Stellungnahme der DGSP zur Behandlung mit Psychopharmaka

Ein Brief der DGSP an den Bundesminister für Gesundheit, Herrn Dr. Philipp Rösler, über die Anwendung von Psychopharmaka.

Bundesministerium für Gesundheit

Herr Minister Dr. Rösler
11055 Berlin

                                                                                  Donnerstag, 7. Januar 2010

 

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Rösler,

als sozialpsychiatrischer Verband, der sich die Verbesserung der Lebenssituation schwer chronisch psychisch erkrankter Menschen zum Ziel gesetzt hat, haben wir, die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. - DGSP - die Auseinandersetzung zwischen dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und dem Pharmahersteller Pfizer bei der Prüfung des Mittels gegen Depression „Edronax“ mit dem Wirkstoff „Reboxitin“ mit besonderem Interesse verfolgt. Die Haltung dieses Pharmaherstellers ist unserer Erkenntnis nach nicht ungewöhnlich für die gesamte Branche, um so mehr ist die konsequente Haltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IQWiG im Interesse der Patientinnen und Patienten zu begrüßen.

Als Fachverband haben wir in den letzten zwei Jahren das Thema Psychopharmaka, insbesondere die Anwendung von Neuroleptika, intensiv bearbeitet. In mehreren öffentlichen Fachtagungen und in dem Memorandum unserer Gesellschaft zur Anwendung von Antipsychotika vom 24.09.2009 bzw. 29.09.2009 haben wir ausführlich auf die bestehenden Missstände hingewiesen. Neben verschiedenen Kritikpunkten ist ein wesentlicher Missstand der Umgang der Pharmahersteller mit den Studien zu den Wirkungen bzw. Nebenwirkungen der Psychopharmaka. Behandler wie Patienten werden oft bewusst über die Wirkweisen und negativen Folgen der Medikamente im Unklaren gelassen. In dem beiliegenden Memorandum unserer Gesellschaft wird dies dezidiert dargestellt. Daneben finden Sie dort weitere als schwerwiegende Missstände zu kennzeichnende Umstände der pharmakologischen Behandlung psychisch erkrankter Menschen, wie z.B. ungerechtfertigte Hochdosierung, off-label-use bei Kindern/Jugendlichen und alten Menschen, fehlendes Monitoring bei der Kombination mit anderen Medikamenten usw.

Sehr geehrter Herr Minister, wegen der besonderen Relevanz dieser Problematik für chronisch psychisch erkrankte Menschen ist die erfolgreiche Arbeit des IQWiG von großem Wert. Wir bitten Sie, möglichen Interessen an einer niedrig-schwelligeren Überprüfung über Sinn und Nutzen von Pharmaka eine Abfuhr zu erteilen. Psychisch erkrankte Menschen, insbesondere die schwer Erkrankten unter ihnen sind krankheitsbedingt oftmals schutzlos und bedürfen der Unterstützung. Diese Patienten, ihre Angehörigen und die Helfer im System der psychiatrischen Versorgung müssen sich auf die Qualität von pharmakologischen Behandlungsmaßnahmen verlassen können.

Sehr geehrter Herr Minister, es würde uns sehr freuen, wenn unser Anliegen Ihr Interesse findet.

Mit freundlichem Gruß

Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V.

Der Vorstand

Suche

»Umverteilen. Macht. Gerechtigkeit.« - Kongress vom 24. - 26. Mai 2013 in Berlin

Gigantischer privater Reichtum und wenige Superreiche auf der einen, dramatisch zunehmende Armut und leere öffentliche Kassen auf der anderen Seite – diese Wirklichkeit gefährdet unsere Gesellschaft und ist die Lunte am Pulverfass der Eurokrise. Über diese Entwicklungen müssen wir sprechen...

Informationen über den Kongress und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier: Link

Ausgabe 02/2013 der Sozialen Psychiatrie: »DGSP-Jahrestagung 2012 - Welche Psychiatrie wollen wir morgen haben?«

»Welche Psychiatrie wollen wir morgen haben ...?« fragt die aktuelle Ausgabe mit Beiträgen der DGSP-Jahrestagung 2012: Geschlossene Heimunterbringung? Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe? Psychiatrie ohne Zwang? Psychiatrie ohne Krankenhaus?
[lesen Sie mehr]

Fachtagung »Chancen und Risiken der aktuellen Rechtsprechung zur Zwangsbehandlung« am 14. Mai 2013 in Frankenthal

Wie viel Zwang darf oder muss sein? Wie sieht die rechtliche Lage jetzt aus? Welche Alternativen zur Zwangsbehandlung gibt es? Mit diesen Fragen wollen wir, die DGSP Rheinland-Pfalz uns bei dieser Fachtagung beschäftigen.
Dabei kommen sowohl Fachleute als auch Betroffene und Angehörige zu Wort. Unser neuer Sozialminister Alexander Schweitzer wird die Position der Landesregierung zur Neuregelung des PsychKG und des Maßregelvollzugsgesetzes persönlich vorstellen.

Wir freuen uns auf eine lebhafte, vielleicht auch kontroverse Diskussion.

Detaillierte Informationen finden Sie im Faltblatt zur Fachtagung. [Zur PDF]

Die DGSP bietet wieder Seminare für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter psychiatrischer Arbeitsfelder an. Die DGSP-Kurzfortbildungen sind mit fast eintausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern 2012 weiter auf Erfolgskurs, und wir freuen uns, dass wir Ihnen mit dem Programm 2013 neben altbewährten auch wieder zahlreiche neue Themen anbieten können. Mithilfe der Navigationsleiste auf der linken Seite gelangen Sie zu unserem neuen Kurzfortbildungsangebot.