Beate Lisofsky, Fritz Mattejat (Hg): Nicht von schlechten Eltern


Kinder psychisch Kranker

Kinder verstehen oftmals nicht, warum ihre Mutter tagsüber in abgedunkelter Wohnung auf dem Sofa liegt und zu nichts Lust hat. Sie begreifen nicht, warum ihr Vater sonderbare Stimmen hört, merkwürdige Dinge tut oder ohne Vorwarnung einen jähzornigen Wutanfall bekommt, obwohl er doch vorher noch mit ihnen gespielt hat. Die psychische Erkrankung der Eltern bedeutet eine Belastung für die Kinder, ist aber auch ein Risikofaktor für die eigene seelische Gesundheit. Häufig geraten die Kinder jedoch erst ins Blickfeld, wenn es um die Frage geht, ob sie bei den Eltern bleiben können oder eine Unterbringung in Pflegefamilien oder Heimen erzwungen werden soll. Viele solcher Situationen könnten vermieden werden, wenn den Kindern und ihren Eltern vorher Hilfen angeboten würden, denn: Kinder brauchen ihre Eltern, auch wenn sie psychisch krank sind. Dass auch Kinder Angehörige sind, wurde häufig vergessen - auch in der psychiatrischen Literatur kommen sie kaum vor.

  • Doch was genau brauchen Kinder in welchem Alter, um sie zu entlasten und zu stärken?
  • Wie und wo erreicht man sie?
  • An wen wenden sich Kinder, wenn die nächsten Bezugspersonen nicht ansprechbar sind?
  • Wer finanziert ein Angebot, das keine Therapie sein soll, das einfach Raum gibt für Spaß und Spiel, ein paar Stunden unbeschwert Kind sein dürfen?

Dieser Ratgeber gibt Antworten. Bewegende Erfahrungsberichte von mittlerweile erwachsenen Kindern vermitteln Einblicke in die Welt der Kinder. Prof. Dr. Fritz Mattejat und Beate Lisofsky, Pressesprecherin des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch Kranker, stellen Hilfsangebote vor und fassen die aktuellen Modelle zusammen. Besonders wirbt der Ratgeber dafür, nicht nachzulassen in der respektvollen Aufmerksamkeit für Kinder. Und für den Mut, ihren Kummer wahrzunehmen und sie nicht länger damit alleine zu lassen.

Rezensionen

Es ist eine wirklich hilfreiche Publikation, die nun nach zehn Jahren neu und aktualisiert vorliegt. Kindern psychisch kranker Eltern und ihren Familien zu helfen: das ist das Anliegen des so leicht lesbaren Buches. Dies gelingt nicht nur durch die klare, offene Information beispielsweise über »Vererbbarkeit«, Mythen und Lebensgeschichten, sondern auch durch die Benennung konkreter Hilfsformen und -stellen.

Detlef Rüsch in Psychosoziale Umschau

Das Buch mag weniger Leser finden, als es verdient - denn der ungewöhnliche Fokus auf die Kinder psychisch Kranker rührt doch sehr an Tabus. Dabei ist "Nicht von schlechten Eltern" ein wirklich hilfreicher, lesenswerter Ratgeber - nicht nur für Menschen, die in solchen Familien groß wurden. Hervorzuheben ist die Vielfalt der Perspektiven, da sowohl Betroffene als auch Experten (Ärzte und Psychotherapeuten) zu Wort kommen.

Bernhard Stelzl in Gehirn & Geist, Heft 3/2008 

Weil psychisch kranke Menschen ebenso häufig Kinder haben wie gesunde, schätzen Experten, dass etwa drei Millionen Kinder im Jahr mit den psychischen Problemen eines Elternteils konfrontiert sind. Rund eine halbe Million Kinder haben Vater oder Mutter mit einer schizophrenen oder depressiven Störung.

Spiegel online empfiehlt den Ratgeber im Dossier "Wenn Eltern psychisch krank sind" und verdeutlicht, warum dieses Thema so wichtig ist.

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