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Abgesehen von der schauspielerischen Präsenz von Parker Posey als leicht verpeilte Jayne ist diese aufwändige Produktion schlichtweg ärgerlich. Mit fetten Hochglanzbroschüren wurde auf der Berlinale für einen Film geworben, der garantiert noch in diesem Jahr in die Kinos kommen wird.
Der demographischen Entwicklung und den mit ihr verbundenen Diagnosen hat Hollywood in den letzten Jahren bereits seine Referenz erwiesen, am schönsten in „Die Geschwister Savage“ von Tamara Jenkins. Bruder und Schwester Savage reisten in diesem Spielfilm aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen an, um das geeignete Pflegeheim für den Vater zu suchen. Wie im wirklichen Leben kollidieren und fokussieren familiäre Biografien in derartigen Notlagen – nach Unfällen, schweren Krankheiten, Begräbnissen.
Eine ganz ähnliche Versuchsanordnung präsentiert „Happy Tears“. Vater Joe lebt nach dem Tod seiner Ehefrau mit wechselnden Geliebten im eigenen Haus, leidet aber immer häufiger an Verwirrtheitszuständen. Laura und Jayne, die beiden sehr unterschiedlichen Töchter, verabreden sich zur Lagebesprechung. Die jüngere Schwester Jayne bleibt auf der Reise zum Heimatort erst einmal in einem Schuhgeschäft hängen. 2800 Dollar sollen ein paar hochhackige Stiefel kosten, deren blauschwarze Schattierung nur bei sehr genauer Betrachtung zu erkennen ist. Die Physiognomie des Schuhverkäufers wandelt sich unter Jaynes angespannten Blicken ganz kurz in den ungnädigen Vogelkopf eines Raubvogels; Jayne gibt sich einen Ruck, denn sie hat gerade einen vermögenden Mann geheiratet, und kauft die Objekte ihrer Begierde. In einigen Rückblenden wird uns der Ehemann vorgestellt: Er ist der Sohn eines bedeutenden Malers, und muss nach dessen Tod das umfangreiche Werk verwalten. Regisseur Lichtenstein äßt als Sohn des berühmten Roy Lichtenstein hier ganz offensichtlich subjektive Aspekte anklingen.
Auf ihren neuen Stiefeln stakst Jayne die Treppen hoch; Laura, die ältere und weitaus bodenständigere Schwester hat die Misere schon eingehend begutachtet. Vater Joe wirkt noch ganz putzig, vor allem wenn er auf der Veranda einen alten Blues („I’m a King Bee“) intoniert. Es folgen weniger appetitliche Einlagen, und die beiden Schwestern müssen den eingekoteten Vater unter die Dusche schleifen. Mit dieser Einlage scheint dem Regisseur die Demenz des Vaters ausreichend gewürdigt. Sie spielt nur noch eine Rolle als Versorgungsnotstand, und landet – verkörpert im dümmlichen Blick des Protagonisten - auf dem Abstellgleis. Eine peinliche Nebenrolle spielt Ellen Barkin als drogensüchtige Krankenschwester und Hausdame, die den Vater finanziell ausbeutet, ihm aber auch offensichtlich sexuell zu Diensten ist. Sie wankt und lallt und muss mit ihrem verlotterten Aussehen auch noch das letzte Schlampenklischee bedienen.
Es passiert nicht viel und doch too much. Es wird gemeinsam, also zu viert gegessen; die beiden so unterschiedlichen Schwestern geraten logischerweise aneinander. Laura als engagierte Umweltschützerin hat zuhause drei Kinder zu versorgen während Jayne als hilfloses Luxusweibchen mit allem überfordert scheint. Lauras Birkenstock-Sandalen treten quasi in Konkurrenz zu den Luxus-Stiefelchen der kleinen Jayne, und es ist klar, wer hier den Kürzeren zieht. Laura hasst den Vater, und gibt ihm keine Chance mehr, während Papas Liebling Jayne alles gar nicht so schlimm findet.
Die Handlung zerfasert auf Nebenschauplätzen, bei scheinbar kunstvollen aber wenig sinnvollen Rückblenden, und kann sich nicht entscheiden: Soll man nun lachen oder weinen? Abgesehen von der schauspielerischen Präsenz von Parker Posey als leicht verpeilte Jayne ist diese aufwändige Produktion schlichtweg ärgerlich. Mit fetten Hochglanzbroschüren wurde auf der Berlinale für einen Film geworben, der garantiert noch in diesem Jahr in die Kinos kommen wird.
Happy Tears USA 2009 Regie: Mitchell Lichtenstein Darsteller: Demi Moore, Parker Posey, Rip Torn, Ellen Barkin
Ilse Eichenbrenner
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