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Nach „My Suicide“ fühlte ich mich, als sein ein Hochgeschwindigkeitszug ganz dich an mir vorbeigerauscht: lebendig, durchgepustet und ein wenig konfus.
Filmemacher sind meistens jung, und die Sektion „Generation plus“ der Berlinale bietet ihnen jedes Jahr ein neugieriges Publikum. Hier sind immer wieder innovative Formate zu sehen.
Der Siegerfilm dieser Sektion hieß 2009 „My Suicide“ und er begibt sich in die Perspektive eines 17jährigen Schülers. Archie ist ein Medien-Maniac, alterstypisch sexuell und existenziell desorientiert, mit sturmfreier Bude und hochgezüchtetem Rechner. Bei einem schulischen Medienprojekt kündigt er an, seinen eigenen Suizid verfilmen zu wollen, was (angesichts der Amokläufe an US-Schulen) zu verständlicher Hysterie bei allen Psycho-Profis führt, und in einem Polizeieinsatz zwecks kurzfristiger Zwangseinweisung gipfelt. Die Wohnung wird durchsucht, Eltern, Kollegium und Mitschüler haben nur noch ein Thema: Archies angekündigter Suizid.
Dies alles ist schrill und rasant gemixt zu einem Video-Schnipsel-Salat aus Interviews, Werbung, Zitaten, Animationen, Comics, Clips und Split-Screens. Archie rast mit seiner Kamera durch die Schule, lässt sich von der verhassten/begehrten Schul-Schönheit interviewen, die ihm eigene Suizidwünsche offenbart und die Rasierklinge zum gemeinsamen Schnibbeln reicht. Weil Archie nicht als Jungfrau sterben will wird auch das noch rasch erledigt. Archie flüchtet entsetzt und macht Party, Party, Party. Am nächsten Morgen finden die Schüler einen der wildesten Freaks erhängt in der Sporthalle. Alle sind erschüttert – auch Archie. Es folgt die zerknirschte Beerdigung und Archies Begegnung mit einem alten Hippie-Guru, für ältere Zuschauer eine Wiederbegegnung mit David Carradine, der in den 70er-Jahren in der Serie „Kung Fu“ als Shaolin-Mönch durch den Wilden Westen wanderte. Nun führt er den verwirrten Zögling Archie zu den Obdachlosen, und gibt ihm ein paar Sinnsprüche fürs Weiterleben auf den Weg.
Nach „My Suicide“ fühlte ich mich, als sein ein Hochgeschwindigkeitszug ganz dich an mir vorbeigerauscht: lebendig, durchgepustet und ein wenig konfus.
My Suicide USA 2008 David Lee Miller
Ilse Eichenbrenner
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