Nachruf für Helmut Köster

Am 25. März 2011 ist Dr. med. Helmut Koester nach langer und schwerer Krankheit im Alter von 87 Jahren verstorben. Dr. Koester war als erster Vorsitzender für den 1976 gegründeten Dachverband Psychosozialer Hilfsvereinigungen, heute Dachverband Gemeindepsychiatrie, ein wichtiger Starthelfer und Wegbereiter.
Die Startphase des Dachverbands ist eng verknüpft mit der damaligen Aufbruchstimmung in der Psychiatrie. Für Psychiatriepatienten gab es nur stationäre Einrichtung. Das heißt, sie waren in Großkrankenhäusern unter katastrophalen räumlichen Gegebenheiten und mit personell völlig unzureichender ärztlicher und pflegerischer Betreuung oft für Jahrzehnte untergebracht: Zustände, die in der Psychiatrie-Enquete 1975 als Schlichtweg skandalös bezeichnet wurden.
Seit Ende der 1960er-Jahre entstanden Hilfsvereine zur Unterstützung von Patienten, als erste Verbindung in die Welt außerhalb der Anstaltsmauern, sehr oft auf Initiative einzelner Klinikmitarbeiter in Kooperation mit Bürgern, denen die Situation nicht mehr gleichgültig war. Diese Hilfsvereine leisteten in einem schwierigen Umfeld vielfach Pionierarbeit für den Aufbau ambulanter und komplementärer Hilfen. Sie sind mittlerweile gemeindepsychiatrischer Standard.
Dr. Koester war für die reformerischen Veränderungen sehr aufgeschlossen. "Der Weg von der Verwahrpsychiatrie großen Stils hin zu einer gemeindenahen Psychiatrie war eingeschlagen worden. Mit der Orientierung an einer Öffnung gegenüber der Gemeinde beziehungsweise in die Gemeinde hinein sollte der Ausgrenzung psychisch Kranker ein längst fälliges Ende gesetzt werden". So formulierte er in einem Rückblick kurz vor seinem Tod noch einmal diesen Anstoß.
Als ärztlicher Direktor der Rheinischen Landesklinik Düren von 1970 - 1988 konnte er diese Wende und weitere Entwicklung aktiv und erfolgreich mitgestalten. Mit der Übernahme des Vorsitzes beim Dachverband dokumentierte Dr. Koester, wie ernst es ihm tatsächlich mit der Öffnung der Kliniken und der Unterstützung der neu entstandenen Bewegung von Hilfsvereinen und engagierten Bürgern war.
Er legte einen guten Grundstein für den Dachverband und seine weitere Entwicklung, auch wenn er bereits Ende 1978 wegen einer unerwarteten beruflichen Zusatzbelastung, die mit der Schließung einer anderen Klinik zusammenhing, den Vorsitz wieder abgab und aus dem Vorstand ausschied.
Als Vorstandsmitglied habe ich 1977 Dr. Koester kennen- und sehr schätzen gelernt. Dass er mich als Laienhelferin im Vorstand ohne Einschränkungen akzeptierte, ist für mich eine persönliche Erfahrung, die mich für mein eigenes langjähriges Engagement sehr geprägt hat.
Es ist gut, sich aus diesem traurigen Anlass heraus zurückzuerinnern an die Zeit einer sich rasant verändernden Psychiatrie und psychiatrischen Versorgung, in der Dr. Koester einer der Vorreiter der Gemeindepsychiatrie war. Wir behalten ihn in dankbarer Erinnerung.
Dr. Inge Schöck, Vorsitzende des Dachverbandes Psychosoziale Hilfsvereinigungen von 1979-1989
Psychosoziale Umschau 032011
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