Bericht der AG Psychiatrie der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden (AOLG) »Psychiatrie in Deutschland – Strukturen, Leistungen, Perspektiven«, Bereich Gerontopsychiatrie

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Entwurf für den Bereich der Gerontopsychiatrie für den Bericht „Psychiatrie in Deutschland – Strukturen, Leistungen, Perspektiven“ stellt einen Überblick über die demografische Entwicklung dieser Personengruppe sowie über die aktuelle medizinische, pflegerische, soziale Versorgungssituation dar.

Nachfolgend nehmen wir als Fachgesellschaft zu den einzelnen Ausführungen Stellung.

  1. Zur aktuellen Situation ist anzumerken, dass sich gerade durch die Psychiatriereform der 1980er die Versorgungssituation psychisch kranker alter Menschen deutlich verbessert hat. Hierzu trug die Weiterentwicklung des klinischen, medizinisch- / therapeutischen Bereiches und die Verbesserung des ambulanten Bereiches bei. Unter anderem etablierten sich deutschlandweit gerontopsychiatrische Zentren, gerontopsychiatrische Ambulanzen, Gedächtnissprechstunden etc. Dennoch ist bis heute die Versorgungssituation regional spezifisch völlig uneinheitlich. So gibt es Strukturen, in denen keinerlei spezifische gerontopsychiatrische ambulante Leistungen vorgehalten werden, so dass, sollte ein Betroffener oder deren Angehöriger diese Leistung nutzen wollen, dem Angebot „hinterher gereist“ werden muss. Je nach Region etablierten sich entsprechende Angebotsstrukturen nach regionaler Attraktivität. So existieren in ländlichen, aber auch in städtischen Strukturen Bezirke und Gebiete, die über bzw. unterversorgt sind. Die lokale Entwicklung unterliegt i. d. R. den Gesetzen des freien Marktes und wird nicht regional am Bedarf orientierend gesteuert. Auch die gesetzlich vorgeschriebene Maßgabe ambulant vor stationär führte nicht dazu, dass flächendeckend zunächst die ambulanten Versorgungsangebote intensiviert wurden. Im Gegenteil, gerade stationäre Wohn- und Betreuungsangebote nahmen überproportional zu, was zum Teil zu einer Überangebotsstruktur führte. Diese Entwicklung im stationären Bereich ist wider den gesellschaftlichen Bedürfnissen. So wünschen sich nach wie vor über 90 % der Bundesbürger im Alter in ihrer Häuslichkeit alt zu werden und wollen nicht in eine Struktur der „klassischen“ stationären Altenhilfe einziehen.

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