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100 Kreative haben 5 Jahre lang die Figuren für diesen Film geknetet und diese Millimeter um Millimeter verbogen und dabei gefilmt; sie haben die Kulissen gebastelt und das in unzähligen Montagen und Einstellungen eine ganz eigene Spielfilm-Welt erschaffen.
Philip Seymour Hoffman und Tony Colette haben Max und Mary ihre Stimmen verliehen – Hoffman etwas monoton, Colette im australischen, noch immer etwas britischen Singsang. Alles zusammen ergibt ein Kunstwerk, das Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen von einer Brieffreundschaft zwischen der achtjährigen Australierin Mary und dem 45jährigen New Yorker Max Horowitz erzählt. Mary fühlt sich einsam in ihrem Vorort; ihre Mutter beschäftigt sich vor allem mit Sherry, ihr Vater heftet in einer Fabrik die Fäden an Teebeutel. Mary tippt im Telefonbuch auf eine Adresse in New York und schreibt den ersten von vielen Briefen: „Lieber Herr Horowitz! Mein Name ist Mary Daisy Dinkle und ich bin acht Jahre, drei Monate und neun Tage alt. Meine Lieblingsfarbe ist Braun und mein Lieblingsessen ist süße Kondensmilch, dicht gefolgt von Schokolade.
Woher kommen in Amerika die Babys? Kommen sie aus Coladosen? In Australien werden sie von den Vätern auf dem Boden ihrer Biergläser gefunden, das sagt wenigstens mein Opa. Es wäre toll, wenn Sie zurückschreiben und mein Freund werden könnten.“
Max leidet an einem Asperger-Syndrom; er hat acht gleiche Trainingsanzüge, findet das Verhalten seiner Mitmenschen verwirrend und ist viel zu dick, weshalb er nicht nur regelmäßig den Psychiater sondern auch die „Overeaters Anonymous“ aufsucht.
Mary und Max schicken sich gegenseitig ihre liebsten Comics und Schokoladenriegel; sie erklären sich vor allem gegenseitig die Welt. Mary und mit ihr der Zuschauer erfahren viel über die rätselhafte Denke der „Aspies“, die die Mimik ihrer Mitmenschen nicht entschlüsseln können. Max hat einige Format-Vorlagen, mit denen er – Mundwinkel rauf oder runter? – derartige Rätsel auf rein intellektueller Basis lösen kann. Mary macht ihren Schulabschluss, studiert Psychologie und promoviert über das Asperger-Syndrom. Natürlich besucht Mary dann irgendwann den inzwischen älter gewordenen Max, und nicht alles wird gut, aber das schmälerte die Begeisterung des Berlinale-Publikums nicht.
Mary und Max Australien 2008 Regie: Adam Elliot Animationsfilm
Ilse Eichenbrenner
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