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The Messenger

Es war ja zu vermuten, dass jede Armee ein Pendent zu jenen Notfallseelsorgern vorhält, die den Angehörigen von zivilen Unfallopfern in ihrer schwersten Stunde beistehen. Der Unterschied ist nur, dass dieses Team des „Casualty Notification Office“ der US-Army genau jener Truppe angehört, die das zu verkündende Unglück zu verantworten hat.

Will (Ben Foster) kommt aus dem Irak zurück, mit einer schweren Augenverletzung und anderen Blessuren. Seine Freundin trifft sich mit ihm, um mit ihm zu schlafen und ihm mitzuteilen, dass sie demnächst einen anderen heiraten wird. Will ist ein innerlich und äußerlich schwer verletzter Held; drei Monate Dienst hat er noch runterzureißen.

Da wird ihm seine neue, ehrenvolle Aufgabe mitgeteilt. Er soll erst einmal den abgebrühten Haudegen Tony begleiten, der als erfahrener Offizier schon unzählige Todesnachrichten überbracht hat. Es gibt natürlich ein Handbuch mit Tipps und Regeln, und auch Tony weiß genau, wie es funktioniert: „Wir sprechen ausschließlich mit den Angehörigen, die der Soldat für den Notfall angegeben hat; wir sprechen Klartext, wir nennen die Fakten, kein Drumherumgerede. Kein Körperkontakt, keine Mitleidsbekundungen. Wir gehen rein, machen unsern Job, und gehen wieder raus.“ Sie kurven durch die Gegend und finden so manche Adresse nicht. Nach dem Weg fragen ist verboten. Sie treffen auf unautorisierte Personen, die trotzdem sofort ahnen, um was es geht, und zu schreien beginnen. Sie werden beschimpft und bespuckt und vom Gelände gejagt. Mütter bekommen Weinkrämpfe, ein Vater übergibt sich und bricht zusammen und muss wohl oder übel doch per Körperkontakt gehalten werden. Eine junge Frau zeigt fast keine Reaktion und spricht den beiden ihr Mitgefühl für diesen unangenehmen Job aus. Zu ihr und ihrem kleinen Sohn wird Will immer wieder zurückkehren, ein wenig verliebt vielleicht, oder einfach heimatlos.

Im Zentrum des Films steht das Verhältnis zwischen Will und Tony, bravourös ausgespielt von den beiden prägnanten Darstellern; sie prallen aneinander ab und ziehen sich an, hängen in der Kneipe und verbringen ein wüstes Wochenende auf dem Lande. Am Ende zieht die junge Witwe um, und Will hilft ihr, ein paar Kartons zum Auto zu tragen. „Sollen wir kurz reingehen, damit ich dir meine neue Adresse aufschreiben kann?“ Sehr gerne möchte Will das tun, und dieser offene Schluß hält den Film in der Schwebe: tragisch und leicht.

Die US-Army habe die Dreharbeiten unterstützt, meint der israelische Regisseur bei der Presskonferenz. Dass nun die wahren Kriegsfilme von der Zeit nach dem Krieg handeln läßt zumindest hoffen.

The Messenger
USA 2009
Regie: Oren Movermann
Darsteller: Ben Foster, Woody Harrelson

Ilse Eichenbrenner