Exkurs: Die Aufmerksamkeit gezielt auf Lösungspotentiale lenken


Ein Prozess, der sich von einem negativ bewerteten Ist-Zustand in einen positiv bewerteten Soll-Zustand entwickelt, kann man als Lösung ansehen.

Möglichkeiten lösungsorientierten Arbeitens am Beratungstelefon
 

1. Den Blick auf bereits vorhandene Lösungstendenzen und –kompetenzen richten

Empathische Äußerungen können sich entweder auf das Thema und die damit verbundenen Gefühle, Affekte und Bewertungen beziehen oder auf die in den Äußerungen enthaltenen Wünsche und Ziele. Problemorientiertes Spiegeln bietet sich zu Beginn eines Gesprächs an, wenn es darum geht eine verständnisvolle Beziehung aufzubauen. Später geht es um die Weiterentwicklung. Hier sind manchmal direkte Fragen angebracht. Hilfreich sind auch manchmal Bewältigungsfragen, z.B. „Wie haben Sie es bisher geschafft mit der Situation fertig zu werden?“. Wichtig bei allem ist die wertschätzende Haltung.

2. Themen positiv umdeuten oder in einen sinnstiftenden Zusammenhang setzen

Themen positiv umdeuten bedeutet bisherige negative Bewertungen zugunsten positiver zu verändern. Man kann die Aufmerksamkeit auf die positiven Anliegen richten, die in der Äußerung von Problemen liegen. Positive Umdeutung geschieht auch dadurch, dass man dazu einlädt, das beklagte Thema in einen sinnstiftenden Zusammenhang zu setzen.

Die Sinngebung ist eine sehr persönliche Konstruktion. Sie ermöglicht den Menschen, ihr Leben unter den ihnen gegebenen Möglichkeiten und Begrenzungen zu bewältigen oder vielleicht auch nur auszuhalten. Besonders bei Krisen geht es neben der Angstreduktion um die Umwandlung der Warum-Frage („Warum musste mir das passieren?“). Die Warum-Frage eröffnet keine Perspektiven. Eine unterstützende Frage wäre z.B.: „Wozu fordert mich das Thema auf? Was könnte ich dadurch Neues im Leben entdecken?“

3. Zeitreisen in die Zukunft anbieten und den Blickwinkel auf die zukünftigen Auswirkungen des Themas erweitern

Bei Zeitreisen nimmt man die Zukunft gedanklich voraus. Das kann eine entlastende Funktion haben.

4. Lösungsvisionen entwickeln

Lösungsvisionen sind eine spezielle Form der Zeitreise in die Zukunft. Man lenkt die Aufmerksamkeit auf die gewünschte Erfahrung und präzisiert sie. Man lädt zur Konzentration auf die Veränderungsziele ein. Der Berater begleitet und festigt das, was kommt. Ein Einstieg ist möglich mit der Frage nach Veränderungswünschen („Was würden Sie gerne ändern?“) oder über hypothetische Lösungen („Was wäre für Sie anders, wenn unser Gespräch Ihnen geholfen hat?“)

Häufig entstehen daraus Ziele. Sie sollten positiv formuliert sein. Sie sind um so eher erreichbar, je kleiner sie sind. Ziele sollten möglichst konkret und anschaulich beschrieben werden.

Auch hilfreich sind Fragen nach Auswirkungen der gewünschten Veränderung. Zu berücksichtigen ist, dass jede Veränderungen ihren Preis hat. Ist der Hilfesuchende dazu bereit?

Manchmal können Anrufende sich nicht auf eine Vision festlegen. Es gibt dann einen Ambivalenzkonflikt über ihre Veränderungswünsche. Dies gilt es zu würdigen.

5. Ausnahmen vom Problem entdecken und nutzen

Manchmal haben Anrufende schon Erfahrungen auf dem Weg ihrer Lösungen. Hier helfen dann Ausnahmen des Problems, die es für den Lösungsprozess zu nutzen gilt.

Frage nach den Ausnahmen bietet sich an,

  • wenn der Hilfesuchende schon ein Ziel für sich selbst formulieren kann,
  • oder wenn man davon ausgeht, dass ein Problem nicht immer auftritt und der Anrufer sich schwer tut, eine Lösungsvision, ein Ziel für sich zu formulieren.

6. Unterstützung im Umfeld in Anspruch nehmen

Es ist hilfreich, gemeinsam nach Unterstützung im persönlichen Umfeld des Anrufenden zu suchen. Das Telefonat ist in der Regel eine kurzfristige und einmalige Unterstützung. Das Anliegen der Anrufer ist meist umfangreich und er benötigt vielleicht weitere Hilfe.

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