Abhängigkeitserkrankungen

Bei bestimmten psychischen Störungen – vor allem bei Schizophrenie und Manie – kommt es gehäuft zum Missbrauch von Suchtmitteln. Zur Schizophrenie zum Beispiel gehört eine lange unbestimmte Anfangsphase, in der weder der Betroffene selbst noch seine Angehörigen noch seine Umgebung wissen, was geschieht. Dennoch scheint sich für den Kranken alles zu verändern. Diese Wahrnehmungen machen vor allem Angst

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Doppeldiagnosen

Alkohol aber löst Angst und Spannung auf angenehme Weise. Nicht selten kommen deshalb junge schizophren Erkrankte erstmals zum Alkoholentzug in psychiatrische Behandlung. Erst wenn der Alkoholentzug durchlaufen ist, stellt sich heraus, dass hier eine schizophrene Erkrankung vorliegt.

Eine weitere schwierige Phase ist später, nach dem Wissen um die eigene Erkrankung, die Auseinandersetzung mit dieser Krankheit und der Versuch, mit ihr zu leben. Wie wir bereits erwähnt haben, kommt es in dieser Zeit häufig zu depressiven Verstimmungszuständen. Auch hier bringt der Alkohol für kurze Zeit Entspannung. Manche Patienten sind noch immer überdosiert. Die quälende Unruhe, die Akathisie als Nebenwirkung von Neuroleptika, wird von solchen Kranken nicht selten mit Alkohol bekämpft.

Schließlich suchen vereinsamte Langzeitkranke – wie andere vereinsamte Menschen – nicht selten Zuflucht zum Alkohol. In allen diesen Situationen bedeutet der Alkoholgenuss über längere Zeit nicht nur, dass zusätzliche körperliche Folgeschäden zu befürchten sind, sondern dass zweierlei Krankheiten ernst genommen und behandelt werden müssen: die Alkoholabhängigkeit wie die Schizophrenie. Solche doppelten Probleme treten nicht nur bei der Schizophrenie auf, sondern auch bei affektiven Verstimmungen, Ängsten oder Zwängen. Und sie treten nicht nur in Kombination mit Alkoholabhängigkeit auf, sondern ebenso bei Missbrauch von Haschisch.

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Psychopharmaka

Das besonders Heimtückische hierbei ist, dass nach allem, was wir bisher wissen, die Bindungsstellen für Neuroleptika im Gehirn entweder vom Wirkstoff des Haschisch oder vom Neuroleptikum besetzt werden können. Dies bedeutet, dass Haschischkonsum die Wirkung der Neuroleptika auf ganz spezifische Weise stört und so vermehrt und verstärkt zu psychotischen Episoden führt. Bei manisch-depressiv Erkrankten stehen eher Abhängigkeiten von Benzodiazepinen und Alkohol im Vordergrund.

Diese werden ihnen in vielen Kriseninterventionen fachgerecht verordnet. Häufig werden sie jedoch nicht wieder fachgerecht abgesetzt. Zunächst machen Tranquilizer ein angenehm entspannendes Gefühl. Sie sorgen in der Depression nicht nur für Angst- und Spannungsminderung, sondern auch für eine leicht gehobene Stimmung.

In der Manie sorgen sie für etwas mehr Gelassenheit, sodass sich die Kranken, wenn überhaupt mit irgendeinem Medikament, am ehesten mit Tranquilizern einverstanden erklären. Es besteht die Gefahr einer Abhängigkeit auf Dauer, die sich auf die Gesundheit und auf eine fachgerechte Behandlung in vielfacher Weise störend auswirkt. Auch hier müssen beide Formen der Erkrankung erkannt und angegangen werden.

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Literatur

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Asmus Finzen: Habilitation und Professur für Sozialpsychiatrie in Tübingen, ab 1975 Direktor des Niedersächsischen Landeskrankenhauses Wunstorf. Bis 2003 stellvertretender Ärztlicher Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik in Basel.

Text von Asmus Finzen und Ulrike Hoffmann-Richter aus BApK (Hg.): Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige. Balance buch + medien Verlag, 5. Auflage 2014

Buch zum Thema

Dirk R. Schwoon: Umgang mit alkoholabhängigen Menschen. Psychiatrie-Verlag, 3. korr. Auflage, Bonn 2008, ISBN 3-88414-367-0, 144 Seiten, 14,90 Euro.