Kinder und Partner psychisch kranker Menschen

Herausgebern und Autoren gehen sehr differenziert auf die Lebenssituation von Kindern und Partnern psychisch erkrankter Menschen ein. Die Interventionen einer professionellen Angehörigenarbeit werden sehr konkret und praxisnah dargestellt und können deshalb allen professionellen und ehrenamtlichen Helfern in der Gemeindepsychiatrie empfohlen werden.

Wenn ein Mensch psychisch erkrankt, ist dies ein einschneidendes Lebensereignis mit erheblichen Folgen für das Leben des Betroffenen. Doch auch das Leben der Familienangehörigen verändert sich stark. Einerseits wissen wir aus der psychiatrischen Forschung, dass die Familienangehörigen auf Dauer die wichtigste Unterstützungsressource des psychisch erkrankten Menschen darstellen – kein noch so gutes professionelles Angebot kann die sozialen Bindungen des Betroffenen in Familie und Partnerschaft ersetzen –, andererseits kommen die Angehörigen selbst oft an die Grenzen ihrer Be-lastbarkeit, und benötigen manchmal selbst Hilfe und Unterstützung.

Im Mittelpunkt des von Albert Lenz und Johannes Jungbauer herausgegebenen Buches »Kinder und Partner psychisch kranker Menschen« stehen deren spezifischen Hilfebedarfe sowie dementsprechend differenzielle Unterstützungsangebote. Namhafte Autoren aus Wissenschaft und psychiatrisch-psychotherapeutischer Praxis geben in diesem Buch einen Überblick über den aktuellen Stand der fachlichen Diskussion.

Das Buch gliedert sich in zwei große Teile. Im ersten werden die spezifischen Belastungen von Kin-dern psychisch erkrankter Eltern sowie entsprechende Interventionsmöglichkeiten unter verschiede-nen Arbeits- und Forschungsschwerpunkten beleuchten. Dabei reicht die Spannweite von Eltern-Säuglings-Behandlungen bei postpartalen psychischen Krisen über spezielle Patenschaften für Kinder psychisch kranker Eltern in der Jugendhilfe bis hin zur Einbeziehung der Kinder in die ambulante Psychotherapie.

Eine bislang kaum behandelte Thematik findet sich in dem Beitrag über die Jugendlichen mit einem psychisch kranken Elternteil. Dass Jugendliche zum Teil ganz andere Belastungen erleben als jüngere Kinder, wurde meines Erachtens in der bisherigen Forschungsliteratur über Kinder psy-chisch kranker Eltern zu wenig berücksichtigt. Das Buch macht deutlich: Bei der Planung von Hilfeangeboten für Kinder muss das Alter der Kinder stärker berücksichtigt werden. Im Anhang des Buchs finden sich grafisch sehr ansprechend gestaltete Info-Karten zum Heraustrennen, die in der Arbeit mit Kindern psychisch Erkrankter genutzt werden können.

Im zweiten Teil des Buches stehen die (Ehe-)Partner psychisch kranker Menschen im Fokus. Darge-stellt werden verschiedene professionelle Unterstützungsangebote für die Partner depressiver und schizophrener Patienten sowie für Partner von Menschen mit Angst- und Zwangsstörungen. Dabei geht es immer auch um die Frage, inwiefern die Partner psychisch erkrankter Menschen in die psy-chiatrische Arbeit integriert werden können. Spannend zu lesen ist z.B. das ausführliche Beispiel über die Einbeziehung von Ehepartnern in die Psychotherapie von angsterkrankten Menschen. Besonders interessant finde ich auch das abschließende Kapitel, das eigentlich etwas vom Thema des Buchs abweicht, weil es auf die Situation von Geschwistern schizophrener Patienten eingeht.

Angebote für diese »stillen Betroffenen« stellen ein Novum und damit eine große Herausforderung dar, nicht zuletzt deswegen, weil die Geschwister eine weite Altersspanne aufweisen können. Die Autoren des Beitrags stellen Spiel- und Interventionsgruppen für Geschwisterbetroffene im Kinder- und Jugendalter vor, Informationen für die Eltern zum Umgang mit den nicht-betroffenen (?) Kindern sowie psychoedukati-ve Gruppen zur Unterstützung der erwachsenen Geschwister.

Fazit: Herausgebern und Autoren gehen sehr differenziert auf die Lebenssituation von Kindern und Partnern psychisch erkrankter Menschen ein. Die Interventionen einer professionellen Angehörigenarbeit werden sehr konkret und praxisnah dargestellt und können deshalb allen professionellen und ehrenamtlichen Helfern in der Gemeindepsychiatrie empfohlen werden. Da das Buch über weite Strecken allgemein verständlich geschrieben ist, ohne dass die Inhalte vereinfachend dargestellt sind, ist es insbesondere auch für betroffene (Ehe-)Partner und andere Angehörige eine lohnende Lektüre.

Thomas Staschik, Nideggen

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Albert Lenz u. Johannes Jungbauer (Hg.): Kinder und Partner psychisch kranker Menschen - Belastungen, Hilfebedarf, Interventionskonzepte. DGVT-Verlag, Tübingen 2008, ISBN 978-3-87159-074-0, 368 Seiten, 28,00 Euro