Musiktherapie

Die Musiktherapie hat im islamischen Kulturkreis eine lange Tradition. Schon im Mittelalter war Musik ein fester Bestandteil der arabischen Medizin und wurde gezielt auch zur Behandlung psychischer Störungen eingesetzt. Seit mehreren Jahren wird diese Tradition erforscht und für die moderne westliche Therapielandschaft nutzbar gemacht.

Musik und Gesang werden im islamischen Kulturkreis sehr unterschiedlich beurteilt und gehandhabt. Während beides im sogenannten Volksislam aller Kulturen als eine wichtige und typische Äußerung menschlicher Befindlichkeiten immer eine große Rolle gespielt hat und noch spielt, reichen die Positionen der Gelehrten bzw. der Strenggläubigen von einer totalen Ablehnung der Musik bis zur Nutzung in der religiösen Praxis bei den Mystikern oder den Aleviten. Für Strenggläubige gilt auch die weibliche Stimme als ‘Aura (analog zum Teil des Körpers, der in der Öffentlichkeit bedeckt sein muss), sodass Musik und Gesang nur in gleichgeschlechtlichem Rahmen stattfinden dürfen.

Beliebt sind religiöse Gesänge, die Gott, seine Schöpfung und die Propheten ehren (arab. Nasheed, türk. kahi). Musik, zumal Tanzmusik bzw. schnelle Rhythmen, wird häufig als zur Ausschweifung führend abgelehnt, die außerdem davon abhält, sich mit Gott und seinem Wort zu beschäftigen.

Übliche und weit verbreitete Instrumente sind im islamischen Kulturkreis allerdings auch bei strenggläubigen Muslimen Trommeln verschiedenster Art, die bei vielen Gelegenheiten gespielt werden.

Je nach Herkunft und persönlicher Auffassung ihrer Patienten werden Helfer also auf sehr unterschiedliche Einstellungen stoßen. Wichtig erscheint eine Information der Patienten, dass es bei der Musiktherapie nicht um Musik im üblichen Sinne und auch nicht um Tanz handelt, für die man spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten benötigt, sondern um ein psychotherapeutisches Verfahren, das eine wesentliche menschliche Ausdrucksweise nutzt, nämlich die Musik.

Bei musiktherapeutischen Angeboten sollten die Helfenden betonen, dass es dabei nicht um übliche Musik oder Tanz geht.

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Malika Laabdallaoui: Dipl.-Psychologin und systemische Paar- und Familientherapeutin, ist Deutsche marokkanischer Abstammung und arbeitet in eigener Praxis in Rüsselsheim.

S. Ibrahim Rüschoff: Psychiater und Psychotherapeut und nach langjähriger oberärztlicher Tätigkeit in der Psychiatrie als Ärztlicher Psychotherapeut niedergelassen. Er leitet die Islamische Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Erziehungsberufe und ist Mitglied im Zentralrat der Muslime in Deutschland.

Text von Malika Laabdallaoui, und S. Ibrahim Rüschoff aus: Umgang mit muslimischen Patienten. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2009