9. Filme


Das weiße Rauschen

Wer das weiße Rauschen sieht, der wird sofort wahnsinnig. Ausser wenn er schon wahnsinnig ist. Dann wird er normal! Lukas zieht mit 21 Jahren in die Großstadt, in die WG seiner Schwester. Er hat das sichere Gefühl: Jetzt fängt das Leben an. Sofort stürzt man sich ins Nachtleben. Es gibt Partys, Drogen und eigenlich eine Menge Spaß. Doch nach einem Drogentrip beginnt Lukas plötzlich Stimmen zu hören. Die Stimmen beschimpfen ihn und er fühlt sich verfolgt.

Paranoide Schizophrenie lautet die Diagnose der Ärzte. Nun beginnt für Lukas der Kampf gegen das Chaos in seinem Kopf. Am Ende einer Reise, die ihn bis an die spanische Atlantikküste führt, scheint er etwas gefunden zu haben, das aus dem Wahnsinn herausführen könnte: Das weiße Rauschen.


Requiem

Anfang der 70er Jahre. Die junge Michaela Klingler verlässt ihr streng katholisches Elternhaus, um ein Studium zu beginnen. Glücklich genießt sie die ersten Schritte in der neuen Freiheit. Doch Michaela wird von ihrer Vergangenheit eingeholt Sie hat immer öfter mit Wahnvorstellungen zu kämpfen, hört Stimmen und glaubt, von Dämonen besessen zu sein. Schließlich begibt sich Michaela in die Obhut eines jungen Priesters und stimmt einem Exorzismus zu.


Michel aus Lönneberga

Der kleine Michel lebt mit seinen Eltern, Schwester Klein-Ida, Magd Lina und Knecht Alfred auf einem Hof in Lönneberga. Auch wenn er es meistens eigentlich gar nicht bewusst macht, heckt er ständig Streiche aus. Mal zieht er Klein-Ida an der Fahnenstange hoch, mal steckt er seinen Kopf in eine Suppenschüssel und kann sich nicht mehr befreien. Zur Strafe wird er von seinen Eltern oft in den Schuppen gesperrt, wo er Holzmännchen schnitzt.

Einzig Alfred kommt ausnahmslos gut mit ihm klar. Gemeinsame Ausflüge mit Michel sind für den Knecht eine willkommene Gelegenheit, Lina aus dem Weg zu gehen, die Alfred gerne heiraten möchte. Michel ist ein typisches Beispiel für ein impulsives Kind, das nicht viel über die eigenen Handlungen nachdenkt und viele Verhaltensweisen eines Kindes mit AD(H)S zeigt.


Raum 4070 / Psychosen verstehen

Wir sind in einem Raum, in dem sich Menschen Erlebnisse erzählen, die man sich eigentlich nicht erzählt. Es geht um Wahn-Sinn und Ver-rücktheit, es geht um die Existenz, es geht um höllische Verzweiflung und den Garten Eden, es geht um Angst und um die Zerstörung von Beziehungen. In Raum 4070 findet das Potsdamer Psychoseseminar statt. Es ist ein Tabu darüber zu reden. Aus Angst. Aus Scham. Aus Schuldgefühlen. Im "Raum 4070" wird darüber gesprochen.

Psychoseerfahrenen, Angehörigen und Professionellen gehört gleichberechtigt das Wort, sacht moderiert von Prof. Dr. Peter Stolz. Jede Psychose ist anders und erzählt eine eigene Geschichte: Eine Mutter leidet darunter, dass ihre Tochter den Kontakt abbricht. Ein Vater findet den Mut vom Freitod seines Sohnes zu erzählen. Ein junger Mann will nicht mehr aus seiner Psychose zurück, weil er unsere Welt für eine Scheinwelt hält. In dem Raum wird aber auch gelacht, in der Pause wird über Alltägliches geredet, es werden Freundschaften geschlossen.

Kameras und Mikrophone in einem Psychoseseminar - das ist bisher einmalig. Die Teilnehmer/innen standen von Anfang an hinter den Filmarbeiten, weil sie vom Ziel der Regisseure überzeugt sind: In der Öffentlichkeit muss über Psychose geredet werden. Wer nicht gefilmt werden wollte, konnte sich hinter eine der beiden Kameras setzen. Im Verlauf der Dreharbeiten machten aber immer weniger davon Gebrauch.

Die Dreharbeiten dauerten anderthalb Jahre. Aus 16 Abenden Psychoseseminar entstanden 60 Stunden Rohmaterial. Die Montage gibt dem Zuschauer die Chance, sich mitten ins Seminar zu begeben. Der Film zeigt, wie nah wir alle den Menschen in diesem Raum sind. Der Zuschauer beginnt als Beobachter und endet bei sich selbst.

"Psychosen verstehen" ist thematisch acht Kapiteln zugeordnet: * Was ist eine Psychose? * Psychosen und Medikamente * Grenzen der Behandlung * Psychosen und Eigensinn * Psychosen und Angst * Psychosen und Belastbarkeit * Psychosen und Gewalt * Psychosen und Beziehung