Stimmungsstabilisierende Therapien bipolaren Erkrankungen

Das kleine Büchlein über stimmungsstabilisierende Therapien bipolarer Erkrankungen ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Einer der beiden Autoren gehört zu den Pionieren der Lithiumbehandlung und -prophylaxe. Das Konzept des Buches praktiziert den Trialog zwischen Depressions- bzw. Manie-Erfahrenen, ihren Angehörigen und Fachleuten.

Das kleine Büchlein über stimmungsstabilisierende Therapien bipolarer Erkrankungen ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Einer der beiden Autoren – Waldemar Greil, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Ärztlicher Direktor im Sanatorium Kilchberg in der Nähe von Zürich – gehört neben M. Schou und B. Müller-Oerlinghausen zu den Pionieren der Lithiumbehandlung und -prophylaxe; das Konzept des Buches praktiziert den Trialog zwischen Depressions- bzw. Manie-Erfahrenen, ihren Angehörigen und Fachleuten; und mit dem Vorwort von Jules Angst wurde ein Mentor gefunden, dessen Zustimmung zu dem Buch für sich bereits eine hinreichende Empfehlung darstellt.

Das Buch ist übersichtlich und klar gegliedert und flüssig geschrieben. Es ist für medizinische Laien gut verständlich, setzt keine Kenntnis einer Spezialterminologie voraus und ermöglicht es den von der Erkrankung Betroffenen, »Experten in eigener Sache« zu werden (S. 1). Aber auch Psychologen und Psychiater lesen das Buch mit Gewinn, weil es den aktuellen Wissensstand zum Thema der Behandlung affektiver Störungen auf knappem Raum und in didadiktisch angenehmer Weise zusammenfasst.

Zunächst werden eine Klärung des Begriffs der affektiven Störung und eine Darstellung von Symptomatik,Verlauf und Ätiologie gegeben, wobei auch auf die sozialen Folgen der Erkrankung hingewiesen und beispielsweise darauf aufmerksam gemacht wird, dass in einer Studie innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren nach dem ersten Klinikaufenthalt zwar die meisten Patienten fast keine Symptome mehr aufwiesen, dagegen nur 43 % ihren sozialen Status von vor der Erkrankung wieder erreichten (S. 35).

Es folgen Ausführungen über die medikamentöse Behandlung der akuten Depression und Manie, die Problematik von Durchbruchsdepressionen und -manien wird angesprochen, die Schwierigkeit der Behandlung gemischter Episoden und des Rapid Cycling diskutiert.

Den Schwerpunkt des Buches stellt allerdings die Rezidivprophylaxe affektiver Episoden dar, die zunächst eher grundsätzlich und danach anhand der einzelnen Substanzklassen ausführlich abgehandelt wird, wobei neben der Wirkung vor allem den jeweiligen Nebenwirkungen besondere Aufmerksamkeit zukommt. Am Schluß wird das Buch durch Fragen zur Selbstkontrolle abgerundet, deren Beantwortung zugleich eine knappe Zusammenfassung des Wesentlichen bietet.

Etwas ausführlicher würde man sich für die nächste Auflage vielleicht bestimmte Kapitel wie das über nichtmedikamentöse Behandlungen wünschen, die etwas kurz geraten sind, oder auch Hinweise auf rechtliche Aspekte. Insgesamt ist das Buch jedoch allen, die, sei es aus beruflicher, sei es aus Betroffenen-Perspektive mit der Thematik befasst sind, sehr zu empfehlen.

Herbert Steinböck in Recht & Psychiatrie

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