Eingliederungshilfe auf dem Weg zur Inklusion
Positionspapier des DGSP-Fachausschusses Menschen in Heimen
Die sozialpsychiatrische Fachdiskussion der letzten Jahre war mitgeprägt durch das Ziel der Inklusion und die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe. Die Inkraftsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Jahre 2008 hat dieser Diskussion weiter Schwung gegeben. Heute stehen die Psychiatriegesetze der Länder, einzelne Regelungen des Betreuungsrechtes und die Nachfolgegesetze des Heimgesetzes auf dem Prüfstand bzw. zur Veränderung an. In dieser Veränderungsphase stellt der Fachausschuss Menschen in Heimen in der DGSP zur Diskussion, was dies für die Betreuung von Menschen mit psychischen Behinderungen in der Wohnform Heim bedeuten kann und muss. Die sozialpsychiatrische Landschaft hat sich gewandelt, hin zu einem ambulanten, differenzierten und auf die Person zentrierten Hilfesystem. Darin sind sozialpsychiatrische Wohnheime immer noch ein wichtiger Teil, insbesondere für Menschen mit hohem und komplexem Hilfebedarf stellen sie oftmals die einzige Möglichkeit zum Wohnen mit fachlicher Unterstützung dar. In der Fachöffentlichkeit werden sie dennoch seit Jahren eher ungern und wenig wahrgenommen, bisweilen mit der Begründung, das System Heim sei überholt und würde nur noch für eine überschaubare Zeit genutzt.
Die Realität gestaltet sich anders. Eine seit Jahren gleich bleibend große Zahl¹ von Menschen lebt in Heimen; 2010 sprechen wir von mehr als ca. 45000 Menschen nach seelischen Krisen, die in stationären Wohnformen Hilfe suchen.² In einem zweijährigen intensiven Arbeitsprozess zu den Kernthemen, die sich aus dem Leben von Menschen in Heimen für diese selbst und für die fachliche Arbeit ergeben, hat der Fachausschuss mit unterschiedlichen Experten die Chancen der Veränderung in und für Heime diskutiert.
Das Ergebnis dieser Arbeit sind die vorliegenden fachlichen Positionen, die auf einer kritischen Reflexion und Würdigung der aktuellen Entwicklungen aufbauen. Um diese Positionen für die praktische Arbeit im Heim handhabbar zu machen, sind am Ende eines jeden Kapitels Prüffragen formuliert, mit denen die Arbeitspraxis befragt und Impulse für Weiterentwicklungen im eigenen Arbeitsfeld gesetzt werden können. Der Fachausschuss gibt damit Anreize für die Diskussion dieser Fragen in Teams und Arbeitsgruppen, um damit vorhandene Positionen, Haltungen und Handlungen zu reflektieren und bei Bedarf Veränderungen vornehmen zu können.
Der Fachausschuss Menschen in Heimen stößt mit der vorliegenden Broschüre den öffentlichen Fachdiskurs über sozialpsychiatrische Heime erneut an und macht auf die Menschen, die in Heimen leben, und auf die Menschen, die dort tätig sind, aufmerksam. Das vorliegende Positionspapier »Eingliederungshilfe auf dem Weg zur Inklusion« möchte in Heimen Tätige und Wohnende gleichermaßen ansprechen und für ein Fortschreiten auf dem Weg zur Inklusion werben und motivieren.
Rückmeldungen und Kritik zu den hier formulierten fachlichen Standpunkten für Heime im Prozess der Inklusion von Menschen mit Behinderungen sind ausdrücklich erwünscht.
Köln, im März 2012
DGSP-Fachausschuss Menschen in Heimen
¹Vgl. Statistisches Bundesamt: Statistik der Sozialhilfe, Eingliederungshilfe für behinderte Menschen 2009, 2011. Wiesbaden.
²Vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe (BAGüS): Kennzahlenvergleich der Eingliederungshilfe 2010. Münster, S. 43 ff.
Inhalt
- UN-Behindertenrechtskonvention............................................4
- Behinderungsbegriff.................................................................5
- Vom Heimgesetz zum Wohn- und Teilhabegesetz....................6
- Veränderungsdruck auf die Trägerlandschaft ..........................7
- Personenbezogene Finanzierung fachlicher Standards ...........8
- Sozialraumorientierung ............................................................9
- Inkludierender Arbeitsansatz aus Heimen heraus .................10
- Die Sicht auf Behinderung
- Sozialräumliches Denken und Arbeiten
- Anforderungen an Mitarbeiter in der sozialpsychiatrischen
- Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen ............................11
- Grundhaltungen in der Arbeit mit Menschen mit psychischen Erkrankungen
- Persönliche Kompetenzen
- Professionelles Handwerkszeug und
- Methodenkompetenz
- Standards zur Organisation von Wohnhilfen .........................12
- Anhang - Denkanstöße
Man kommt leicht in ein Heim, aber nur schwer wieder heraus...14
Die Broschüre liegt in gedruckter Form vor und kann gegen eine Schutzgebühr von 1,- € und Übernahme der Portokosten in der DGSP-Geschäftsstelle angefordert werden.
Suche
»Umverteilen. Macht. Gerechtigkeit.« - Kongress vom 24. - 26. Mai 2013 in Berlin
Gigantischer privater Reichtum und wenige Superreiche auf der einen, dramatisch zunehmende Armut und leere öffentliche Kassen auf der anderen Seite – diese Wirklichkeit gefährdet unsere Gesellschaft und ist die Lunte am Pulverfass der Eurokrise. Über diese Entwicklungen müssen wir sprechen...
Informationen über den Kongress und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier: Link
Ausgabe 02/2013 der Sozialen Psychiatrie: »DGSP-Jahrestagung 2012 - Welche Psychiatrie wollen wir morgen haben?«
»Welche Psychiatrie wollen wir morgen haben ...?« fragt die aktuelle Ausgabe mit Beiträgen der DGSP-Jahrestagung 2012: Geschlossene Heimunterbringung? Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe? Psychiatrie ohne Zwang? Psychiatrie ohne Krankenhaus?
[lesen Sie mehr]
Fachtagung »Chancen und Risiken der aktuellen Rechtsprechung zur Zwangsbehandlung« am 14. Mai 2013 in Frankenthal
Wie viel Zwang darf oder muss sein? Wie sieht die rechtliche Lage jetzt aus? Welche Alternativen zur Zwangsbehandlung gibt es? Mit diesen Fragen wollen wir, die DGSP Rheinland-Pfalz uns bei dieser Fachtagung beschäftigen.
Dabei kommen sowohl Fachleute als auch Betroffene und Angehörige zu Wort. Unser neuer Sozialminister Alexander Schweitzer wird die Position der Landesregierung zur Neuregelung des PsychKG und des Maßregelvollzugsgesetzes persönlich vorstellen.
Wir freuen uns auf eine lebhafte, vielleicht auch kontroverse Diskussion.
Detaillierte Informationen finden Sie im Faltblatt zur Fachtagung. [Zur PDF]
Die DGSP bietet wieder Seminare für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter psychiatrischer Arbeitsfelder an. Die DGSP-Kurzfortbildungen sind mit fast eintausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern 2012 weiter auf Erfolgskurs, und wir freuen uns, dass wir Ihnen mit dem Programm 2013 neben altbewährten auch wieder zahlreiche neue Themen anbieten können. Mithilfe der Navigationsleiste auf der linken Seite gelangen Sie zu unserem neuen Kurzfortbildungsangebot.




