Das Versorgungssystem für psychisch kranke Menschen

Hilfen und Unterstützungsangebote für psychisch kranke Menschen und ihre Familien sind in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor in zwei verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen angesiedelt:

  • zum einen im Gesundheitswesen,
  • zum anderen im Sozialwesen.

Das Gesundheitswesen ist nach dem Grundgesetz eine Aufgabe der einzelnen Bundesländer, in deren Zuständigkeit eine Vielzahl von gesetzlichen und anderen Einzelregelungen ebenso fällt wie die Planung – und zu einem gewissen Teil auch die Finanzierung – der verschiedenen Einrichtungen und Dienste. Diese Zuständigkeitsregelung führt dazu, dass in den verschiedenen Ländern und Regionen Deutschlands in der psychiatrischen Versorgung sehr unterschiedliche Verhältnisse bestehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass es vor allem im Sozialwesen keine einheitlichen Bezeichnungen gibt. Einrichtungen mit einem vergleichbaren Leistungsangebot können in den verschiedenen Bundesländern ganz unterschiedliche Bezeichnungen tragen, identische Bezeichnungen können auf ganz unterschiedliche Dienste angewandt werden. Und selbst wenn Bezeichnung, Struktur, Finanzierung und Personalausstattung zweier Einrichtungen übereinstimmen, können sie in Abhängigkeit von der Qualifikation, dem Engagement und der Haltung ihrer Mitarbeiter gegenüber psychisch kranken Menschen recht unterschiedlich arbeiten.

Daraus wird deutlich, dass ein vollständiger und zuverlässiger Überblick über die verschiedenen Bausteine des Versorgungssystems für psychisch kranke Menschen, der für alle Regionen der Bundesrepublik gültig wäre, nicht möglich ist. Die folgende Übersicht über die einzelnen Bausteine des psychiatrischen Versorgungssystems und ihre jeweiligen Hilfsangebote kann deshalb nur den Versuch darstellen, einen verständlichen Überblick über einen Bereich zu geben, der selbst für Experten nicht immer leicht zu überschauen ist. Unzulänglichkeiten können dabei nicht ausbleiben.

Möglicherweise wird der Leser feststellen, dass die eine oder andere im Folgenden gemachte Aussage auf einen speziellen Dienst oder eine bestimmte Einrichtung, mit der er Kontakt hat, nicht zutrifft. Manche hier beschriebene Einrichtung wird der Leser in seiner Region womöglich auch gar nicht oder unter einer ganz anderen Bezeichnung vorfinden. So kann dieser Beitrag nur eine Informationsgrundlage dafür bieten, sich vor Ort über das jeweilige Angebot mit seinen Vorzügen und Nachteilen zu informieren.

Welche Dienste und Einrichtungen es für psychisch kranke Menschen gibt, ist am ehesten bei den Sozialpsychiatrischen Diensten, den Gesundheitsämtern und den Sozialämtern zu erfragen. Hinsichtlich der Betreuung junger Menschen sind die Jugendämter kompetente Ansprechpartner.

Da das vielfältige Hilfesystem auch für professionelle Mitarbeiter oft schwer zu überschauen ist, haben viele dieser Stellen Broschüren erstellt, in denen Adressen und Kurzbeschreibungen der vorhandenen Einrichtungen zu finden sind.

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Klaus Obert: Dr. rer. Soc., Dipl.-Sozialpädagoge, Jg. 1953. Seit 1982 in Stuttgart tätig: Auf- und Ausbau Sozialpsychiatrischer Dienste sowie weiterer Bausteine des gemeindepsychiatrischen Verbunds und deren Koordination in der Praxis wie in der fachpolitischen Umsetzung.

Text von Klaus Obert aus BApK (Hg.): Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige. Balance buch + medien Verlag, 5. aktualisierte u. erweiterte Auflage 2014