Menschen aus einer anderen Kultur und Gesellschaft
Migration ist nicht nur der Wechsel von einem Ort zum anderen, sondern von einer Kultur oder Gesellschaft in eine andere. Etwa 12 Millionen Menschen in Deutschland (15 Prozent der Bevölkerung) haben einen solchen Wechsel vollzogen. Dazu gehören „Gastarbeiter“ der ersten Generation und ihre Familien ebenso wie Menschen, die ihre Heimat aufgrund politischer Verfolgung, wegen (Bürger)Kriegen, aus wirtschaftlichen oder religiösen Gründen, wegen ihres Geschlechts oder als Spätaussiedler verlassen mussten oder wollten.
Der Wechsel von einer Kultur und Gesellschaft in eine andere ist mit vielen neuen und bereichernden Erfahrungen verbunden. Neben solchen positiven Aspekten kann er aber auch von Verlusterlebnissen, rechtlicher Unsicherheit, Diskriminierungserfahrungen, unsicheren Zukunftsaussichten oder Sprachproblemen geprägt sein, die bewältigt werden müssen.
Wenn Migration außerdem von traumatischen Ereignissen begleitet wird, von Folter, Misshandlungen oder andere Übergriffe, können dies zusätzliche belastende Faktoren für psychische Probleme sein. Obwohl psychische Erkrankungen bei Menschen mit Migrationshintergrund nicht häufiger sind, wie in der übrigen Bevölkerung, ist davon auszugehen, dass sie Einfluss auf die psychische Befindlichkeit haben.
Bisherige Hilfeangebote decken den Bedarf für psychisch kranke Migrantinnen und Migranten nur unzureichend, und werden weniger in Anspruch genommen als von der übrigen Bevölkerung. Die Zugangsbarrieren sind offensichtlich zu hoch. Kommunikationsschwierigkeiten oder ein kulturabhängiges unterschiedliches Krankheitsverständnis sind nur zwei Gründe dafür. Aber auch im psychiatrischen Versorgungssystem, beispielsweise in den Sozialpsychiatrischen Zentren, im Betreuten Wohnen oder in psychiatrischen Kliniken, fehlen vielfach kultursensible Konzepte und Qualifikationen um spezifische Hilfen für diese Zielgruppe anbieten zu können.
Dies führt dazu, dass psychisch kranke Menschen mit Migrationshintergrund nicht angemessen beraten, Diagnosen aufgrund kultureller Unterschiede oder sprachlicher Probleme falsch gestellt oder sie in der Regel deutlich höher mit Psychopharmaka behandelt werden.
Internet
- Dachverband der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik: www.transkulturellepsychiatrie.de
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Text von Ludwig Janssen (ursprünglich für ein Faltblatt des Landschaftsverbandes Rheinland)
Buch zum Thema
Malika Laabdallaoui und S. Ibrahim Rüschoff: Umgang mit muslimischen Patienten. Psychiatrie-Verlag, Bonn 200, ISBN 3-88414-484-8, 14,90 Euro







