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Wendy und Jon sind Geschwister; beide beschäftigen sich mit dem Theater, jeder in seiner Stadt und jeder auf seine Weise. Die Beziehungen, in denen sie leben, sind provisorisch, halbherzig, doch beide haben ein sanftes, zu Resignation und Sarkasmus neigendes Gemüt.
Lenny, der Vater der beiden, wohnt weit weg im Haus seiner Lebensgefährtin Doris in Sun City, Phoenix Arizona, einer Wüstenstadt aus der Retorte, in der Rentner mit dem Elektrowägelchen zur Jazzgymnastik und ins Nagelstudio fahren. Die Kamera streift über die leeren Straßen, vorbei an lächelnden Greisen, und landet im pinkfarbenen Bungalow von Doris und Lenny. Doris hat einen eigenen, privatfinanzierten Pfleger, der sich darüber aufregt, dass Lenny die Toilette nicht gespült hat. „Ich werde nicht dafür bezahlt, auch deinen Dreck wegzumachen.“ Lenny sitzt an einem kleinen Resopaltisch, der ist ergonomisch und den speziellen Bedürfnissen Pflegebedürftiger optimal angepasst, und löffelt sein Müsli. Der Pfleger nimmt ihm entrüstet die Schüssel weg, Lenny tapert ins Bad. Doch statt auf die Spülung zu drücken schmiert er in großen Lettern „Brick“ an die Wand.
Sohn Jon und Tochter Wendy werden telefonisch aufgefordert, sich um ihren durchgedrehten Vater zu kümmern. Wenig später stirbt Doris, und nun machen sich die beiden endgültig auf den Weg nach Sun City, Phoenix, Arizona. Die Angehörigen der toten Doris bestehen darauf, dass Lenny sofort anderweitig untergebracht wird. Also fliegt Wendy mit ihrem Vater und einem Paket Windeln zurück nach Buffalo, wo Jon lebt und mittlerweile ein Pflegeheim für den Vater gesucht und gefunden hat. Der Rest des Films handelt von den Banalitäten des Alltags indirekt pflegender Angehöriger und widmet sich einigen existenziellen Fragen: Muss man sich um den Vater kümmern, auch wenn der sich nie um seine Kinder gekümmert hat? Wenn ja, wie sehr? Wie wichtig ist die landschaftliche Umgebung eines Pflegeheims für die Bewohner, und wie wichtig für die Angehörigen? Vertragen sich Haustiere mit Dementen, und was, wenn die Haustiere sich nicht vertragen? Krümmen sich die Zehen tatsächlich einige Tage vor dem Tod?
Wendy schleift ein schönes rotes Kissen zu ihrem Vater ins Heim und findet es in den Armen einer anderen Bewohnerin, die es nicht mehr hergeben will. Wendy reißt es ihr weg, der Vater findet das Kissen widerlich und schleudert es wütend von sich. Wendy ist erschüttert und maßlos enttäuscht. Kunstvoll lakonisch verknüpft der Film die Charaktere der drei Savages – Vater, Sohn und Tochter – und die alltäglichen Mißgeschicke einiger Monate bis zum Tod des Vaters. Wendy quartiert sich bei ihrem Bruder ein, um in der Nähe des Vaters zu sein; Jon klemmt sich beim gemeinsamen Tennis einen Halswirbel ein und Wendy verkracht sich mit ihrem verheirateten Liebhaber im Motel. Die Geschwister kommen sich über die fortlaufenden Mißgeschicke kaum naher, ein kleines Stück nur, aber dann doch genug, um dem Film ein kleines glückliches Ende zu gönnen. Meisterhaft balanciert er auf dem schmalen Grat zwischen Sentimentalität und Zynismus und wurde damit zurecht von den amerikanischen Filmkritikern ausgezeichnet als einer der besten Filme der vergangenen zehn Jahre. Ab 24. April im Kino.
The Savages (Die Geschwister Savage) USA 2007 Regie: Tamara Jenkins Darsteller: Laura Linney, Philip Seymour Hofman, Philip Bosco
Ilse Eichenbrenner
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