Kreativtherapien

Nicht immer kann man alles mit Worten ausdrücken, was man möchte, was einen bewegt oder aufwühlt, traurig macht oder verzweifeln lässt. Manchmal werden solche Gefühle nicht akzeptiert oder versteckt. Oder der Weg in das eigene Erleben ist durch belastende Erfahrungen und Erlebnisse aus der Vergangenheit blockiert. Manche Menschen brauchen dabei Hilfe und häufig gibt es keinen Raum, in dem solche Gefühle gelebt, gezeigt und verarbeitet werden können.

Die eigene Person anders erleben und verändern

Musik, Theaterspiel, Tanz oder bildnerisches Arbeiten können dazu beitragen, Empfindungen und Wünsche auszudrücken, bewusst zu machen und zu verändern. Künstlerische Medien und Ausdrucksformen werden in der Kreativtherapie genutzt, um Veränderungsprozesse anzuregen, zu begleiten und abzurunden. Sie ermöglichen Situationen, die zunächst ungewohnt und neu sind. Dabei tauchen neue und verschüttete Fähigkeiten auf, Stärken und Schwächen sowie neue Erkenntnisse über die eigene Person werden gewonnen.

Kreativtherapien bieten ein Experimentierfeld und einen Erlebnisraum, um die eigene Kreativität zu entdecken und für Veränderungen zu nutzen – ohne Leistungsdruck und nicht mit dem Anspruch künstlerische Werke zu schaffen.

Auch wenn das Sprechen über Probleme und über das künstlerische Schaffen Bestandteil der Kreativtherapien ist, wird in erster Linie in der jeweiligen „Sprache“ der Musik, des Theaters, des Tanzes oder der bildenden Kunst gearbeitet.

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Formen der Kreativtherapien

  • Dramatherapie nutzt die Mittel des Theaters, beispielsweise das Absurde Theater, die Improvisation, das Maskenspiel, das Erzählen einer beeindruckenden Episode oder das Bauen einer Kulisse. Durch Spielfreude, Neugierde und Erfindungsreichtum werden neue Erlebniswelten geschaffen und für Veränderungen genutzt.
  • Die Kunsttherapie arbeitet unter anderem mit Ton, Stein, Holz, Pappmaschee, Kreide oder Farben. Durch das Gestalten künstlerischer Materialien werden innere Bilder, Gefühle, Bedürfnisse, Vorstellungen und Erfahrungen sichtbar und erfahrbar gemacht.
  • Die Musiktherapie arbeitet mit Instrumenten, der eigenen Stimme und Tonträgern. Dabei geht es darum, zu hören, sich hören zu lassen, gehört zu werden, sich Gehör zu verschaffen und zuzuhören.
  • In der Tanztherapie werden Elemente von Bewegung, Rhythmus, Spiel, Entspannung und Phantasie genutzt. Dabei geht es um die Wechselwirkungen von körperlichem Erleben, Denken und Fühlen.

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Für wen welche Kreativtherapie?

Kreativtherapien ergänzen Psychotherapien und werden einzeln oder in Gruppen angeboten. Sie werden in Abstimmung mit den Patientinnen und Patienten sowie den Kreativtherapeuten vom behandelnden Arzt oder Therapeuten verordnet. Ein wichtiges Kriterium ist die Art der Erkrankung oder der Beeinträchtigung. Denn nicht jede Kreativtherapie eignet sich gleichermaßen für die Bearbeitung jedes Problems.

Kreativtherapien sind eine Einladung, neue Erfahrungen zu machen und diese für Veränderungen zu nutzen. Erfahrungen mit Musik, Theaterspiel, Tanz oder künstlerischem Arbeiten sind dabei keine Voraussetzungen.

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Literatur

  • Decker-Voigt, Hans-Helmut; Oberegelsbacher, Dorothea; Timmermann, Tonius: Lehrbuch Musiktherapie. UTB-M 2008, ca. 360 Seiten, ISBN& 3-8252-3068-5
  • K.-H. Menzen: Grundlagen der Kunsttherapie. Reinhardt Verlag, München 2001
  • Neumann; Müller-Weith; Stoltenhoff-Erdmann: Theater-Therapie – Ein Handbuch. Junfermann Verlag, Paderborn, 2002, ISBN 3-87387-513-6, 357 Seiten
  • H. Petzold (Hrsg.): Die neuen Kreativitätstherapien. Handbuch der Kunsttherapie. Band I und II., Junfermann, Paderborn 1990, ISBN 3-87387-027-4.
  • Ute Rentmeister (Hg.): Lärmende Stille im Kopf - Musiktherapie in der Psychiatrie. Reichert-Verlag Wiesbaden 2006, ISBN 3-89500-535-5, 112 Seiten

Internet

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Text von Ludwig Janssen (ursprünglich für ein Faltblatt des Landschaftsverbandes Rheinland). Er arbeitet freiberuflich als Autor und Redakteur.