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Schläft ein Lied in allen Dingen

Die Musik dieses „kleinen“ deutschen Films basiert auf den Klängen des norwegischen Trompeters Nils Petter Molvaer, der die Aufnahmen dafür ganz exklusiv produziert hat.

Martin ist ein erfolgreicher Musiker; der Film beginnt mit einem Auftritt, bei dem er abrupt die Bühne verlässt, und aus nicht ganz erfindlichen Gründen beschliesst, keine Musik mehr zu machen. Seine Freundin und Managerin Kristina redet auf ihn ein; auch in der gemeinsamen Wohnung geht der Streit weiter. „Was liebst du überhaupt an mir?“ Kristina kündigt eine längere Reise an und fordert ihn auf, ebenfalls wegzufahren. Für Martin ist dies ein Rausschmiss, und er packt seine Tasche. Kristina habe nicht ihn, sondern nur seine Musik geliebt, vermutet er, und wirft die Trompete in den Rhein. Er schläft mal hier mal dort, besonders häufig in einem Bauwagen, in dem er immer wieder auf einen Junkie trifft. Eine Bag-Lady mit Einkaufswagen, Taschen und Tüten kreuzt mehrfach seinen Weg, bis er sie inmitten ihrer Habseligkeiten tot in einer Bahnhofsecke entdeckt. Martin entwendet eine Plastiktüte voller Zettel, voller Kritzeleien, voller Gedichte, die diese alte Frau geschrieben und immer bei sich getragen hat.

Immer wieder blitzen Bilder auf, kleine Rückblenden, aus der Lebensgeschichte dieser Frau, unerlegt mit ihren wunderbaren Gedichten, mehr geraunt als gesprochen von der Darstellerin Traute Hoess. Einst mitten im Leben, dann verstossen von der Familie, umherziehend mit einem Rollkoffer zuerst, später nur noch mit ihren Tüten scheint sie an den Rand des Lebens geworfen worden zu sein. Die verrätselte Symbolik ihrer Gedichte deutet auf eine Psychose hin. Diese Gedichte faszinieren Martin, und er kauft sich eine gebrauchte Trompete. Er muss auf einer Friedhofsgärtnerei eine gemeinnützige Strafe abarbeiten. Nachts improvisiert er im Gewächshaus, angerührt und inspiriert von den Gedichten, die ersten Paraphrasen. Über den Kontakt mit seinen Kollegen fädelt er sich allmählich wieder ein in sein altes Leben und kehrt zu Kristina zurück.

„Schläft ein Lied in allen Dingen“ ist zwar sehr poetisch, aber doch ein wenig konstruiert geraten. Ganz begeistert schwärmte das Team vom Drehbuch, von der wunderbaren Musik und dem „Flow“, in dem man sich treiben lassen müsse. So fiel es am Ende schwer, sich die eigene Langeweile angesichts der Begeisterung der Filmemacher einzugestehen. Unter sozialpsychiatrischem Blickwinkel war es durchaus interessant, das cineastische Konstrukt „Obdachlose Poetin“ einmal im Einsatz zu sehen. Missbrauch oder Würdigung, das bleibt hier die Frage.

Schläft ein Lied in allen Dingen
Deutschland 2009
Regie: Andreas Struck
Darsteller: Stefan Rudolf, Chulpan Khamatova, Traute Hoess

Ilse Eichenbrenner