Kleine Held(Inn)en in Not² - Prävention und Gesundheitsförderung für Kinder psychisch kranker Eltern
„Es braucht ein ganzes Dorf um Kinder stark zu machen!“ Mit diesem afrikanischen Sprichwort begrüßte Birgit Görres, die Geschäftsführerin des Dachverbandes Gemeindepsychiatrie die Tagungsteilnehmer und wies auf die Notwendigkeit der weiteren regionalen Vernetzung von Jugendhilfe und Gemeindepsychiatrie hin. Der große Konferenzsaal im Tagungszentrum Magdeburg war mit 340 TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland bis auf den letzten Platz gefüllt.
Betroffene, Angehörige, VertreterInnen der Jugendhilfe, der Gemeindepsychiatrie, Kostenträger, Verbände, der Hochschulen und Universitäten, Ärzte, Politiker waren zu dieser zweiten Fachtagung des Dachverbandes Gemeindepsychiatrie in diesem Jahr gekommen. Das Interesse an fachlichem Austausch der Praktiker der Jugendhilfe und der Gemeindepsychiatrie war groß. Die vorgestellten Praxisprojekte zeigten, dass sich in den letzten 10 Jahren, in denen der Dachverband Gemeindepsychiatrie dieses Thema in die breite öffentliche Diskussion geholt hat, eine Vielzahl von Projekten und Handlungsempfehlungen entwickelt hat.
Die Staatssekretärin des Landes Sachsen-Anhalt Prof. Dr. Dienel betonte in ihrem Grußwort die Notwendigkeit der Öffnung der psychiatrischen Kliniken zu diesem Thema. Sie begrüßte die Aktivitäten des Dachverbandes zum Aufbau von ambulanten gemeindepsychiatrischen Strukturen die sich auch mit präventiven Angeboten an betroffene Familien wenden.
Diana Golze, die Vorsitzende der Kinderkommission des deutschen Bundestages war leider verhindert. In ihrem schriftlichen Grußwort das hier herunter geladen werden kann würdigte sie die Arbeit des Dachverbandes zur Verbesserung der Situation der Kinder psychisch erkrankter Eltern. Sie betonte die Notwendigkeit das Kinder psychisch kranker Eltern endlich bei der Behandlung psychischer Erkrankungen mitberücksichtigt werden sowie die Notwendigkeit das ihre Versorgung, Entwicklung und auch Wohlbefinden bei der Therapie des erkrankten Elternteils eine Rolle spielt. Diese Ansätze sind wichtig für die Weiterentwicklung der Angebote und Maßnahmen einer unterstützenden, Hilfe anbietenden und präventiv wirkenden Jugendhilfe in effektiven und wirkungsvollen Netzwerken.
Die Vorträge
Ohne Netz und doppelten Boden – die Situation der Kinder psychisch kranker Eltern
Wiebke Scherber vom Landesverband der Angehörigen psychisch kranker NRW schilderte sehr anschaulich die Situation von Kindern die mit ihrem erkrankten Elternteil – oftmals sehr isoliert zusammenleben. Ihre persönliche Lebensgeschichte zeigte aber auch auf, das betroffene Kinder auch Stärken und Kompetenzen für sich in dieser schwierigen Lebenssituation entwickeln. [mehr]
Vater werden ist nicht schwer – Vater sein dagegen sehr! Die Situation der Eltern
Reinhard Wojke vom Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. schilderte eindringlich seine Versuche mit seinen Söhnen trotz seiner Erkrankung in Kontakt und ein guter Vater zu sein. Er betonte die besondere Situation in die psychisch erkrankte Väter gelangen und warb für mehr Berücksichtigung dieser Situation. [mehr]
Schutz von Kindern durch wirksame Vernetzung von Hilfen – Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen
Eine andere Ebene eröffnete Jörg Backes vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen der in seinem Vortrag das Nationale Zentrum Frühe Hilfen vorstellte. Systematische und umfassende Zugänge zu Familien über das Gesundheitssystem gibt es derzeit in Deutschland nur punktuell. Dabei werden die Risiken für eine gesunde Entwicklung der Kinder zu wenig systematisch erhoben. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Hilfesystemen Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe steckt noch in den Anfängen. Die Nutzerinnenperspektive fehlt meist. Basierend auf dieser Ausgangssituation stellte Jörg Backes die Ziele und bisherige Projektarbeit des Nationalen Zentrums vor. [mehr]
Unterstützungsstrukturen für psychisch erkrankte Eltern und ihre Kinder schaffen
Die Ergebnisse des Projektes „Kinder psychisch kranker Eltern - Prävention und Kooperation von Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie“ wurden von Elisabeth Schmutz vom ISM Mainz vorgestellt und fanden bei den Teilnehmern große Beachtung. [mehr]
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Abendveranstaltung
Ein Highlight der ganz besonderen Art fand am Abend des ersten Tagungstages statt: Im besonderen Ambiente des Oli-Kino´s stellte die junge Autorin und Illustratorin Edmute von Mosch ihr Bilderbuch „Mama,s Monster“ vor. In kindgerechten Bildern erzählt die Autorin, was mit einer Familie passiert, wenn die Mutter plötzlich an einer Depression erkrankt. Das Bilderbuch ist dank einer finanziellen Unterstützung der DAK auch als Broschüre beim Dachverband Gemeindepsychiatrie erhältlich.
»Als meine Mutter das Buch gelesen hat, war sie total gerührt«, erzählt Erdmute von Mosch. »Sie sagt, sie hätte auch gerne so ein Buch gehabt, um uns damals zu erklären, was mit ihr los gewesen ist.
»Mich hat damals kein Arzt gefragt, ob ich Kinder habe und wer sich denn nun um sie kümmert, wenn es mir schlecht geht«, ergänzt Eva von Mosch. »Das Buch gehört in jede kindertherapeutische Praxis und Beratungsstelle.«
"Mamas Monster: Was ist nur mit Mama los?"
von Erdmute von Mosch ist für Kinder zwischen drei und sechs Jahren geeignet. Die Broschüre kann über den Dachverband Gemeindepsychiatrie, Oppelner Str. 130, 53119 Bonn bestellt werden. Sie kostet 2 Euro zzgl Porto. Die gebundene Ausgabe ist im Balance buch+medien Verlag erschienen, im Buchhandel erhältlich und kostet 12,95 Euro
Medienbestellschein
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Workshops
Workshop 1
„Wenn Eltern psychisch krank sind… Was hilft der Familie?“
Julia Günther, Sirid Gursinsky; Projekt Kielt, Dresden [mehr]
Workshop 2
„Zukunftswerkstatt…Anspruch und Vision“
Erarbeitung einer Handlungsempfehlung aus der Sicht der betroffenen Kinder
Ines Schliebs, Jeanette Abel; Projekt Seelensteine, Halle [mehr]
Workshop 3
„Ohne Netz und doppelten Boden – die Situation von Kindern psychisch kranker Eltern“
Wiebke Scherber – Vortrag
Workshop 4
„Unterstützungsmöglichkeiten und Grenzen von Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie beim Umgang mit möglicher Kindswohlgefährdung“
Elisabeth Schmutz; Projekt „Kinder psychisch kranker Eltern“, Institut für sozialpädagogische Forschung Mainz e.V. [mehr]
Workshop 5
Angebote, Möglichkeiten und Grenzen der Hilfesysteme: Erwachsenenpsychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe
Dagmar Gertulla, Tagesstätte, Die Brücke Lübeck [mehr]
Frank Dähling, Jugendwohnheim, Brücke Schleswig-Holstein [mehr]
Franziska Berthold, Kinder- und Jugendpsychiatrische Tagesklinik, GGP Rostock
Workshop 6
Handlungsempfehlungen – Netzwerkbildung Kinder psychisch kranker Eltern
Birgit Richterich, Psychiatrische Hilfsgemeinschaft Duisburg e.V.
Beatrix Karen, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, Duisburg
Netzwerk Kooperationsvereinbarung
Netzwerk Kinderfragebogen
Netzwerk Mitte Ruhrort Erfassungsbogen
Workshop 7
Hilfen für Kinder und betroffene Eltern in Trägerschaft eines Anbieters zwischen Psychiatrie und Jugendhilfe
Kathrin Stöckigt, Claudia Deetjen; Projekt „Sunny Side Up“, Einzelfallhilfe Berlin [mehr]
Workshop 8
Krankheitseinsicht fördern, Hilfe annehmen können. Was haben psychiatrieerfahrene Eltern als hilfreich erlebt?
Reinhard Wojke, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. - Vortrag
Familiengespräche und zugehende Hilfen stützen und entlasten
Katrin Herder; Projekt Kips, Psychosozialer Förderverein/AWO Solingen [mehr]
Workshop 9
Schutzengel für Schleswig-Holstein - Frühe Hilfen für Familien
Christiane Dethleffsen; Förderverein Schutzengel e.V. , Flensburg
Schutzengel Flensburg
Workshop 10
Unterstützungskonzepte für Migrantenfamilien mit einem psychisch erkrankten Elternteil
Kurt Heilbronn; Psychosoziales Zentrum, Internationales Familienzentrum e.V., Frankfurt [mehr]
Workshop 11
Betreutes Wohnen in Familien für psychisch kranke Mütter und ihre Kinder
Eli von Bebenburg, Beate de Mür; Verein zur Förderung einer sozialen Psychiatrie, Zwiefalten [mehr]
Workshop 12
Patenprojekt Köln – gelungene Kooperation mit der psychiatrischen Klinik
Barbara Mörsch-Müller, Landschaftsverband Rheinland
Dr. Ilka Markwort, Rheinische Kliniken Köln
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Workshop 13
Soziotherapie stärkt betroffene Eltern und ihre Kinder
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Johanna Renz | Julia Gerbrande |
Forschungsprojekt Soziotherapie bei psychisch erkrankten Müttern, Hochschule Esslingen [mehr]
Workshop 14
Eltern geraten in seelische Notlagen – was ist hilfreich und was ist bedrohlich?
Dagmar Barteld-Paczkowski, Vorstand Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. [mehr]
Die Veranstaltung wurde unterstützt durch die
Bei der Tagung waren folgende Mitgliedsorganisationen beteiligt:
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