Sozialdienst

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialdienstes psychiatrischer Institutionen stellen in vielen Fällen die Verbindung zur »Außenwelt« her, zu Behörden und Ämtern wie der ARGE oder dem Ausländeramt, aber auch zu Banken oder zur Schuldnerberatung.

Viele muslimische Migranten haben mit staatlichen Stellen persönlich schlechte Erfahrungen gemacht, sei es, dass sie schlecht behandelt wurden, sei es, dass sie durch mangelnde Sprachkenntnisse oder Unerfahrenheit ein Gefühl von Scham erleben mussten. Daher kommt der sozialarbeiterischen Begleitung in diesem Bereich eine besondere Bedeutung zu.

Wo einerseits für die Patienten die Möglichkeit des Modelllernens im Umgang mit Behörden etc. besteht, ist andererseits auf Schamgrenzen zu achten, wenn zum Beispiel ein älterer Mann mit einer jungen Frau, der Sozialarbeiterin, in der Stadt gesehen wird und sich von ihr bei Behörden oder anderen Stellen helfen lassen muss, zum Arzt oder zum Einkauf von Kleidung begleitet wird. Wenn eben möglich, sollte auch hier eine gleichgeschlechtliche Betreuung erfolgen.

Der Islam verbietet bekanntlich das Nehmen und Geben von Zins. Muslime haben daher sehr unterschiedliche Wege gefunden, mit diesem Problem umzugehen. Manche holen zum Beispiel das Geld sofort von der Bank, andere spenden die Zinsen für soziale Zwecke, wieder andere kümmert das alles nicht.

Es gibt Muslime, die zur Miete wohnen, weil sie Hypothekenzinsen für einen Hausbau vermeiden wollen, andere nehmen eine Hypothek ohne Probleme auf. Bei den verschiedenen Versicherungen herrschen ebenfalls unterschiedlichste Standpunkte vor: Kann man zum Beispiel ein Leben »versichern«, das nur Gott nehmen und geben kann?

Daher werden Sozialarbeiter bei der Hilfe zur Regelung wirtschaftlicher, sozialer und beruflicher Belange bei ihren Klienten auf die unterschiedlichsten Problemstellungen und Einstellungen treffen. Aus diesem Grunde sollten sie sich möglichst an den Einzelfall halten und mit den Betroffenen besprechen, wie sie es regeln wollen, wo ihre Bedenken liegen, und sie bitten, sich gegebenenfalls selbst um islamisch kompetente Auskünfte zu kümmern.

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Malika Laabdallaoui: Dipl.-Psychologin und systemische Paar- und Familientherapeutin, ist Deutsche marokkanischer Abstammung und arbeitet in eigener Praxis in Rüsselsheim.

S. Ibrahim Rüschoff: Psychiater und Psychotherapeut und nach langjähriger oberärztlicher Tätigkeit in der Psychiatrie als Ärztlicher Psychotherapeut niedergelassen. Er leitet die Islamische Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Erziehungsberufe und ist Mitglied im Zentralrat der Muslime in Deutschland.

Text von Malika Laabdallaoui, und S. Ibrahim Rüschoff aus: Umgang mit muslimischen Patienten. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2009