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Eine typische australische Familie ist gerade umgezogen, in einen Vorort von Sydney. Der etwas groß geratene Sohn Charlie sitzt im Vorgarten und hämmert auf den Boden, stundenlang. Die Nachbarn glotzen. Die hochschwangere Mutter (atemberaubend: Toni Colette) hängt sorgfältig jedes Poster, jeden Sticker mit Sternchen wieder an den gewohnten Platz im neuen Zuhause.
Die hochschwangere Mutter (atemberaubend: Toni Colette) hängt sorgfältig jedes Poster, jeden Sticker mit Sternchen wieder an den gewohnten Platz im neuen Zuhause.
Der 16jährige zarte Thomas ist schon ganz aufgeregt, denn er wird eine neue Schule besuchen, an der er noch niemanden kennt. Weil seine Mutter schwanger ist soll er sich nun etwas mehr um seinen älteren Bruder Charlie kümmern: Charlie ist ein Autist mit ADS-Syndrom, er spricht nicht, dafür macht er umso mehr Lärm.
Charlie hält die Familie und den Zuschauer in Atem. Aus dem Blickwinkel seines jüngeren Bruders Thomas werden vor allem seine Verhaltensauffälligkeiten beobachtet: In der Küche fallen rohe Eier auf den Boden – Charlie rutscht vergnügt auf ihnen herum. Im Supermarkt wirft er sich auf den Boden, er klopft und schreit und hampelt und wird zum Glück jeden Morgen vom Bus zu einer speziellen Schule abgeholt. Thomas muss an einem Kurs für Rettungsschwimmer teilnehmen; er beobachtet die hübsche Jackie, die viel besser schwimmen kann als er. Doch einige Tage später läuft ihm Charlie weg, und rennt mit seiner lächerlichen Affenmütze auf dem Kopf durch die Straßen, in ein fremdes Haus hinein, um ausgerechnet dort zu pinkeln. Und ausgerechnet die schöne Mitschülerin Jackie steht gerade unter der Dusche und erschrickt sich zu Tode.
Zwischen Thomas und Jackie entsteht trotzdem oder jetzt erst recht eine zarte Freundschaft, die im weiteren Verlauf des Films durch reichlich witzige und eklige Zwischenfälle permanent gefährdet ist. Charlie hampelt und betatscht und masturbiert beim Geburtstagskaffee, er kotzt auf den Teppich, und jeder dieser Vorfälle führt zu grauenhaften Ringkämpfen. Der Film ist umwerfend komisch, erschreckend aggressiv und zum Heulen realistisch. Die völlige Erschöpfung von Angehörigen durch die bloße Bewältigung eines banalen Alltags wird imposant illustriert. Trotzdem erzählt „Black Balloon“ voller Enthusiasmus auch von Liebe und Kraft und Spaß und kollektiver Fröhlichkeit.
Die junge Regisseurin berichtet nach der Vorführung des Films von ihren beiden autistischen Brüdern, die ihre Kindheit überschattet und ungeheuer bereichert haben. Nicht selten, so erzählt sie lachend, habe man die Polizei holen müssen, um einen der beiden Brüder zu bändigen. Neben der Regisseurin steht ein etwas biederer, reichlich erwachsener Schauspieler; kaum zu glauben, dass dieser Luke Ford (ganz im Geiste von Leonardo die Caprio in „Gilbert Grape) soeben noch als glucksender Charlie über die Leinwand sprang. Der Kinostart von „The black balloon“ ist noch nicht bekannt, aber – halten Sie die Augen offen!
The Black Balloon Australien 2007 Regie: Elissa Down Darsteller: Rhys Wakefield, Gemma Ward, Luke Ford, Toni Collette
Ilse Eichenbrenner
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