Gruppentherapie

Gruppensitzungen wie Stationsrunden sowie Gruppentherapien verschiedener Art sind ein wichtiger Bestandteil psychiatrischer Arbeit auf der Station oder in tagesstrukturierenden Einrichtungen. Obwohl es aus islamischer Sicht kein grundsätzliches Problem darstellt, als Muslim im Rahmen einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlung an einer Gruppentherapie teilzunehmen, können sich im Alltag dennoch einige Probleme ergeben. Einschränkungen bestehen gegebenenfalls durch Sprachprobleme, mangelnde Bildungsvoraussetzungen (Analphabetismus) oder durch die soziale Herkunft der Patienten (nationale Besonderheiten, Lebensumfeld etc.).

Besonders ältere Frauen sind es nicht gewohnt, im außerfamiliären größeren Kreis zu sitzen und von sich zu sprechen, zumal wenn dieser gemischtgeschlechtlich besetzt ist.

Unter den angesprochenen Themen nahmen Sexualität und Mutterschaft einen wichtigen Raum ein. Es ist kaum vorstellbar, dass die Frauen diese Themen in Gegenwart von Männern angesprochen hätten. Gleiches gilt umgekehrt für Männer. Die Teilnahme an einer geschlechtlich, ethnisch und religiös gemischten Gruppe bietet jedoch die Chance, Einblicke in mehr oder weniger typische Einstellungen oder Konfliktlösungsstrategien der Mehrheitsgesellschaft zu erlangen. Hierbei benötigen manche Patienten gegebenenfalls einen besonderen Schutz durch den Therapeuten.

Muslime benötigen in gemischtgeschlechtlichen Gruppen wegen der ungewohnten Zusammensetzung zu Beginn möglicherweise einen besonderen Schutz durch den Gruppenleiter, um die Situation angstfrei bewältigen zu können. Dies kann zum Beispiel durch einen kurzen Einzelkontakt vor und nach der Gruppensitzung geschehen.

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Malika Laabdallaoui: Dipl.-Psychologin und systemische Paar- und Familientherapeutin, ist Deutsche marokkanischer Abstammung und arbeitet in eigener Praxis in Rüsselsheim.

S. Ibrahim Rüschoff: Psychiater und Psychotherapeut und nach langjähriger oberärztlicher Tätigkeit in der Psychiatrie als Ärztlicher Psychotherapeut niedergelassen. Er leitet die Islamische Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Erziehungsberufe und ist Mitglied im Zentralrat der Muslime in Deutschland.

Text von Malika Laabdallaoui, und S. Ibrahim Rüschoff aus: Umgang mit muslimischen Patienten. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2009