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Angehörige psychisch Kranker fordern Akzeptanz und Unterstützung
Presserklärung - Stockholm, 10. Oktober 1999
Die Rechte der fast vier Millionen psychisch kranken Menschen in Europa müssen besser geschützt, ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Für das neue Jahrtausend fordern wir insbesondere eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Angehörigen und Ärzten sowie den breiten Zugang zu bestmöglichen Therapieangeboten für alle Patienten", betonte Ursula Brand, Vorstandsmitglied im deutschen Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK) und EUFAMI-Abgeordnete, in Stockholm.
Auf dem dritten Kongress der Europäischen Föderation von Organisationen der Angehörigen psychisch Kranker (EUFAMI) verabschiedeten Angehörige aus den 15 Mitgliedsstaaten die "Stockholm Deklaration 2000". Gefordert werden darin die Etablierung eines höheren Therapiestandards in Europa mit vielfältigen, individuell auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten zugeschnittenen Angeboten.
Auf dem größten Kongress seiner Art trafen sich Angehörige und Experten der unterschiedlichsten, an der Behandlung und Rehabilitation psychisch Kranker beteiligten Berufsgruppen zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch. So war die schwierige Situation von Kindern psychisch kranker Eltern ein Tagesschwerpunkt. Verschiedene Initiativen, z.B. aus Schweden, den Niederlanden oder Finnland, die diesen "vergessenen Kindern" die nötige Aufmerksamkeit und Unterstützung bieten, wurden vorgestellt.
In der verabschiedeten Deklaration fordert EUFAMI alle Politiker, professionelle und nicht-professionelle Helfer auf, gemeinsam die nächsten Schritte zu gehen.
Forderungen der Stockholm Deklaration 2000
Stärkung der Selbsthilfe der Angehörigen: Durch Förderung von Selbsthilfeaktivitäten, wechselseitigen Informationsaustausch mit Ärzten und anderen professionellen Helfern sowie Fortbildungen sollen die Angehörigen unterstützt und ihre Erfahrungen besser genutzt werden. Kampf gegen Stigma und Diskriminierung: Vorurteile sollen abgebaut und die Einstellung gegenüber psychisch Kranken in der Öffentlichkeit, aber auch in den Köpfen der Fachleute soll entscheidend verbessert werden. Bestmögliche Behandlung und Prävention: Ein höherer Therapiestandard mit individuell auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten zugeschnittenen Therapieangeboten soll in Europa etabliert werden. Professor Dieter Naber, Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf, begrüßte in Stockholm die Deklaration: »Neben der Verschreibung neuartiger, besser wirksamer und nebenwirkungsärmerer Medikamente sind Maßnahmen von Bedeutung, die den Betroffenen die Chance geben, ein unabhängiges Leben zu führen. Wir Psychiater haben erkannt, dass diese Therapiekonzepte bislang noch nicht allen Patienten zugute kommen und fordern deshalb insbesondere für alle Menschen mit Schizophrenie eine Teilhabe am medizinischen Fortschritt.«
Auch wenn medizinische Experten die Atypika als die effektivste Therapieform sehen, so wird die große Mehrheit der schizophren Erkrankten jedoch noch nicht mit der neueren, risikoärmeren Medikation therapiert. Die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage1, die Anfang 1999 unter 700 Psychiatern in neun Ländern Europas durchgeführt wurde, unterstützen die Forderungen von EUFAMI. 88 Prozent aller behandelnden Psychiater glauben, dass die atypischen Antipsychotika eine entscheidende Bedeutung in der erfolgreichen Behandlung der Schizophrenie haben. 83 Prozent der Befragten sind von den therapeutischen Vorteilen der Atypika so überzeugt, dass sie ihre Familienangehörigen ausschließlich mit diesen behandeln würden.
EUFAMI ist die Europäische Föderation von Organisationen der Angehörigen psychisch Kranker. Sie ist die repräsentative Körperschaft von Familien-Selbsthilfeorganisationen in ganz Europa, die sich für die Interessen und die Lebensqualität psychisch Kranker und ihrer Familien einsetzt. EUFAMI wurde 1990 gegründet und ist nach belgischem Recht in Brüssel registriert. Es ist eine demokratische, von den Mitgliedern geführte Organisation. EUFAMI hat Mitglieds-Organisationen in 15 europäischen Ländern.
Kontakt: Ursula Brand, Tägermoorstraße 22, 78462 Konstanz, Telefon und Fax (07531) 22317
1. Befragung unter 686 Psychiatern in neun europäischen Ländern. Befragungszeitraum: 12. Februar - 3. März 1999. Durchführung: Markt- und Meinungsforschungsinstitut Martin Hamblin, London
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