Ambulante Psychiatrische Pflege

In der Reihe „better care“ des Psychiatrie-Verlags ist dieser angenehm übersichtliche Band erschienen. Er konzentriert sich zunächst ganz auf die inzwischen als ambulante psychiatrische Pflege (APP) gut eingeführte Leistung, die seit 2005 von der Krankenkasse verordnet werden kann. Nach einem kurzen historischen Rückblick greifen die Autoren einen Gesichtspunkt auf, der mich immer wieder beschäftigt: die Problematik der Abgrenzung zwischen den verschiedenen Leistungen, vor allem der Eingliederungshilfe, aber auch der Hilfe zur Pflege, der Soziotherapie und der Ergotherapie.

Das Buch enthält alle wichtigen Grund- und Unterlagen, um APP beantragen, verordnen und durchführen zu können. Viele Materialien stehen als Download zur Verfügung; die Liste füllt eine ganze Seite: Wie wird verordnet, wie wird dokumentiert, wie wird eine Verlängerung beantragt? Pflegeprozess, Pflegeziele und verschiedene Methoden wie Biografiearbeit werden beschrieben.

Dann geht es ans Eingemachte: Wie begegne ich den unterschiedlichen Klienten, die in kurzen Fallvignetten vorgestellt werden? Da ist die junge Frau, die nach einer manischen Phase wieder in ihren Beruf zurückkehren will, und der depressive Senior, der ständig „auf der Kippe“ ist. Hemkendreis und Haßlinger wissen, wovon sie reden. Sie kennen die verschlossene Tür, die Angst und Sorge, was sich wohl dahinter verbergen mag. Möchte Frau X nur etwas mehr Aufmerksamkeit, oder ist sie suizidal? Soll man die Polizei rufen, aufbrechen lassen? Der Abklärung der Suizidalität ist ein eigenes Kapitel gewidmet, außerdem wird auf eine Reihe von bewährten Checklisten und Skalen hingewiesen.

In einem weiteren Abschnitt werden die wichtigen Kooperationspartner vorgestellt, der Sozialpsychiatrische Dienst fehlt allerdings. Hier wird erneut das Thema der Abgrenzung aufgegriffen: Welche Leistungen können parallel und welche nacheinander und von welchem Kostenträger finanziert werden? Wie unterscheidet sich das Profil? Dies alles ist einfach, aber klug erklärt, sodass der gemeindepsychiatrische Dschungel sich ein wenig lichtet. Hinweise auf Inter- und Supervision sowie ein Anhang mit wichtigen Adressen vervollständigen den Inhalt.

Das Buch will ausdrücklich nicht nur Pflegefachkräfte ansprechen, sondern auch alle anderen Berufsgruppen, die in ähnlichen Bereichen tätig sind, vor allem im Entlassmanagement. Mich hat wieder einmal die systematische Methodik erstaunt, mit der diese Berufsgruppe ans Werk geht. Vergleichbares hat das ambulant betreute Wohnen (glücklicherweise) meiner Ansicht nach nicht zu bieten; vermutlich ist dafür auch der Dokumentationsaufwand nicht ganz so extrem. Das grundsätzliche Dilemma ambulanter Arbeit ist gut beschrieben: Der Klient ist der Hausherr; nur wenn er mir gewogen bleibt, darf ich wiederkommen. Wer so als Leistungserbringer sein Geld verdient, wird von der Praxiserfahrung dieser beiden Autoren profitieren.

Ilse Eichenbrenner in Soziale Psychiatrie

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Bruno Hemkendreis und Volker Haßlinger: Ambulante Psychiatrische Pflege. Köln: Psychiatrie-Verlag, 2014, 144 Seiten (plus Downloadmaterial), 24,95 Euro