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Dieser Film ist eine echte Bereicherung für alle, die mit Manisch-Depressiven zu tun haben, deren Denken und Fühlen, Freude und Leid verstehen und nicht nur krankheitsspezifische Symptome und Verhaltensweisen in den häufig sachlich gehaltenen Lehrbüchern nachlesen wollen.
Da ich selber von der manisch-depressiven Erkrankung betroffen bin, hat mich der Titel dieses Films natürlich sehr neugierig gemacht. Ich muss sagen, dass der Film meine Erwartungen noch weit übertroffen hat und ich mich in vielen Aussagen der Betroffenen wiederfinden konnte. Dieser Film ist eine echte Bereicherung für alle, die mit Manisch-Depressiven zu tun haben, deren Denken und Fühlen, Freude und Leid verstehen und nicht nur krankheitsspezifische Symptome und Verhaltensweisen in den häufig sachlich gehaltenen Lehrbüchern nachlesen wollen.
"Die Pole des Saturn" – dieser Titel wurde gewählt, um zum Ausdruck zu bringen, wofür der Saturn im Mittelalter stand: für die Melancholie. Melancholie im damaligen Sinne aber schloss beide Pole ein, sowohl die depressive als auch die geniale bzw. wahnsinnige Seite.
Aus der Sicht von drei Betroffenen, und zwar Regine, 37 Jahre alt, Felix, 20 Jahre alt, sowie Torsten, Ende 30, und seiner Ehefrau Angelika (als Angehörige), wird das Leben zwischen Manie und Depression geschildert.
Der erste Teil des Films ist der depressiven Phase dieser Erkrankung gewidmet. Aussagen wie: ich lebe unter meinen Möglichkeiten, ich fühle mich freudlos, Dunkelheit ist in mir, ich spüre nichts, ich fühle kein Vorhandensein von Leben mehr, ich wünsche mir Ruhe, ich empfinde meine eigene Unfähigkeit als Stresssituation, ich bin der Krankheit ausgeliefert, ich fühle mich in mir selbst gefangen, ich spüre meine eigenen Grenzen, kennzeichnen das Befinden in dieser Phase.
Die Betroffenen ziehen sich zurück, stellen das Telefon ab, können nur noch im Bett liegen. Schließlich kommt es bei zwei Betroffenen zu Suizidversuchen. Untermalt wird diese Stimmung der Hoffnungslosigkeit und Leere mit Motiven aus der Kunst, wie z.B. Sehnsuchtsbilder von Caspar David Friederich und der Skulptur "Der Denker" von Rodin. Auch die Winterlandschaft verkörpert die dunkle Seite des Lebens.
Der zweite Teil des Films beschäftigt sich mit der manischen Phase. Die Betroffenen fühlen sich "gut drauf", man empfindet die Manie wie einen Kokainrausch, erlebt sich selber als genial, glaubt alle Probleme auf einmal lösen zu können, will das Leben in vollen Zügen genießen.
Interessant ist, was Angelika als Angehörige zur manischen Phase ihres Mannes sagt: Sie habe Tränen über ihren Mann gelacht, er habe ganze Gesellschaften unterhalten können und sie habe bestimmte Äußerungen als "weise" empfunden. Sie ist der Meinung, dass Patienten in dieser Phase eine größere Wahrnehmungsfähigkeit haben. Auch in diesem Teil des Films macht die Natur, in diesem Fall Frühling und Blumen, sowie lautes und schnelles Geigenspielen die Lebendigkeit und Lebensfreude deutlich.
Am Ende aber kippt die Manie um: man schafft es nicht mehr, zur Ruhe zu kommen, wird teilweise größenwahnsinnig, lebt exzessiv oder erleidet Angstzustände. Im letzten Teil des Films wird dargestellt, wie sich die Betroffenen mit ihrer Krankheit arrangieren, und ich finde, dass die Art und Weise, wie sie mit ihrer Erkrankung umgehen, allen Betroffenen und Angehörigen Mut macht.
Sie lernen sich anzunehmen, wie sie sind, sie finden Halt in einer Selbsthilfegruppe, nehmen die notwendigen Medikamente, treiben Sport und betrachten diesen als therapeutische Maßnahme. Sie fangen an, sich selbst zu lieben und Zufriedenheit in einfachen Dingen zu finden. Letztendlich sind sie zwar immer noch "krank", aber in der Lage, das tägliche Leben – wenn auch mit einigen Einschränkungen – zu meistern.
Ich selber habe es mit mehrmonatigen Krankenhausaufenthalten, noch immer monatlich stattfindenden Gesprächen in der Klinikambulanz sowie regelmäßiger Einnahme von Medikamenten geschafft, meine innere Balance so gut wie immer zu finden.
Und wenn man dieser Erkrankung auch einen positiven Aspekt abgewinnen kann, dann den, wie es Felix ausdrückt: man kennt nicht nur die normalen Lebensbereiche, sondern auch die Randbereiche. Man erlebt euphorische Phasen, die wundervoll sein können, aber eben nicht anhalten, und leider auch die absolute Hoffnungslosigkeit. Die Erlebnisfähigkeit ist sehr facettenreich.
Die Pole des Saturn - Doku-Collage von Nicole Plinz und Oliver Hermann. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2006, ISBN 3-88414-453-7, DVD, 57 min, 19.90,- Euro
Christine Hunsänger in Psychosoziale Umschau 1/2007
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