burger und seine Mitradler die Verwunderung bald aufgelöst. Das Smiley sei nicht bloß ein Zeichen für die Fassadenhaftigkeit von Menschen. Es soll diejenigen Betroffenen repräsentieren, die es sich möglicherweise auch nicht erlauben können, die eigene Depression öffentlich zu machen.

So wie die Radlerinnen und Radler der Mut-Tour 2016 mit freudigen Gesichtern den Friedensplatz in der Bonner Innenstadt erreicht haben, so zufrieden haben sie den publikumsträchtigen Ort auch verlassen. Sie sind frohe Botschafter für die gute Sache gewesen.


Fotos: Christoph Müller

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