Soziale Psychiatrie

Um es gleich vorwegzunehmen: Herzlichen Glückwunsch zu diesem gelungenen Werk! Mit diesem Fachbuch ist es dem gemischten Doppel Clausen und Eichenbrenner gelungen, in einer klaren, gut verständlichen und lesbaren Sprache die »Soziale Psychiatrie« mit ihren Handlungsfeldern und Leitgedanken praxisnah und umfassend darzustellen.

Die Autoren geben einen umfassenden Überblick über Geschichte, Rechtsgrundlagen, Zielgruppen, Störungsbilder, Möglichkeiten der klinischen Behandlungen und die therapeutischen Hilfen im ambulanten Feld. Beeindruckt hat mich besonders die durchgängig spürbare Grundhaltung, die eine soziale Psychiatrie kennzeichnet und die sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht: »Wer nämlich das psychiatrische Feld über einen längeren Zeitraum erkundet und die Begegnung mit den Betroffenen nicht scheut, der begreift immer mehr, dass naturwissenschaftlich-medizinische oder psychodynamische Konzepte nicht ausreichen, um ein umfassendes Verständnis von psychischen Krisen und ihren Bewältigungsversuchen zu erlangen.

Die Erkrankung der Psyche ist immer auch eine psychosoziale Notlage, die einen akzeptablen Ort der Begegnung, der Begleitung und der Unterstützung braucht. Genau darin besteht eine Aufgabe der Sozialen Psychiatrie.« (S. 10) Jedes der zehn Kapitel ist in sich geschlossen verstehbar und schließt mit weiterführenden Literaturhinweisen. So bieten sich den Leserinnen und Lesern viele Möglichkeiten, etwas über einzelne Aspekte der sozialen Psychiatrie zu erfahren und gezielt einzelne Ausschnitte zu lesen oder schnell auf bestimmte Themenbereiche zuzugreifen. Äußerst hilfreich erweist sich dafür das Sachwortregister am Ende.

Das Spektrum sozialpsychiatrischen Handelns steht im Vorgrund dieses Buches. Dies zeigt sich besonders in der detaillierten Beschreibung der Handlungsfelder der »Sozia-len Psychiatrie« oder den therapeutischen Hilfen im ambulanten Feld. Sehr gut hat mir die Verknüpfung der psychiatrischen Arbeitsfelder mit sozialen Kontexten gefallen, was besonders gut im Kapitel über Rechtsgrundlagen gelingt und im Ausblick klar zum Ausdruck kommt. Einen großen Teil nehmen die auch für nicht Mediziner gut verständlichen Beschreibungen der Störungsbilder ein, die einen guten Überblick geben und wie die anderen Kapitel und Unterkapitel viele Anregungen zum Weiterlesen enthalten.

Der Ausblick benennt offene Fragen und derzeitige Probleme sowie Herausforderungen und rundet die Puzzlesteine einzelner Aspekte der sozialen Psychiatrie zu einem stimmigen, differenzierten und aktuellen Bild ab. Das Lehrbuch »Soziale Psychiatrie« sollte in keiner Bibliothek von Ausbildungseinrichtungen fehlen und findet hoffentlich auch in der Fachöffentlichkeit, bei Angehörigen, Betroffenen und Interessierten viele Leserinnen und Leser.

Astrid Delcamp in Sozialpsychiatrische Informationen

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Jens Clausen und Ilse Eichenbrenner (2010): Soziale Psychiatrie. Grundlagen, Zielgruppen, Hilfeformen. Stuttgart: Kohlhammer, 287 Seiten, 29,90 Euro