Handbuch berufliche Integration
Arbeit ist für Menschen mit psychischen Erkrankungen von zentraler Bedeutung. Je stärker sich die Erkrankung auf die Erwerbsfähigkeit auswirkt, umso schwieriger ist es in – möglichst angemessen bezahlte – Arbeit zu kommen bzw. in Arbeit zu bleiben. Ohne Unterstützung ist für die Mehrzahl der Betroffenen dieser Weg kaum zu schaffen. Hinzu kommt ein an Kompliziertheit und ständiger Veränderung kaum zu überbietendes System der Arbeitsförderung in Deutschland. Handbücher und Arbeitshilfen zu dieser Thematik für Professionelle und Selbsthilfe waren deshalb bisher Mangelware bzw. nicht vorhanden.
Mit dem Handbuch »Berufliche Integration und Rehabilitation« liegt jetzt bereits in der zweiten Auflage ein Überblickswerk auf dem Tisch, das genau in diese Lücke stößt. Aber nicht nur der Überblick, auch das Mutmachen, das Wege in bezahlte Arbeit möglich sind, ist das Ziel der beiden Herausgeber.
Beides ist den Herausgebern durch die Auswahl der Beiträge und die inhaltliche Ausrichtung hervorragend gelungen. Selbst über jahrzehntelange Erfahrung in der beruflichen Praxis verfügend, haben sie auf Autoren und Autorinnen gesetzt, die Theorie und Praxis verständlich und anwendungsbezogen verknüpfen. Zudem ist es den Herausgebern Lob zu zollen, die Betroffenen durch Interviews und Erfahrungsberichte im Handbuch ausführlich zu Wort kommen zu lassen.
Das Handbuch vermittelt eine Fülle von wichtigen Sachinformationen, die allesamt erforderlich sind, um sich im Dickicht der Fördermöglichkeiten und deren Anwendung zurechtzufinden. So werden die Grundlagen des Sozialrechts wie auch die verschiedenen konkreten Fördermöglichkeiten erläutert. Immer im Auge wird dabei behalten die Heterogenität der Zielgruppe. So werden die sich verändernden Werkstatt- und Zuverdienstmöglichkeiten bei nicht oder noch nicht vorhandener Erwerbsfähigkeit (weniger als drei Stunden täglich), aber auch die Möglichkeiten der Jobcenter und der Arbeitsagenturen beschrieben (mindestens drei Stunden täglich bzw. rehabilitationsfähig).
In den Beiträgen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation wird deutlich, dass solche Maßnahmen nur Sinn machen, wenn sie sich an den Möglichkeiten und Wünschen der Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen orientieren.
Aber auch in Bezug auf Methoden und konzeptionelle Ausrichtung der Unterstützung hat das Handbuch Vielfältiges zu bieten. Angefangen von der Beratung und Diagnostik, über Vorbereitung und in Arbeit kommen, hin zu in Arbeit bleiben und die möglichen Arbeitsorte wird das jeweilige Handwerkzeug umfassend dargestellt. Insbesondere die Beiträge Becker, Plößl/Hammer und Mecklenburg ermöglichen hier einen systematischen Überblick und konzeptionelle Orientierung. In der zweiten Auflage ist zudem ein Beitrag zur ICF-Diagnostik aufgenommen worden. Dieses Diagnostikinstrument zur umfassenden Beschreibung von Einschränkungen und Fähigkeiten gewinnt zunehmend Bedeutung in der beruflichen Rehabilitation.
Das Dilemma, dass Handbücher in diesem Handlungsfeld nicht Schritt halten können mit den ständigen Gesetzesreformen und Veränderungen in der Förderlandschaft, kann auch dieses Handbuch nicht umfassend lösen. Der gewählte Ausweg in der zweiten Auflage, durch den exzellenten Beitrag von Storck die aktuellen neuen Möglichkeiten zu bilanzieren und Perspektiven aufzuzeigen, kann hier eine zukunftweisende Option sein. Vielleicht kann ja solch ein Beitrag jährlich per Internetupdate die Zeit bis zu nächsten Auflage überbrücken.
Mit dem jetzt aktualisierten Handbuch liegt ein Nachschlagwerk und eine Arbeitshilfe vor, die in keinem Bücherregal von professionell Tätigen fehlen darf und auch Betroffene bzw. der Selbsthilfe nur zu empfehlen ist – auch wenn hier der Preis ein Problem sein wird.
Jörg Holke in Psychosoziale Umschau
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Hermann Mecklenburg, Joachim Storck (Hg.): Handbuch berufliche Integration und Rehabilitation - Wie psychisch kranke Menschen in Arbeit kommen und bleiben. Psychiatrie-Verlag, 2. Auflage Bonn 2010, 354 Seiten, 39,95 Euro





