Soziotherapie

Soziotherapie ist zum 1. Januar 2000 als neue Leistung im Krankenversicherungsrecht (§ 37 a SGB V) für Versicherte aufgenommen
worden, die wegen schwerer psychischer Erkrankung nicht in der Lage sind, ärztliche oder ärztlich verordnete Leistungen selbstständig in Anspruch zu nehmen.

Ein Anspruch auf Soziotherapie besteht, wenn dadurch Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt wird oder wenn die gebotene Krankenhausbehandlung nicht ausführbar ist.

Die Soziotherapie umfasst die im Einzelfall erforderliche Koordinierung der verordneten Leistungen sowie Anleitung und Motivation zu deren Inanspruchnahme. Der Anspruch besteht für höchstens 120 Stunden innerhalb von drei Jahren je Krankheitsfall.

Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen hat in den Richtlinien nach § 92 SGB V das Nähere über Voraussetzungen, Art und Umfang der Versorgung mit Soziotherapie bestimmt, insbesondere

  • die Krankheitsbilder, bei deren Behandlung Soziotherapie im Regelfall erforderlich ist,
  • die Ziele, den Inhalt, den Umfang, die Dauer und die Häufigkeit von Soziotherapie,
  • die Voraussetzungen, unter denen Ärzte zur Verordnung von Soziotherapie berechtigt sind,
  • die Anforderungen an die Therapiefähigkeit des Patienten,
  • Inhalt und Form der Zusammenarbeit des verordnenden Arztes mit dem Leistungserbringer.

Stolperstein

Wie bei der häuslichen Krankenpflege sind in den Richtlinien nicht alle psychiatrischen Diagnosen angeführt. So ist zum Beispiel Soziotherapie bei Suchterkrankungen nicht möglich.

In einer bundesweiten Erhebung der Aktion Psychisch Kranke wurde zudem deutlich, dass nur in wenigen Bundesländern Soziotherapie flächendeckend angeboten wird (Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg) und die Krankenkassen sich oft restriktiv verhalten. Die Leistungen der Soziotherapie sind zuzahlungspflichtig (Zuzahlungen).

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Text von Karl-Ernst Brill, überarbeitet und aktualisiert von Jörg Holke und Angela Bleckmann aus BApK (Hg.): Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige. Balance buch + medien Verlag, 2. Auflage, Bonn 2009