|
Jim, ein hübscher und verwirrter Teenager wird in die Kinder- und Jugendpsychiatrie von Havenhurst eingewiesen, wo ihn zwei Jungs – angeblich seine Brüder – besuchen und mitnehmen wollen.
Er erkennt sie nicht, er erinnert sich nicht. Über die Lautsprecheranlage ist die Stimme eines bereits entlassenen Mädchens zu hören, das als Gegenleistung für gelegentliche Gesangseinlagen kostenlos Medikamente erhält. Sie leidet nämlich an Narkolepsie, einer zwar eher seltenen, filmisch aber („My private Idahoe“) bekanntlich gut verwertbaren Erkrankung.
Jim entweicht aus Angst vor den unheimlichen Brüdern, trifft auf die schöne Sängerin, und zu zweit ziehen sie von nun an durch verlassene Coffee-Shops und leere Häuser. In einem der Gebäude nächtigen sie im leeren Obergeschoss, während parterre die beiden angeblichen Brüder hausen, und allmählich hat der Zuschauer den Verdacht, dass Jim lügt oder sein Gedächtnis verloren hat, oder dass es nicht weiter wichtig ist, die Handlung zu ergründen. Marine und Jim ziehen weiter, an andere Orte, bis Jim in seiner alten Schule wieder auf erste Spuren der Erinnerung trifft. Dies alles ist in wunderbaren Farben und langen Einstellungen aufgenommen, elegisch, verträumt, und absolut cool. Marine kippt immer wieder mal um, und wacht nach einiger Zeit verwundert wieder auf, so wie manche Zuschauer am Ende der Vorstellung im Forum der diesjährigen Berlinale.
Hier haben junge Filmemacher mit kleinem Budget und großen ästhetischen Ambitionen eine Story ersonnen, die es erlaubt, mit der Kamera schönen und „coolen“ jungen Menschen durch pittoreske Abbruchhäuser zu folgen. Die psychiatrische Klinik ist immer gut als Metapher für Ausgrenzung und Unverständnis; hier soll sie außerdem Ungeborgenheit und Transzendenz visualisieren, wie ein Blick in die oberschlauen Anmerkungen des Regisseurs verrät.
Marine Blue USA 2009 Regie: Matthew Hyell Darsteller: Cory Knauf, Najarra Townsend
Ilse Eichenbrenner
|