Stellungnahme des Arbeitskreises Pflege in der DGSP zur Betreuung Demenzkranker durch Langzeitarbeitslose
Durch die demografische Entwicklung ist ein Anstieg der Zahl pflegebedürftiger Menschen seit Langem vorhersehbar. Vor allem auch, dass zunehmend mehr Menschen an einer Demenz leiden werden. Seit Jahren machen schon Gremien, Verbände und Mitarbeiter aus den Pfle-geberufen auf die kommende Misere aufmerksam. Die personell angespannte Situation in den Altenheimen und Krankenhäusern zwingt Pflegekräfte gegen ihre eigenen Überzeugungen von inhaltlich und fachlich professionell ausgerichtetem pflegerischem Wissen zu handeln und im Alltag durch eine Notversorgung zu ersetzen. Es entsteht ganz eindeutig der Eindruck, dass zwar hohe fachliche Kompetenz gefordert, jedoch nicht wirklich gewollt wird.
Nun soll der mangelhaften Betreuung von an einer Demenz erkrankten Menschen mit einem Notprogramm von „Betreuungskräften“ begegnet werden. Wenn es um zusätzliche Betreuung gegangen wäre, ließe sich die Begleitung mit entsprechenden zwischenmenschlichen Kompe-tenzen der Beteiligten möglicherweise unterstützend ergänzen.
Grundsätzlich ist zu fragen, was will die Politik damit erreichen? Wissen die politisch Verant-wortlichen denn, dass die Betreuung gerade auch an einer Demenz Erkrankter, die Unterstüt-zung ihrer Angehörigen und des Umfeldes eine besonders große Fachlichkeit und hohe Kom-petenzen erfordert? Ist den Initiatoren dieses Projektes deutlich, dass gerade auch Angehöri-ge in der Betreuung ihres Familienmitgliedes an ihre Grenzen stoßen, obwohl sie den Betrof-fenen auch in guten Zeiten erlebt und eine Beziehung zu ihm haben, die Zugänge in die Welt des an Demenz erkrankten Menschen eher möglich machen?
Dass Politiker nach einer Entlastung am Arbeitsmarkt und hinsichtlich langzeitarbeitslosen Mitbürger streben, ist grundsätzlich erst einmal löblich. Ist jedoch dieser Bereich der richtige, oder ist nicht wie bei den Ein-Euro-Jobs im sozialen Bereiche auch hier eine Pleite zu erle-ben?
Seit Jahren kämpfen Kolleginnen und Kollegen aus der (Alten-) Pflege um mehr Selbstbe-stimmung und Wertschätzung der ihnen anvertrauten Menschen und um Teilhabe am gesell-schaftlichen Leben. Sie fordern das Ende der „still, satt und sauber Pflege“ und kämpfen für die individuelle umfassende Wahrnehmung des Einzelnen und somit um einen besseren Pfle-geschlüssel sowie entsprechende Fachkräfte in der Pflege. Dies bedeutet auch eine gute und verankerte Aus,- Fort- und Weiterbildung, die dem Bedarf und den Bedürfnissen alter und vor allem auch an einer Demenz leidenden Menschen gerecht werden. Viele Ansätze sind in die-sem Zusammenhang auf den Weg gebracht worden, die oft in der Umsetzung daran schei-tern, dass nicht ausreichend Personal in den Einrichtungen vorhanden ist oder dass – wie im ambulanten und komplementären Bereich – die Finanzierung sehr eng bemessen ist und nur Tätigkeiten allein und ohne psychosoziale Einbindung bezahlt werden.
Hochsensible, in ihrer Welt lebende und oft versunkene Menschen, die emotional leicht zu irritieren sind, sollen nun von Langzeitarbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern nach einem Schnellkurs zu professionellen Minipflegekräften ausgebildet werden. Offensichtlich wird dabei vergessen, welche Anstrengungen in den letzten Jahren unternommen wurden, pflegerische Zugehensweisen theoretisch und praktisch umzusetzen, um gerade dieser spezifischen Grup-pe von alten Menschen mehr Qualität im Alltag und im Umgang bieten zu können. Sie ent-sprechend so einzubeziehen, wie es je nach der momentanen Befindlichkeit möglich ist und gleichzeitig die Autonomie, Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit aufrechtzuerhalten.
Die Rahmenbedingungen in der Betreuung und Pflege alter, vor allem auch an einer Demenz erkrankten Menschen, hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Außerdem hat sich ge-zeigt, dass bisher kaum erforderliche und durchdachte, insbesondere auch längerfristige Lö-sungen angestrebt wurden. Warum nicht längst – wie von unterschiedlichen Initiativen und Einzelpersonen angeregt – eine Enquête-Kommission zur Versorgung, Vernetzung und Betreuung alter Menschen, insbesondere von denen, die besondere Pflege bedürfen, einberu-fen wurde, ist uns unverständlich.
Bleibt die Frage, ob wir weiterhin in unserer Gesellschaft die Augen verschließen, dass auch ein Großteil von uns älter wird und möglicherweise auf Hilfe und Pflege angewiesen sein wird und die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass wir selbst im hohen Lebensalter an einer Demenz erkranken.
Wir Pflegekräfte im Arbeitskreises Pflege der DGSP wehren uns gegen diese Entwicklungen, denn wir sind davon überzeugt, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben muss, eine fachlich qualitativ hohe Pflege zu erhalten, auch wenn er sich nicht mehr selbst gegen unsachgemäße Pflege wehren kann, denn die angeborene Würde eines Menschen ist unantastbar auch in einer solchen Lebensphase und bis zum Ende des Lebens.
Unsere Forderungen:
Die nachfolgende Aufzählung folgt Ansätzen wie aus der Sicht der Pflege eine qualifizierte pflegerische Arbeit gefestigt werden können.
- Die sozialrechtliche Unterscheidung von Grund- und Behandlungspflege widerspricht der pflegerischen Berufsauffassung und dem Versorgungsbedarf von alten und erkrankten Menschen. Pflege ist nicht teilbar, sie geschieht umfassend mit ganzheitlichem Blick auf den Betroffenen.
- Die personelle Ausstattung und Ressourcen sowie die Organisationsformen müssen so gestaltet werden, dass die Dauer der Kontaktmöglichkeiten und die direkte Begegnung ei-nen hohen zeitlichen Umfang erreichen und somit wirksam sind.
- Somatisch schwer erkrankte alte Menschen benötigen u. U. eine kostenintensive apparati-ve Versorgung, alte und demente Menschen brauchen in erster Linie kostenintensive Zeit von professionellen Helfern.
- Beziehungskontinuität ist unerlässlich in der Arbeit mit den Betroffenen und ihren Angehö-rigen.
- Fort- und Weiterbildung in der Pflege an eine Demenz erkrankten Menschen ist wichtiger Bestandteil des beruflich-fachlich-kompetenten Handelns. Hier gilt es die neusten (pflege-) wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Wohle der Betroffenen umzusetzen.
Köln, im Oktober 2008
gez. Hilde Schädle-Deininger
Sprecherin des AK Pflege in der DGSP
gez. Friedrich Walburg
Vorsitzender der DGSP
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Wie viel Zwang darf oder muss sein? Wie sieht die rechtliche Lage jetzt aus? Welche Alternativen zur Zwangsbehandlung gibt es? Mit diesen Fragen wollen wir, die DGSP Rheinland-Pfalz uns bei dieser Fachtagung beschäftigen.
Dabei kommen sowohl Fachleute als auch Betroffene und Angehörige zu Wort. Unser neuer Sozialminister Alexander Schweitzer wird die Position der Landesregierung zur Neuregelung des PsychKG und des Maßregelvollzugsgesetzes persönlich vorstellen.
Wir freuen uns auf eine lebhafte, vielleicht auch kontroverse Diskussion.
Detaillierte Informationen finden Sie im Faltblatt zur Fachtagung. [Zur PDF]
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