Tagesklinik

Tageskliniken sind zu einem wichtigen Baustein in der Versorgung psychisch kranker Menschen geworden und sollten in keiner Region und an keinem Krankenhaus fehlen. Die Tagesklinik ist meistens organisatorischer Bestandteil eines psychiatrischen Krankenhauses oder einer psychiatrischen Abteilung an einem Allgemeinkrankenhaus. Vereinzelt existieren auch Tageskliniken in eigener Trägerschaft unabhängig von einem Krankenhaus.

Die Behandlung in der Tagesklinik wird von den Krankenkassen finanziert. Die Aufnahme erfolgt analog zur Krankenhausbehandlung durch ärztliche Verordnung. Oft entscheiden psychiatrische Krankenhäuser oder psychiatrische Krankenhausabteilungen, welche der ihnen zugewiesenen Patienten nicht auf eine Bettenstation, sondern in die Tagesklinik aufgenommen werden. Vielfach erfolgt nach vollstationärer Behandlung eine Weiterverlegung in die Tagesklinik.

Das Personal setzt sich wie bei der Klinik aus Ärzten, Pflegepersonal, Sozialarbeitern, Psychologen und Mitarbeitern anderer Berufsgruppen zusammen. Körperliche Untersuchungen, medikamentöse Therapie, psychotherapeutische, soziotherapeutische und milieutherapeutische Angebote, Beschäftigungstherapie, Freizeit- und Außenaktivitäten usw. bilden ähnlich wie bei Klinikstationen das therapeutische Programm.

Die Tagesklinik ist als Teil der Krankenhausversorgung eine ärztlich geleitete Einrichtung. Wie der Name bereits sagt, ist die Tagesklinik nur tagsüber, in der Regel an fünf Tagen in der Woche, geöffnet. Sie bietet daher therapeutische Möglichkeiten für solche Patienten, die tagsüber den stabilen therapeutischen Rahmen eines Krankenhauses benötigen, aber die Nacht und das Wochenende in ihrer eigenen Wohnung bzw. bei ihrer Familie verbringen können.

Bei der Behandlung in einer Tagesklinik werden die normalen sozialen Bezüge des Patienten sehr viel weniger unterbrochen als bei einer vollstationären Behandlung.

Nicht immer einfach zu beantworten ist die Frage, welche Patienten in der Tagesklinik behandelt werden können und welche auf der Station aufgenommen werden müssen. Hier spielen die Konzeptionen der jeweiligen Tagesklinik, die Erfahrung und der fachliche Mut der betreffenden Mitarbeiter eine entscheidende Rolle.

Teils sind die Tageskliniken auf Krisenintervention beim akuten Auftreten psychischer Erkrankungen spezialisiert, teils bieten sie eine längerfristig orientierte Rehabilitationsbehandlung an. Immer ist jedoch eine enge umfassende Zusammenarbeit mit den Stationen der Klinik Voraussetzung, damit auch schwerer erkrankte Patienten zumindest zeitweise unter den offeneren Bedingungen der Tagesklinik betreut werden können.

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Klaus Obert: Dr. rer. Soc., Dipl.-Sozialpädagoge, Jg. 1953. Seit 1982 in Stuttgart tätig: Auf- und Ausbau Sozialpsychiatrischer Dienste sowie weiterer Bausteine des gemeindepsychiatrischen Verbunds und deren Koordination in der Praxis wie in der fachpolitischen Umsetzung.

Text von Klaus Obert aus BApK (Hg.): Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige. Balance buch + medien Verlag, 5. aktualisierte u. erweiterte Auflage 2014