Irren ist menschlich

Wir wissen nicht, wie lange Ursula Plog und Klaus Dörner schwanger gingen mit diesem Wälzer, und ob es eine schwere Geburt war, damals, in dem Jahr, als auch wir in der Wiege lagen. Noch heute ist „Irren ist menschlich“ wie ein Kinderwagen.

Man blickt immer wieder freudig hinein, entdeckt überraschende Eindrücke und Ausdrücke, und immer wieder wird die Neugier befriedigt und gleichzeitig geweckt. Man muss sich nicht von vorne bis hinten, von oben bis unten durch dieses Werk arbeiten, man kann es durchblättern und findet dabei stets interessante Aspekte, Schlagwörter, Erkenntnisse.

Das neue (oder rund-erneuerte) „Irren ist menschlich“ gibt fachliche Informationen nicht nur für die Fachfrau/den Fachmann, sondern auch deutliche Erklärungen für Laien. Im Inhaltsverzeichnis findet man sich gut zurecht, da die Erkrankungen bildlich beschrieben sind und so die Einordnung eines erlebten Krankheitsbildes erleichtern. Dennoch ist es auch für die Fachwelt nicht zu unkonkret. Neben der sachlichen hat uns besonders die sprachliche Ebene des Buches angesprochen.

Die verschiedenen Themengebiete werden informativ, aber auch von Begriffen und Inhalten her kritisch beleuchtet (z.B. „der Arzt als Dealer in weiß“; „Pharmaka als Krücke, da durch sie nur die Symptome und nicht die Krankheit an sich behandelt wird“). Neben den Erklärungen zu bestimmten Erkrankungen erhälten Leserinnen und Leser Einblick in die Situation der Patientinnen und auch in die Gefühlsebene der TherapeutInnen; und nicht zuletzt werden der Leserschaft die Probleme und Konflikte, die sich für Angehörige und Freunde ergeben können, nähergebracht.

Das Buch ist umfangreich, da über sehr viele Psychiatrie bezogene Themen informiert wird, wie z.B. die Geschichte der Psychiatrie, spezielle Erkrankungen, Medikamente, verschiedene Formen der Psychiatrie, aber auch verschiedene Lebensabschnitte, in die wir uns in gewisser Weise hineinversetzen konnten. Gerade dadurch ist das Buch für uns nicht abstrakt geblieben, denn es begegnet den Menschen, von denen es handelt, mit viel Empathie.

Wir haben das Buch als sehr ausgewogen empfunden, da immer mehrere Perspektiven beleuchtet werden und es durch spezielle Fragen – auch anhand von Fallbeispielen – offenbar von den AutorInnen des Buches intendiert ist, dass sich die LeserInnen eine eigene Meinung bilden. "Irren ist menschlich" ist also ein gelungenes, wieder aktualisiertes und aktuelles Standardwerk, das für jeden – und gerade für Menschen in Ausbildungen zu sozialen Berufen – eine absolute Bereicherung darstellt.

Jenny van der Horst und Lena Rosenberger in Soziale Psychiatrie

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Dörner, K.; Plog, U.; Teller, C.; Wendt, F.: Irren ist menschlich. Lehrbuch der Psychiatrie und Psychotherapie. Psychiatrie-Verlag, Bonn, Neuausgabe, 640 Seiten, 29,950 Euro, ISBN: 3-88414-440-4