Selbstverständnis


Richtlinien für die Beratungstätigkeit

 

Selbsthilfe-Beratung .....

  • ist unabhängig von finanziellen, weltanschaulichen oder politischen Interessen
  • ist transparent, d.h., sie legt offen, woher die Informationen stammen
  • unterliegt den üblichen Schweigepflicht-Bedingungen
  • geschieht ehrenamtlich
  • ist offen für alle (Angehörige, Betroffene, Nachbarn, …)*
  • steht auch anonymen Fragestellern offen*

 

Selbsthilfe-Beratung .....

  • ist kein Ersatz für eine Therapie
  • kann keine langfristige Begleitung sein (max. 3-5 Kontakte)
  • kann keine Krisenintervention bieten

 

Wichtig: Die Verantwortung für die Beratung liegt beim Verband. Der Berater/die Beraterin ist dem Verband gegenüber verantwortlich.

*) kann abhängig von der Art der Beratung auch abweichend definiert werden


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Leitlinien für die Beratung

   

  • respektvoller Umgang mit den Ratsuchenden
  • Unterstützung durch verstehendes (aktives) Zuhören
  • ressourcenorientiert arbeiten (z.B. gesunde Anteile eines erkrankten Menschen sehen)
  • offen und ehrlich sein
  • gezielt nur Informationen geben, die aktuell gebraucht werden und sicher sind
  • keine Empfehlung von Medikamenten, Therapieverfahren, Kliniken, Ärzten, u.ä.
  • Grenzen beachten: Auftrag der Ratsuchenden, Auftrag der Selbsthilfe, professionelle Distanz
  • Selbsthilfepotenziale stärken
  • zeitnah antworten

  • persönliche Informationen werden im Beratungsgespräch nicht weitergegeben
  • die Beraterin/der Berater kann sich bei eigener Betroffenheit abgrenzen; dadurch zeigt sich die persönliche Kompetenz

 


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Kompetenz

   

  • wichtigster Punkt: Kompetenz für die Selbsthilfeberatung resultiert aus eigener Erfahrung und eigener Betroffenheit;
    zu der Erfahrung müssen jedoch weitere Qualitäten hinzu kommen
  • hilfreich kann eine „Beratungsmappe“ sein, in der Beratungs-Standards und fachliche Informationen nachlesbar sind
    Diskussionspunkt: muss "Beratungsmappe" auf Papier sein oder kann sie auch internetbasiert sein?

Fachliche Kompetenz – Faktenwissen

  • Basisinformationen, z.B. Broschüre „Psychisch krank. Und jetzt?“ (verfügbar auch als PDF mit Lesezeichen)
  • Linklisten
  • das "persönliche Schatzkästchen":
    viele Beraterinnen und Berater haben ein solches Schatzkästchen, in dem Sie Adressen und anderes sammeln
    Diskussionspunkte:
    » warum wird eine solche Sammlung geführt?
    » warum werden die Informationen anderen nicht zugänglich gemacht?
    » ist eine solche Sammlung vielleicht Ersatz, weil eine gut zusammengestellte Beratungsmappe fehlt?
  • weitere Punkte siehe unter "Kooperation/Vernetzung"

Beratungskompetenz

  • "Beratungsauftrag" feststellen und ggf. hinterfragen
  • Geduld, Empathie
  • Beratung darf nie wertend sein
  • Umgang mit Angriffen, Beschimpfungen etc
  • eigene Grenzen erkennen und beachten
  • Risiko:
    persönlicher Ehrgeiz, Probleme zu lösen, statt Hilfe zur Problemlösung zu geben

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Weiterbildung

   

Weiterbildungsbedarf muss regelmäßig ermittelt werden. Weiterbildung dient der Qualität der Beratung und der Souveränität der Berater/innen.

Themenfelder:

  • Gesprächsführung
  • Informationsbeschaffung
  • Kommunikationsstrategie
  • fachliche Themen

Wichtig: Die Selbsthilfeberatung soll kompetent sein, aber sie kann und soll keine professionelle Beratung durch (spezialisierte) Fachkräfte ersetzen!


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Supervision

  

  • Jeder Beratung anbietende Verband sollte seinen Beraterinnen und Beratern Unterstützung anbieten
    » zur Entlastung bei sehr belastenden Beratungen
    » zur Klärung von Unsicherheiten
    » zur Bewältigung von Konflikten, Beschimpfungen, Vorwürfen
  • Möglichkeit: Supervision durch externe Fachkraft
    » verbunden mit Kosten -> Finanzierung häufig über Selbsthilfeförderung der Krankenkassen möglich
  • Möglichkeit: "Peer-to-Peer" Supervision
    » auch durch den Austausch zwischen Beraterinnen und Beratern ohne externe/n Supervisor/in können die oben genannten Ziele erreicht werden
    » Nachteil: es fehlt die Möglichkeit, durch gezielte Fragen einer externen erfahrenen Fachkraft das eigene Handeln aus einer anderen Sicht zu überprüfen
     
  • Erfahrung:
    nicht alle Beraterinnen / Berater sind bereit, an Supervisionen teilzunehmen

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Schweigepflicht und Datenschutz

  

  • räumliche Trennung bei persönlicher Beratung
  • unbefugtes Mithören bei telefonischer Beratung vermeiden
  • unbefugten Zugriff auf Beratungsmails vermeiden
  • juristisch keine Schweigepflicht; Verschwiegenheit sollte aber selbstverständliche moralische Verpflichtung sein
  • in keinem Fall dürfen Informationen aus Beratungsgesprächen ohne ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen an Dritte weitergegeben werden
  • die strikte Trennung von Beratung und anderen Funktionen ist zu beachten, z.B. bei Tätigkeit in regionalen Gremien, aber auch Funktionen im örtlichen Verein oder Landesverband

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Transparenz

  

  • Was ist Ihre Motivation für Ihre Beratungstätigkeit?
  • Frage aus der Praxis: Woher beziehst Du Deine Informationen?
  • Frage aus der Praxis: Wer bist Du überhaupt? Bist Du Betroffene/Betroffener? Angehörige/Angehöriger?
  • Auch bei Fragen der Ratsuchenden ist es nicht notwendig, Informationen zur persönlichen Situation zu geben; im Gegenteil, persönliche Informationen sollten nur sehr zurückhaltend preisgegeben werden!
  • Grenzen der eigenen Zuständigkeit und der eigenen Verantwortlichkeit erkennen!

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Unabhängigkeit von Interessen und Geldgebern

   

  • vom Hilfesystem
  • von Pharmaunternehmen
  • von religiösen bzw. weltanschaulichen Richtungen
  • von politischen Meinungen
  • von Persönlichkeiten und Organisationen mit Meinungsführerschaft
  • aber: Selbsthilfeberatung ist immer subjektiv!

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