Übungsorientierte Verfahren

Diese Verfahren werden bevorzugt im Zusammenhang mit Verhaltenstherapie angewendet, können jedoch auch als eigenständige Interventionen angeboten werden. Sie haben ein klar eingegrenztes Ziel und dienen der Förderung spezieller Fähigkeiten.

Konzentrations- und Gedächtnistraining etwa zielen auf die Verbesserung konkreter Funktionen ab. Bei einem Training zur Schmerzbewältigung oder bei Tinnitus geht es hingegen um die Verbesserung des Umgangs mit einer chronischen Krankheit.Selbstsicherheitstrainings und Stressimpfungstrainings sollen Alltagskompetenzen verbessern.

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Im Alltag praktizieren

Sehr häufig eingesetzt wird die Progressive Muskelentspannung (oder Muskelrelaxation) und das Autogene Training. Angeboten werden beide Verfahren sowohl von Volkshochschulen, Krankenkassen und Beratungsstellen als auch von Kliniken und medizinischen oder psychotherapeutischen Praxen. Je nach Rahmenbedingungen ist die Bezahlung unterschiedlich geregelt. Wenn das Verfahren Teil einer medizinischen oder psychotherapeutischen Behandlung ist, dann zahlt die Krankenkasse.

Wenn das Training der Erweiterung der persönlichen Kompetenzen dient, dann müssen die Teilnehmer die Kosten zunächst meist selber tragen. Zum Teil können allerdings bis zu 80 Prozent der Kosten von den Krankenkassen als Präventionsmaßnahme erstattet werden.

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Vermittlung

Alle übungsorientierten Verfahren werden in sehr klar strukturierten Sitzungen vermittelt. Die Grundzüge des Verfahrens werden erklärt, gezeigt und geübt. Oft findet das in Gruppen statt, aber auch Einzelsitzungen sind möglich. Wichtig ist, dass die einzelnen Schritte korrekt ausgeführt werden. Wenn sich Fehler einschleichen, kann es zum Stillstand kommen. Deshalb ist eine qualifizierte und aufmerksame Anleitung sehr wichtig. Die Abläufe werden möglichst häufig wiederholt, Fragen dazu beantwortet, auch individuelle Durchführungsformen erprobt.

Die Hauptarbeit liegt darin, das Erlernte zwischen den Sitzungen im Alltag zu praktizieren und regelmäßig zu üben. Ohne ständige Wiederholung und Übung sind Entspannungsverfahren nicht wirksam.

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Progressive Muskelentspannung

Bei der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson werden z. B. die Muskeln der einzelnen Körperbereiche nacheinander angespannt und anschließend ganz bewusst entspannt. In dem Gegensatz zwischen Anspannung und Entspannung ist das Loslassen hin zur Entspannung besonders deutlich zu spüren. Körperliche Muskelentspannung und psychischer Stress können nicht gleichzeitig auftreten.

Deshalb ist der Zugang zur psychischen Beruhigung über körperliche Entspannung so wirkungsvoll. Anspannung und Entspannung folgen dem Rhythmus der Atmung, ein inneres Kommando übernimmt die Regie. Nach einiger Zeit kann sich die Entspannung dann schon allein auf das innere Kommando hin einstellen.

 

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Autogenes Training

Auch das Autogene Training ist ein wirkungsvolles Verfahren, das auf Autosuggestion beruht. Diese »konzentrative Selbstentspannung « arbeitet mit Übungsformeln wie z. B. »Mein rechter Arm ist schwer«. Die Vorstellung von Schwere, Wärme oder Ruhe in einzelnen Körperregionen spielt eine zentrale Rolle. Mit viel Übung kann dadurch eine grundlegende Beruhigung des Organismus erreicht werden.

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Selbstsicherheitstraining

Selbstsicherheitstrainings haben ebenfalls feste Übungselemente, orientieren sich aber immer an einem konkreten Problem. So kann es z. B. das Ziel sein, dem Kollegen zu untersagen, im gemeinsamen Büro zu rauchen, oder die Frauen in der Sauna aufzufordern, im Ruheraum nicht dauernd zu reden. Solche Übungen werden während der Sitzungen herausgearbeitet, geübt und dann im »richtigen Leben« ausprobiert. Danach werden die Erfahrungen besprochen und Verbesserungen vorgeschlagen.

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Schmerzbewältigungstraining

Bei einem Schmerzbewältigungstraining wird der Umgang mit Schmerz analysiert und anschließend zielgerichtet verändert. Am Anfang stehen deshalb z. B. folgende Fragen: Wie belastend wird der Schmerz erlebt? Wie heftig wird er eingeschätzt? Unter welchen Bedingungen nimmt die Belastung ab? Wie kann die Aufmerksamkeit gelenkt werden? Was kann dem Schmerz zur Seite gestellt werden?

Durch Selbstinstruktionen – das sind hilfreiche Sätze, die eine positive Wirkung haben – wird die Aufmerksamkeit vom Symptom weggelenkt. Dieser Vorgang bedarf einer intensiven Übung und häufigen Wiederholung, bis er automatisiert ist.

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Motivation

Alle übungsorientierten Verfahren erfordern ein gewisses Durchhaltevermögen. Auch wenn die Motivation nachlässt, ist es wichtig, wenigstens ganz kurze Übungseinheiten täglich durchzuführen. Eine kleine Übung ist besser als keine. Nur so kann sich ein neues Verhalten stabilisieren und automatisieren.

Wenn sich dann eine Veränderung bemerkbar macht, kommt auch die Motivation zurück. Hilfreich ist eine Teilnahme an einer Gruppe, weil das gemeinsame Überwinden der »Durststrecke« leichter ist als »allein in der Wüste« zu stehen.

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Literatur

  • Gustl Marlock, Halko Weiss: Handbuch der Körperpsychotherapie<. Schattauer, Stuttgart 2006, ISBN 3-7945-2473-X
  • Bernhard Schlage: Die Entdeckung des (Un)Möglichen. Persönliche Veränderung durch Körperpsychotherapie. Berlin 2008, ISBN 3-86805-224-4

Internet

  • Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Medizin und Psychotherapie (DGPM): www.dgpm.de

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Rosemarie Piontek ist niedergelassene Psychologische Psychotherapeutin in einer Gemeinschaftspraxis in Bamberg. Sie ist Mitorganisatorin des Bamberger Instituts für Gender und Gesundheit (BIGG e.V.), tätig als Dozentin und Supervisorin.

Text von Rosemarie Piontek aus: Mut zur Veränderung. Methoden und Möglichkeiten der Psychotherapie. Balance buch + medien verlag, Bonn 2009