Irgendjemand lacht in mir

"Wenn ich diese verdammte Welt hinter mir lasse, könnte ich mich damit befassen, über meine schizophrenen Abenteuer zu berichten", notiert Sven Ramos-Bulik in einer Lebensphase, in der es ihm noch nicht besonders gut geht. Zwar hat er sich entschlossen, in die Klinik zu gehen, doch noch hat er Margarita, seine innere Stimme, nicht besiegt, noch ängstigen ihn seine telepathischen Fähigkeiten, fühlt er in sich das Messianische und glaubt an seine Unsterblichkeit. Aber eigentlich hat er genug von diesen übersinnlichen Erfahrungen, denn "Gott sein macht einsam".

Zu dieser Zeit, etwa Mitte der 90er-Jahre, hat er ein gutes Stück des Weges zu sich selbst schon bewältigt. Die Drogenexperimente, die zum Ausbruch der Schizophrenie geführt haben, zu Halluzinationen, zu Angstattacken, bei denen er sich in seiner Wohnung verkriechen musste, zum Glauben an die Erleuchtung und zu dem einsamen Leben eines "Auserwählten".

Damals, als er das Interesse an den normalen Menschen und den Kontakt zu ihnen verlor, blieb ihm nicht nur Margarita, sondern zum Glück auch das Tagebuch, dem er seine Größenideen, aber auch Unsicherheit und Verzweiflung anvertraute.

Diese Aufzeichnungen bilden nun die Grundlage für sein Buch mit dem schönen Titel "Irgendjemand lacht in mir". Es ist keine leichte Lektüre, denn der ursprüngliche Stil ist wohl weitgehend übernommen; Gedankenfetzen und Assoziationen stehen neben Schilderungen von Befindlichkeiten und erzählenden Passagen. Insofern ist die etwas anmaßende Ankündigung der Koutorin Susan Schmidt einer "Übersetzung aus dem Schizophrenen" durchaus gelungen, was allerdings die hier und da fehlende Lektorierung des Textes zu einer Gratwanderung werden lässt.

Die Einführung der Psychologin gibt zwar wertvolle biografische Informationen und erläutert Zusammenhänge, könnte aber durch die therapeutische Diktion den Leserkreis eher einschränken.

Wer Sven Ramos-Bulik persönlich kennt, weiß um seine ungewöhnliche Fähigkeit, fesselnd über sich und seine Geschichte zu berichten. Im letzten Kapitel höre ich ihn sprechen, wenn er seine Einsichten formuliert und uns darin nach der langen und noch unvollendeten Odyssee mit auf den Weg gibt, dass die Wirklichkeit viel schöner und intensiver ist und viel mehr Möglichkeiten bietet als jede Droge. "Es lohnt sich wirklich durchzuhalten. Alles wird gut."

Thomas R. Müller in Soziale Psychiatrie

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Sven Ramos-Bulik: Irgendjemand lacht in mir - Aus dem Schizophrenen übersetzt von Susan Schmidt. Mensch & Buch Verlag, Berlin 2007, 134 S., 9,90 Euro