Neutralität und Unabhängigkeit


Die Wurzeln der Selbsthilfebewegung liegen in der Erkenntnis, dass die Versorgung chronisch kranker und behinderter Menschen bestimmte Defizite aufweisen, die von Leistungserbringern und Kostenträgern nicht aufgearbeitet werden und teilweise auch nicht aufgearbeitet werden können.

Die gegenseitige Unterstützung der von chronischen Erkrankungen und Behinderungen betroffenen Menschen und ihrer Angehörigen, die gemeinsame Interessenvertretung und der eigenständige Aufbau von Unterstützungsangeboten gehören zum Kernbild der Selbsthilfearbeit. Dieses Selbstverständnis beinhaltet, dass Selbsthilfeorganisationen chronisch kranker und behinderter Menschen und ihrer Angehörigen sich ausschließlich für die Interessen ihrer Mitglieder einsetzen.

Die Unabhängigkeit von fremder Einflussnahme und die Erarbeitung eigenständiger Positionen, d.h. Neutralität, sind prägende Elemente der verbandlichen Selbsthilfe.

In den vergangenen Jahren ist die Selbsthilfe zu einer eigenständigen „Dritten Kraft" neben Leistungsanbietern und Kostenträgern herangewachsen, um die Interessen der Patientinnen und Patienten, der Menschen mit Behinderung wirkungsvoll zu vertreten. Die Mitwirkung von Selbsthilfevertreterinnen und -vertretern in den Gremien des Sozial- und Gesundheitswesens ist heute anerkannt. Das auf Betroffenenkompetenz begründete Wissen wird von den unterschiedlichsten Seiten nachgefragt.

Dies alles ist mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden, der dem Gemeinwohl zugute kommt. Die Eigenmittel der chronisch kranken und behinderten Menschen bzw. deren Familien, die die Selbsthilfeorganisationen tragen, reichen oftmals nicht aus, die Vielzahl der Aktivitäten zu finanzieren. Daher ist die Förderung der Selbsthilfe eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der die Krankenkassen, Rehabilitationsträger sowie Bund, Länder und Kommunen beteiligt sein sollen.

Auch Wirtschaftsunternehmen engagieren sich bei der Unterstützung der Selbsthilfe.

Die Annahme von Mitteln durch Förderer und Sponsoren birgt die Gefahr, sich bewusst oder unbewusst an deren Anliegen zu orientieren. Es ist auch nicht auszuschließen, dass diese Akteure gezielt auf die Willensbildungsprozesse in der Selbsthilfe Einfluss nehmen möchten.

Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, hat sich der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker bereits im Jahr 2000 Leitsätze für den Umgang mit Spenden und Sponsoring gegeben. 2012 wurden diese Richtlinien neu gefasst und von den Mitgliedern, den Landesverbänden, einstimmig verabschiedet. Seit dem Jahr 2003 hat der Verband die zwischenzeitlich von seinem Dachverband, der BAG SELBSTHILFE, entwickelten Leitsätze übernommen und sich dem damit verbundenen Monitoringverfahren unterworfen. 

Dies erfolgte, um anhand konkreter Verhaltensmaßgaben die Neutralität und Unabhängigkeit unserer Organisation abzusichern und um den Aktiven in der Selbsthilfe eine entsprechende Handlungsorientierung zu geben.

Monitoring-Verfahren

Um die Konkretisierung der Leitsätze in der Praxis sicherzustellen und um Kontrollmechanismen zu etablieren, haben BAG SELBSTHILFE und FORUM im PARITÄTISCHEN ein gemeinsames Monitoring-Verfahren aufgebaut.

In diesem Verfahren kann jedermann Prüfbitten und Beanstandungen zu einem möglicherweise leitsatzwidrigen Verhalten an die Monitoring-Ausschüsse herantragen. Die Ausschüsse haben auch ein Initiativprüfungsrecht, wenn beispielsweise in einer Presseveröffentlichung das Verhalten eines Mitgliedsverbandes als problematisch dargestellt wird.

Wird leitsatzwidriges Verfahren festgestellt, dann wird mit dem jeweiligen Verband eine Abhilfemöglichkeit vereinbart. Ist der jeweilige Verband uneinsichtig, kann es auch zu Sanktionen kommen. Das Schwergewicht der Arbeit des Monitoring-Ausschusses liegt jedoch auf der Beratung der Mitgliedsverbände.

BAG SELBSTHILFE und FORUM im PARITÄTISCHEN haben damit ein System geschaffen, das einen fortlaufenden Diskussions- und Weiterentwicklungsprozess zur Absicherung von Neutralität und Unabhängigkeit der Selbsthilfe erlaubt.


Richtlinien des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V. - Familien-Selbsthilfe Psychiatrie – zur Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen und Zuwendungsgebern

 

[ ansehen ] oder [ herunterladen ]


Leitsätze der Selbsthilfe für die Zusammenarbeit mit Personen des privaten und öffentlichen Rechts, Organisationen und Wirtschaftsunternehmen, insbesondere im Gesundheitswesen

 

[ ansehen ] oder [ herunterladen ]

Suche

Derzeit befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

zu erreichen auch unter
0228 71 00 24 24

SeeleFon/SeeleFon-Logo
ist registrierte Schutzmarke des BApK e.V.

BApK-App für den Android