Vorhaben der WHO zur Förderung der seelischen Gesundheit in Europa
Die WHO hat in den letzten Jahren ein gesamteuropäisches Netzwerk für seelische Gesundheit geschaffen, das sich zu einem Forum für den gegenseitigen Erfahrungs- und Forschungsaustausch entwickelt hat.
Einführung
Jeder Versuch, die europäischen Gesundheitsversorgung zu beschreiben, sieht sich erst einmal mit einem Grundproblem konfrontiert: es besteht keine Einigkeit, welche Länder genau Europa zugehörig sind. Geographisch umfasst Europa 51 Länder - die Europäische Union dagegen erheblich weniger Länder.
Man kann zur Zeit noch sehr unterschiedliche Bedingungen von psychiatrischer Versorgung im "geographischen Europa" feststellen. So gibt es in Teilen Osteuropas psychiatrische Großanstalten mit erheblicher Hospitalisierung - dagegen herrscht stellenweise in Westeuropa eine psychiatrische Unterversorgung auf gemeindenaher Ebene - konkret fehlen Wohnmöglichkeiten z.B. im Betreuten Wohnen.
Aufgaben der WHO in Europa
Die WHO wird auf Wunsch der einzelnen Mitgliedsstaaten tätig und hat lediglich eine beratende Funktion für die Europäische Union und die Mitgliedsländer. Die EU ist verpflichtet sich um die Förderung seelischer Gesundheit in den Mitgliedstaaten zu kümmern und ist darüber hinaus auch in der Lage, über die ihr eigene Legislative innerhalb der Mitgliedsstaaten Programme durchzusetzen. Inzwischen hat die WHO ein gesamteuropäisches Netzwerk für seelische Gesundheit geschaffen, das sich zu einem Forum für den gegenseitigen Erfahrungs- und Forschungsaustausch entwickelt hat. Die WHO Europa hat in Zusammenarbeit mit der europäischen Union in den letzten Jahren gemeinsame Gesundheitsprogramme innerhalb Gesamteuropas konzipiert. 2001 wurde durch die WHO weltweit eine einjährige Kampagne zur Förderung von "Psychischer Gesundheit" initiiert bei der unter anderem umfangreiche Datensammlungen zu der psychiatrischen Versorgung erstellt wurden. ( "Mental Health in Europe" www.who.dk/document)
Eine Bestrebung der WHO Europa ist es bei der Realisierung der gemeinsamen Programme europaweit Ministerien mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen, z.B. Gesundheit, Arbeit, Familie, Soziales zum Thema "Verbesserung der Lebenssituation und der Aussichten psychisch kranker Menschen" zur Zusammenarbeit zu gewinnen. (Projekt "Mental Health - New Understanding - New Hope" www.who.dk/mentalhealth)
Eine Vernetzung der unterschiedlichen Ressorts wird nicht nur auf der Ministerebene sondern auch in dem künftigen Arbeitsalltag sozialpsychiatrischer Vereine eine wichtige Zukunftsaufgabe zur Förderung von gemeindenahen und personenzentrierten psychiatrischen Hilfen werden.
Aktionsziele der WHO in Europa
Die WHO hat drei konkrete Aktionsziele zur Förderung seelischer Gesundheit in Europa herauskristallisiert.
- Verhinderung von frühzeitigen Todesfällen auf Grund von Hilflosigkeit und Stress (Lebenserwartung vor allem in Osteuropa 10 Jahre geringer)
- Kampf gegen Stigmatisierung
- Bestandsaufnahme und Zukunftsplanung auf nationaler Ebene.
Sie hat dazu Expertengruppen ins Leben gerufen, die Fallbeispiele für positive Verfahrensweisen sammeln sowie Richtlinien für Grundsatzprogramme und Leistungen zur Förderung psychischer Gesundheit entwickeln und verbreiten sollen. Parallel dazu wurde eine Datensammlung der WHO in allen europäischen Ländern erstellt die im Rahmen des weltweiten WHO-Berichtes "Seelische Gesundheit" veröffentlicht wurde.
Die Programme konzentrierten sich auf die Themen:
- Suizid
- Depression
- Risikogruppen innerhalb der Bevölkerung
- Gesundheitspolitik und Förderung seelischer Gesundheit,
- die Verbesserung der Hilfsangebote
- und die Betonung und Umsetzung der Menschenrechte.
Das formulierte Ziel für die nächsten 20 Jahre klingt erst einmal recht vage. "Bis zum Jahr 2020 sollte sich die psychische Gesundheit der Bevölkerung verbessern, und für Personen mit psychischen Problemen sollten bessere umfassende Dienste verfügbar und zugänglich sein" Jedoch bei der Definition der Teilziele wird deutlich das es um weit mehr als eine Verbesserung der psychiatrischen Versorgung gehen soll.
6.1. Die Prävalenz und die gesundheitsschädigenden Auswirkungen von psychischen Problemen sollten sich erheblich verringern und die Bevölkerung sollte besser befähigt werden, stressreiche Lebensereignisse zu bewältigen.
6.2. Die Suizidraten sollten um mindestens ein Drittel zurückgehen."(Quelle: Gesundheit 21: Eine Einführung zum Rahmenkonzept "Gesundheit für Alle" für die Europäische Region der WHO, WHO Regionalbüro Europa)
Zukunftsentwurf der WHO zur Verbesserung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung bis 2020
1. Förderung sozialer Zugehörigkeit
- Abbau der Einkommensungleichheiten und des sozialen Ausschlusses.
Ziel: größeren Zusammenhalt in der Gesellschaft und bessere psychische Gesundheit - Besondere Aufmerksamkeit auf besonders gefährdete Personengruppen: Flüchtlinge, Menschen mit Lernbehinderung, chronischer Krankheit oder körperlicher Behinderung, jungen Mensche, die mit Gewalttätigkeit und Missbrauch konfrontiert sind.
- Verbesserung der sozialen Umgebung in der Schule, am Arbeitsplatz und ganz allgemein in der Gemeinschaft
Ziel: die Menschen sollen sich gut aufgehoben und geschätzt fühlen.
2. Frühes Erkennen und Behandeln von psychischen Gesundheitsproblemen im Lebensumfeld der Gemeinde
- Dezentralisierung der psychische Gesundheitsversorgung
- Integration in die primäre Gesundheitsversorgung
- Gute Zugänglichkeit zum professionellen Hilfesystem
- Sicherung guter fachlicher Qualität
- Integration in die Gemeinde
- Respektvolle Behandlung der Patienten
- Schaffung einer sicheren und freundlichen Behandlungsumgebung
- Sicherstellung der Menschenrechte für psychisch erkrankte Menschen, wobei eventuelle Einschränkungen minimal sein sollten. Diese Einschränkungen sollten nur aus Gründen der Gesundheit oder der Sicherheit der Patienten oder der Sicherheit anderer ausgesprochen und häufig überprüft werden.
3. Förderung der psychischen Gesundheit zur Verhinderung von Problemen und Bekämpfung der Diskriminierung
- Alle Bildungs- und Gesundheitsprogramme sollten auch Inhalte zum Thema "psychische Gesundheit" umfassen.
- Alle Initiativen auf Gemeindeebene zur Stärkung der Toleranz sollten unterstützt werden. Auf diesem Wege kann eine Atmosphäre entstehen, in der die Menschen das Gefühl haben, über ihre Probleme sprechen zu können, und in der Unterschiede zwischen den Menschen akzeptiert werden.
- Falsche Vorstellungen über psychische Gesundheitsprobleme sollten bei jeder sich bietenden Gelegenheit angegangen werden.
- Ermutigung der Medien, ein positives Bild von Menschen zu zeichnen, die psychische Gesundheitsprobleme überwunden haben sowie die Leistungen der psychiatrischen und psychischen Gesundheitsversorgung von heute positiv aufzuzeigen.
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Der Dachverband Gemeindepsychiatrie ist der German Focal Point von Mental Health Europe (MHE), dem europäischen Dachverband der Gemeindepsychiatrie mit Sitz in Brüssel: www.mhe-sme.org
(Hindernisse zur Gerechtigkeit sind Hindernisse zur Gleichstellung)

