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Ergebnisse der Psychiatriereformen in Europa - ein Überblick

In den Ländern der Europäischen Union hat es in den letzten Jahre eine breite Entwicklung weg von einem institutionellen Modell psychiatrischer Versorgung in dessen institutionellen Zentrum das psychiatrische Krankenhaus stand, gegeben.

In den Ländern der Europäischen Union hat es in den letzten Jahre eine breite Entwicklung weg von einem institutionellen Modell psychiatrischer Versorgung in dessen institutionellen Zentrum das psychiatrische Krankenhaus stand, gegeben. In groben Zügen kann man sagen, das psychiatrische Reformprozesse in Europa jedoch nur einige ihrer Ziele erreicht haben und die Prozesse im großen und ganzen ähnlichen Entwicklungslinien gefolgt sind. Dabei gibt es erhebliche regionale Variationen. Wie alle Reformprozesse werden sie durch breite soziale, kulturelle und wissenschaftliche Entwicklungen vorangetrieben.

Zur Zeit werden in ganz Europa auf 10.000 Einwohner noch 8,7 psychiatrische Betten vorgehalten- dies sind weltweit die meisten Betten in einem Kliniksystem. (Quelle : WHO-Atlas) Dabei befinden sich 70,5 % der Betten in psychiatrischem Krankenhaus, 10,1% in Allgemeinkrankenhäusern, 19,4 % in sonstigen. Die Verfügbarkeit stationärer psychiatrischer Behandlungsplätze variiert von 17 pro 100.000 Einwohnern (ausschließlich psychiatrische Akutbetten) in Italien bis zu 165 pro 100.000 Einwohnern in Frankreich.
Während in Deutschland die Forderung , eine Anstalt zu schließen, inzwischen fast schon nostalgisch wirken würde - wurde sie in England, Italien, Schweden und einigen Regionen Spaniens inzwischen Realität.
Fast alle Länder der europäischen Union verfügen als Folge unterschiedlichster psychiatrischer Reformen inzwischen über gemeindepsychiatrische Zentren, alle stützen sich in der einen oder anderen Weise auf das Prinzip des Sektors oder Einzugsgebietes.
In den Ländern der europäischen Union fließen zwischen 5% und 10% aller Gesundheitsausgaben in die Psychiatrieversorgung.

Es entsteht der Eindruck dass es bei den breiteren, sozialen und die Gemeindeintegration betreffenden Aspekten psychiatrischer Reformen weniger deutlichen Erfolg gegeben hat, als bei den Veränderungen im klinischen psychiatrischen Versorgungssystem. So sind in den Bereichen Beruflicher-, Arbeits-, Gemeinde- und sozialer Integration europaweit deutlich weniger Fortschritte erzielt worden als in der praktischen Umgestaltung der stationären psychiatrischen Versorgungseinrichtungen.

Die Philosophie der Psychiatrie-Reformen in den europäischen Ländern hat implizit oder explizit auf einigen Kernprinzipien der Gemeindepsychiatrie beruht und schließt gezieltes Handeln innerhalb folgender Eckpunkte ein:

  • Deinstitutionalisierungsprozesse und Schließung der alten psychiatrischen Krankenhäuser Entwicklung alternativer gemeindepsychiatrischer Dienste und Programme Integration der Psychiatrie in die allgemeinen Gesundheitsdienste
  • Alle europäischen Länder haben unter anderem die aktuelle Schwierigkeit Dezentralisation von psychiatrischer Versorgung mit einem qualifizierten Gesundheitswesen zu verbinden. Die dahinterstehende strukturelle Frage, ob die Psychiatrie als Ganzes Teil des allgemeinen medizinischen Versorgungssystems werden sollte oder aber in ihrer Zwitterposition mit hälftigen Anteilen im Gesundheits- und Sozialwesen verharren sollte, hat noch kein europäisches Land bisher entschieden. Ebenso hat noch kein europäisches Land bislang eine Lösung für das sattsam bekannte Problem der Kooperation, Koordination und Steuerung psychiatrischer Hilfen gefunden.
  • Die Versorgung mit Langzeit-Wohnangeboten ist sowohl zwischen den Ländern als auch innerhalb der einzelnen Länder unterschiedlich und umfasst Wohn- und Pflegeheime, Gruppenwohnungen und Häuser mit betreutem Wohnen unterschiedlicher Größe, Formen dezentralen betreuten Wohnens sowie Wohneinrichtungen in psychiatrischen Krankenhäusern.
  • Informelle Hilfen und Betreuung durch Familienangehörigen waren und sind essentielle Elemente der Psychiatrie-Reformen. Untersuchungen zeigen, das sich europaweit Angehörige und informelle Helferinnen und Helfer im Verlauf der psychiatrischen Reformen stärker belastet erleben. Dies ist ein bedeutsamer Aspekt, dem künftig noch mehr Aufmerksamkeit zuteil werden muss.
  • Die Haupteinnahmequellen für Menschen mit ernsten psychischen Erkrankungen sind unterschiedlich, sie umfassen zumeist Wohlfahrts-Transferzahlungen, Erwerbsunfähigkeits- und Invalidenrenten. Nach einer Befragung der europaweit tätigen Angehörigen-Organisation EUFAMI im Jahr 2000 ist Deutschland dabei das einzige Land, in dem Menschen mit schwerer psychischer Erkrankung in vielen Fällen gänzlich auf Sozialhilfe angewiesen sind - mit allen bekannten, Auswirkungen auf die Angehörigen.

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