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- Der Griff zum Alkohol liegt nahe
- Doppelte Probleme
- Heroinabhängigkeit
- Bei manisch-depressiv Erkrankten
Eine ausführliche Darstellung von Abhängigkeitskrankheiten wird hier nicht erfolgen. Wir möchten dazu auf andere Fachliteratur verweisen. Wichtig scheint uns jedoch, Folgendes hervorzuheben:
Der Griff zum Alkohol liegt nahe
Wenn ein Mensch an einer Schizophrenie erkrankt, gibt es bestimmte Phasen, in denen der Griff zum Alkohol nahe liegt. Dazu gehört eine lange unbestimmte Anfangsphase, in der weder der Betroffene selbst noch seine Angehörigen noch seine Umgebung wissen, was geschieht. Dennoch scheint sich für den Kranken alles zu verändern. Diese Wahrnehmungen machen vor allem Angst. Alkohol aber löst Angst und Spannung auf angenehme Weise. Nicht selten kommen deshalb junge schizophren Erkrankte erstmals zum Alkoholentzug in psychiatrische Behandlung. Erst wenn der Alkoholentzug durchlaufen ist, stellt sich heraus, dass hier eine schizophrene Erkrankung vorliegt. Eine weitere schwierige Phase ist später, nach dem Wissen um die eigene Erkrankung, die Auseinandersetzung mit dieser Krankheit und der Versuch, mit ihr zu leben. Wie wir bereits erwähnt haben, kommt es in dieser Zeit häufig zu depressiven Verstimmungszuständen. Auch hier bringt der Alkohol für kurze Zeit Entspannung. Manche Patienten sind noch immer überdosiert. Die quälende Unruhe, die Akathisie als Nebenwirkung von Neuroleptika, wird von solchen Kranken nicht selten mit Alkohol bekämpft.
Schließlich suchen vereinsamte Langzeitkranke – wie andere vereinsamte Menschen – nicht selten Zuflucht zum Alkohol. In allen diesen Situationen bedeutet der Alkoholgenuss über längere Zeit nicht nur, dass zusätzliche körperliche Folgeschäden zu befürchten sind, sondern dass zweierlei Krankheiten ernst genommen und behandelt werden müssen: die Alkoholabhängigkeit wie die Schizophrenie.
Doppelte Probleme
Solche doppelten Probleme treten nicht nur in Kombination von Schizophrenien mit Alkoholabhängigkeit auf, sondern ebenso bei Missbrauch von Haschisch. Das besonders Heimtückische hierbei ist, dass nach allem, was wir bisher wissen, die Bindungsstellen für Neuroleptika im Gehirn entweder vom Wirkstoff des Haschisch oder vom Neuroleptikum besetzt werden können. Dies bedeutet, dass Haschischkonsum die Wirkung der Neuroleptika auf ganz spezifische Weise stört und so vermehrt und verstärkt zu psychotischen Episoden führt. Auf der anderen Seite hat auch Haschisch einen entspannenden und müde machenden Effekt, den viele Erkrankte suchen. Außerdem sind sie besonders versucht, Haschisch einzunehmen, wenn sie mit der Höhe der verordneten Neuroleptikadosis nicht zurechtkommen. Hier ist es einmal mehr entscheidend, die Zusammenarbeit mit den Patienten zu suchen und gegebenenfalls eher die Neuroleptikadosis und damit auch die Nebenwirkungen zu reduzieren, als den unkontrollierbaren Haschischkonsum weiter in Kauf zu nehmen. Manchen Patienten gelingt es auf Dauer tatsächlich, sich eine Haschischzigarette in der Woche zu gönnen und im Übrigen darauf zu verzichten.
Heroinabhängigkeit
Auch eine begleitende Heroinabhängigkeit ist möglich. Heroin konkurriert nicht wie Haschisch um die Bindungsstellen von Neuroleptika im Gehirn, aber es führt zu einer ausgeprägten Sedierung, in höheren Dosen zu schwerer Müdigkeit, Atemlähmung und gefährlichen Vergiftungszuständen, die in Kombination mit Neuroleptika sehr schnell lebensgefährlich werden können. Abgesehen davon ist in der Regel ein Rehabilitationsversuch mit an Schizophrenie Erkrankten, die drogenabhängig sind, unmöglich.
Bei manisch-depressiv Erkrankten
Bei manisch-depressiv Erkrankten stehen eher Abhängigkeiten von Benzodiazepinen im Vordergrund. Diese werden ihnen in vielen Kriseninterventionen fachgerecht verordnet. Häufig werden sie jedoch nicht wieder fachgerecht abgesetzt. Zunächst machen Tranquilizer ein angenehm entspannendes Gefühl. Sie sorgen in der Depression nicht nur für Angst- und Spannungsminderung, sondern auch für eine leicht gehobene Stimmung. In der Manie sorgen sie für etwas mehr Gelassenheit, sodass sich die Kranken, wenn überhaupt mit irgendeinem Medikament, am ehesten mit Tranquilizern einverstanden erklären. Es besteht die Gefahr einer Abhängigkeit auf Dauer, die sich auf die Gesundheit und auf eine fachgerechte Behandlung in vielfacher Weise störend auswirkt. Auch hier müssen beide Formen der Erkrankung erkannt und angegangen werden.
Text: Ulrike Hoffmann-Richter und Asmus Finzen
Quelle:
Neue Auflage im BALANCE buch + medien verlag: BApK (Bonn 2007): Mit psychisch Kranken leben - Rat und Hilfe für Angehörige, 320 Seiten
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