Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Diese Therapieform basiert auf ähnlichen psychodynamischen Grund annahmen wie die Psychoanalyse, geht jedoch in der Praxis eigene und kürzere Wege. Schon einige Schüler Sigmund Freuds führten analytische Kurztherapien durch, z. B. Sandro Ferenczi, Otto Rank und Franz Alexander.

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Wirksamkeit

Je nach methodischer Ausrichtung wird von »tiefenpsychologischer Kurztherapie oder Beratung« oder auch von »Fokaltherapie« gesprochen. Für beide Methoden konnte in wissenschaftlichen Studien eine hinreichende Wirksamkeit nachgewiesen werden und so erkennen auch »klassische« Psychoanalytiker die Existenzberechtigung dieser Methoden zunehmend an und nutzen sie oft auch.

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Fehlentwicklungen in der Kindheit

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie geht davon aus, dass psychische Störungen und Krankheiten aufgrund von Fehlentwicklungen in der Kindheit entstehen. Außerdem wird angenommen, dass körperliche Anlagen, die vererbt oder erworben sein können, eine gewisse Rolle spielen. Menschen richten sich in ihrem Leben in der Regel mit ihren Belastungen ein.

Wenn das nicht gelingt, weil die Fehlorganisation zu groß ist oder in Krisensituationen die Strategien nicht tragfähig genug sind, dann kann es zu behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen kommen. Der betroffene Mensch fühlt sich unglücklich, gerät unter Leidensdruck und entwickelt Symptome.

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Kernkonflikte identifizieren

In der Therapie wird versucht, den Kernkonflikt zu identifizieren und herauszuarbeiten, nach welchen automatisch ablaufenden inneren Plänen der Betroffene fühlt, denkt und handelt. Die Diagnose, die daraus resultiert, und die therapeutische Vorgehensweise orientieren sich an den Erkenntnissen der Psychoanalyse.

Die Therapie besteht nun darin, die dysfunktionalen Anteile aufzudecken, bewusst zu machen und Alternativen zu entwickeln. Anders als bei der Psychoanalyse ist das Ziel nicht die möglichst weitgehende Umstrukturierung der Persönlichkeit, sondern primär die Lockerung von unbewussten Konflikten zur Lösung von Problemen.

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Tiefenpsychologische Kurztherapie

Auch bei der tiefenpsychologischen Kurztherapie ist es das therapeutische Ziel, eine Vorstellung davon zu bekommen, nach welchen unbewussten »Bauplänen« ein dysfunktionales Erlebensmuster strukturiert ist. Anfangs noch offen für alle Assoziationen der Klienten, werden die Informationen theoriegeleitet gefiltert. Im nächsten Schritt erfolgt eine Konfrontation mit dem herausgefundenen Muster und den bedrohlichen Gefühlen, um dann in kleinen Schritten das Problem zu bearbeiten.

Dadurch sollen die Klienten Verständnis für ihr Erleben und Verhalten bekommen und hilfreiche Strategien entwickeln. Die Arbeit mit der Übertragungsbeziehung zwischen Therapeuten und Klienten spielt bei der tiefenpsychologischen Kurztherapie keine so große Rolle wie in der Psychoanalyse. Im Zentrum stehen eher die Bearbeitung der Konfliktmuster und der konkreten Probleme.

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Wahrnehmung und Akzeptanz

In der Therapiesitzung wird z. B. von der Therapeutin eine Situation hergestellt, in der die Klientin immer wieder mit der gleichen, wenig hilfreichen neurotischen Strategie, die sie in der Kindheit entwickelt hat, reagiert. Die Therapeutin verhilft ihr zur Wahrnehmung dieses Ablaufs und auch zur Akzeptanz der damit verbundenen negativen Gefühle wie Schuld und Scham. Die Klientin hat die Möglichkeit, eine neue emotionale Erfahrung zu machen und die alten Beziehungsmuster zu korrigieren.

Wichtig für die tiefenpsychologische Kurztherapie ist eine vertrauensvolle, akzeptierende und wohlwollende Beziehung, weil sich im Therapieprozess häufig eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Es ist für die Klienten nicht leicht, sich mit sich selber und den automatisch ablaufenden Mustern zu konfrontieren. Ein Sturm von Gefühlen verstellt oft den Blick auf den blinden Fleck.

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Deutungsangebote und Lösungsversuche

Die therapeutische Rolle ist aktiver als in der Psychoanalyse, beinhaltet Deutungsangebote und zielgerichtete Interventionen bei der Lösungssuche. Neben Hypothesen über die unbewussten Konflikte bringt die Therapeutin ihre eigenen Gefühlswahrnehmungen als wichtige Informationsquelle für die Klientin in das therapeutische Gespräch ein. 

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Literatur

  • Siegfried Elhardt: Tiefenpsychologie. Eine Einführung. Kohlhammer, 2006
  • Josef Rattner: Klassiker der Tiefenpsychologie. Bechtermünz Verlag, 1997

Internet

  • Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT): www.dgpt.de
  • Deutsche Fachgesellschaft für Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: www.dft-online.de

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Rosemarie Piontek ist niedergelassene Psychologische Psychotherapeutin in einer Gemeinschaftspraxis in Bamberg. Sie ist Mitorganisatorin des Bamberger Instituts für Gender und Gesundheit (BIGG e.V.), tätig als Dozentin und Supervisorin.

Text von Rosemarie Piontek aus: Mut zur Veränderung. Methoden und Möglichkeiten der Psychotherapie. Balance buch + medien verlag, Bonn 2009