Hypnotherapie

Hypnose ist ein geistiger und körperlicher Zustand, den Menschen in allen Kulturen und Zeitaltern kennen. Rituale und Tänze sind Formen von Trance für unterschiedliche Zwecke, z.B. auch zur Krankenbehandlung. Sigmund Freund experimentierte schon im 19. Jahrhundert mit Hypnose. Was jedoch als moderne Hypnotherapie verstanden wird, stammt von Milton H. Erickson und hat seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts auch im deutschsprachigen Raum Verbreitung gefunden.

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Einsatzbereiche

Es gibt immer mehr Bereiche, in denen Hypnotherapie eingesetzt wird. Nicht nur in der Psychotherapie, auch bei chronischen Schmerzen, bei Tinnitus, in der Zahnmedizin und der Geburtshilfe haben sich positive Effekte gezeigt. Aus der Traumatherapie ist diese Methode kaum noch wegzudenken.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass sich durch die Kombination von kognitiver Verhaltenstherapie mit Hypnotherapie die Therapieergebnisse verbessern. Dies gilt auch für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.

Als ergänzendes Verfahren wird die Hypnotherapie von den Krankenkassen bezahlt, wenn die Zusatzqualifikation erbracht ist und eine entsprechende Eintragung im Arztregister vorliegt.

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Hohe Bereitschaft sich einzulassen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Hypnotherapie hat nichts mit Showhypnose, wie man sie von Varietees und Zaubervorstellungen kennt, zu tun. Auch wenn die Grundprinzipien ähnlich sind, sind die Ziele doch ganz andere. Der (scheinbar) völlige Verlust der Erlebniswirklichkeit, der bewussten Kontrolle und das Eintreten in die Vorstellungswelt des Bühnenhypnotiseurs verlangen eine hohe Bereitschaft der Showteilnehmer, bei dem »Spiel« mitzumachen.

Aber auch auf einer Bühne kann letztendlich nur das geschehen, was die Teilnehmer zulassen.Selbstverständlich veranstalten Therapeuten im Rahmen einer Psychotherapie keinen »Hokuspokus«, bei dem irgendwelche »übersinnlichen Kräfte« der Klienten geweckt werden.

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Wirksamkeit

Die Wirksamkeit der Hypnotherapie ist wissenschaftlich belegt (Grawe 1994). Menschen werden von ihren Überzeugungen, Glaubenssätzen und Ritualen geleitet. Deshalb ist es nahe liegend, mit diesen Konstrukten in Form von Suggestionen zielgerichtet therapeutisch zu arbeiten. Der Satz »Der Glaube versetzt Berge« ist z. B. eine positive Suggestion, eine innere Überzeugung, die jemandem auch in den schwersten Zeiten helfen kann, seine Zuversicht zu behalten.

Unabhängig davon, welche inneren Bilder oder Begriffe jemand vom Unterbewusstsein hat, sie können auf jeden Fall als heilende Kräfte genutzt werden. Sätze wie »Mein Körper weiß schon, was gut für mich ist« führen den Körper als eigenständige Instanz ein. In der Hypnotherapie werden solche heilenden Konstrukte bewusst eingesetzt und nutzbar gemacht. Der zentrale Begriff der Hypnotherapie ist »Trance«.

Es handelt sich dabei um einen Bewusstseinszustand mit einer starken Konzentration nach innen, der Ausblendung äußerer Reize und der Zurückstellung bewusster kognitiver Vorgänge und körperlicher Zustände. Wir kennen diese Zustände in Form von Selbsthypnose auch aus dem Alltag. Am Fenster stehen, nicht wirklich wahrnehmen, was draußen abläuft, und gleichzeitig von dem »inneren Film« gefesselt sein, ist eine Form davon. Von Hypnotherapie kann aber nur dann die Rede sein, wenn die Suggestionen durch Therapeuten hervorgerufen und unterstützt werden.

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Intensiver Kontakt

Wichtig ist dabei, dass der Rapport, der Kontakt zwischen Therapeuten und Klienten, sehr intensiv ist und aufrechterhalten wird. In Gang gebracht wird eine ganz bestimmte Art der Kommunikation, bei der innere Bilder entstehen, die therapeutisch nützlich sein können.

Mit diesen Suggestionen werden die Klienten eingeladen, heilsame innere Prozesse in Bewegung zu bringen. Selbstheilungskräfte, unbewusste Ressourcen und Lösungskompetenzen werden auf diese Weise aktiviert. Damit Suggestion gelingen kann, ist es hilfreich, dass jemand in der Lage ist, sich Dinge lebhaft vorzustellen, sich gut zu konzentrieren und sich intensiv auf die inneren Bilder einzulassen.

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Jederzeit aussteigen

Die weit verbreitete Angst, in einem Trancezustand die Kontrolle zu verlieren, ist unbegründet, weil es jederzeit möglich ist auszusteigen. Trance kann in unterschiedlicher Tiefe und Ausprägung erlebt werden. Die Therapeutin hilft der Klientin durch eine bestimmte Sprechweise, die Augen zu schließen, störende Außenreize weniger wahrzunehmen, sich zu entspannen und Bilder aus dem Unbewussten vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Mit Hilfe von Ritualen oder imaginierten positiven Veränderungen der inneren Wirklichkeit wird eine emotionale Erleichterung bewirkt.

Wenn eine Frau z. B. in der Kindheit eine schwere Traumatisierung durch einen sexuellen Missbrauch erlebt hat, dann wird diese Gewalterfahrung für sie immer Realität bleiben. Die Hypnotherapie kann ihr aber helfen, die traumatisierende Erfahrung des Missbrauchs als Kind mit den Kompetenzen der erwachsenen Frau, die sie ja auch ist, zu bewältigen. Das wird ihr helfen, ihr Erleben und Verhalten im Alltag positiv zu verändern.

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Eine Frage des Vertrauens

Hypnotherapie ist in hohem Maße eine Frage des Vertrauens, zum einen in die Kompetenzen der Therapeutin, zum anderen in sich selber als Klientin und zum dritten in die Beziehung zwischen beiden. Sie setzt Experimentierfreude voraus und erfordert die Bereitschaft, sich auf ungewöhnliche Prozesse einzulassen. 

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Literatur

  • Peter, B.: Einführung in die Hypnotherapie. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 2007
  • Schmidt, G.: Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 2005

Internet

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Rosemarie Piontek ist niedergelassene Psychologische Psychotherapeutin in einer Gemeinschaftspraxis in Bamberg. Sie ist Mitorganisatorin des Bamberger Instituts für Gender und Gesundheit (BIGG e.V.), tätig als Dozentin und Supervisorin.

Text von Rosemarie Piontek aus: Mut zur Veränderung. Methoden und Möglichkeiten der Psychotherapie. Balance buch + medien verlag, Bonn 2009