Allgemeinärzte

Eine beachtliche Zahl psychisch Kranker wird zumindest bei Beginn einer psychischen Erkrankung vom Allgemeinarzt behandelt. Bei ernsteren psychischen Erkrankungen sollte die Institutsambulanz oder der niedergelassene Nervenarzt zu Rate gezogen werden, da dort aufgrund der Ausbildung und der spezifischen Erfahrung die größere Fachkompetenz insbesondere in Fragen der Medikation zu erwarten ist.

Dennoch kann es sein, dass der Patient zum Beispiel nach einer längeren, für alle oft sehr anstrengenden Zeit ohne jede Behandlung gerade zu einem Allgemeinarzt Vertrauen fasst und niemand dieses Vertrauen durch einen Wechsel zum Nervenarzt infrage stellen möchte. Vielleicht erscheinen dem Patienten die Rahmenbedingungen wie zum Beispiel die Atmosphäre im Wartezimmer besonders günstig, vielleicht scheut er den öffentlichen Gang zum Psychiater. Auch kann in dünn besiedelten Gebieten der nächste Nervenarzt weit entfernt und nur umständlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sein.

Manchmal steht der betreffende Allgemeinarzt im Notfall eher zur Verfügung, auch mit einem Hausbesuch. Der Allgemeinarzt kann nicht aus der ambulanten Versorgung psychisch Kranker ausgeklammert werden. Er ist oft der erste, der mit den Beschwerden des psychisch Kranken konfrontiert wird. Von seiner ersten Einschätzung und Antwort kann viel abhängen.

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Klaus Obert: Dr. rer. Soc., Dipl.-Sozialpädagoge, Jg. 1953. Seit 1982 in Stuttgart tätig: Auf- und Ausbau Sozialpsychiatrischer Dienste sowie weiterer Bausteine des gemeindepsychiatrischen Verbunds und deren Koordination in der Praxis wie in der fachpolitischen Umsetzung.

Text von Klaus Obert aus BApK (Hg.): Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige. Balance buch + medien Verlag, 5. aktualisierte u. erweiterte Auflage 2014