Ängste und Zwänge

Hier hat sich in der Beschreibung der Krankheitsbilder in den vergangenen Jahren viel verändert. Unter den Angststörungen unterscheidet man so genannte phobische Störungen von Panikstörungen und generalisierten Angststörungen.

Phobie

Zu den phobischen Störungen gehören Ängste, die sich auf bestimmte Dinge oder Situationen richten. Die bekannteste ist die Platzangst – die Angst vor offenen Plätzen, Angst, das eigene Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, sich in eine Menschenmenge oder auf öffentliche Plätze zu begeben oder allein in Zügen, Bussen oder Flugzeugen zu reisen. Häufig muss in solchen Situationen sofort ein möglicher Fluchtweg gesucht werden. Weitere phobische Störungen sind z. B. Spinnenangst, Mäuseangst und vieles andere mehr.

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Panikstörungen

Die Panikstörungen zeichnen sich dadurch aus, dass wiederholt schwere impulsive Angst- oder Panikzustände auftreten, die sich nicht auf spezifische Situationen beschränken und deshalb nicht vorhersehbar sind. Die Symptome können variieren. Typisch sind plötzliches Herzklopfen, Brustschmerzen, Erstickungsgefühle, Schwindel und das Gefühl der Entfremdung. Es besteht die unmittelbare Angst, sofort zu sterben, die Kontrolle zu verlieren oder psychotisch zu werden. Diese Anfälle dauern in der Regel nur wenige Minuten, manchmal etwas länger.

Da diese Situationen plötzlich und unberechenbar auftreten, entsteht schließlich eine Angst vor der Angst. Unter die generalisierten Angststörungen werden anhaltende Symptome von Angst zusammengefasst, die sich ebenfalls nicht auf bestimmte Situationen beschränken. Dabei treten z. B. Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Oberbauchbeschwerden auf, die fortbestehen.

Sollen Ängste konkretisiert werden, kreisen diese um nächste Angehörige, denen etwas zustoßen könnte, oder sie betreffen das Gefühl einer Vorahnung. Solche Ängste können begleitet sein von weiteren Symptomen, z. B. depressiven Verstimmungszuständen oder Zwangssymptomen.

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Zwangserkrankungen

Menschen mit Zwangserkrankungen haben immer wiederkehrende aufdringliche Gedanken oder Impulse (Zwangsgedanken), fühlen sich zu den immer gleichen Handlungen (Zwangshandlungen) genötigt oder zeigen eine Kombination von beiden Symptomen.

Um von einer Zwangserkrankung sprechen zu können, müssen die Rituale wie Herdplatten kontrollieren oder Hände waschen zeitaufwendig sein und zu einer deutlichen Beeinträchtigung im Alltag führen. Menschen mit Zwangserkrankungen gelten als anstrengend und schwierig, nach wie vor hält sich außerdem die Ansicht, dass diese Erkrankung schwer zu behandeln sei.

Doch die Behandlung von Zwangserkrankungen hat in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren enorme Fortschritte gemacht. Die kognitive Verhaltenstherapie ist hier ebenso wie bei den Angsterkrankungen die effektivste psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeit. Bestimmte Zwangssymptome lassen sich mit speziellen Antidepressiva, den (selektiven) Serotoninwiederaufnahmehemmern (S)SRI relativ erfolgreich behandeln.Ebenso lassen sich manche Formen von Angststörungen mit Antidepressiva eingrenzen.

Die besondere Kombination von Angst und Zwangssymptomen wurde in den vergangenen Jahren häufiger beschrieben. Sie wurde sozusagen zu einer »Modekrankheit«. Einige Jahre zuvor schien sie in dieser Form noch nicht existent zu sein.

Vor kurzschlüssigen Erklärungen, wie sie z. B. im Buch von Colette Dowling, »Befreite Gefühle«, beschrieben werden, sei gewarnt. Hier klingt es so, als gingen sowohl depressive Störungen als auch Zwangsstörungen, Angststörungen sowie viele andere Beschwerden, wie z. B. Essstörungen, auf ein und dieselbe Transmitterstörung im Gehirn zurück und seien deshalb mit ein und demselben Medikament, einem neuen Antidepressivum, behandelbar. Diese Form der Erklärung von Krankheit führt uns in die Anfänge der Psychiatrie zurück, als es noch nicht möglich war, einzelne Krankheitsbilder zu unterscheiden.

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Literatur

  • Fricke, S.: Umgang mit zwangserkrankten Menschen. Balance buch + medien verlag, 2. Auflage 2011
  • Fricke, S.; Hand, I.: Zwangsstörungen verstehen und bewältigen. Hilfe zur Selbsthilfe. Balance buch + medien verlag, 5. Auflage 2011
  • Hamm, A.: Spezifische Phobien. Hogrefe, Göttingen 2006
  • Leidig, S.; Glomp, I.: Nur keine Panik. Ängste verstehen und überwinden. Kösel, München 2003
  • Ohm, D.: Stressfrei durch Progessive Relaxation. Trias, Stuttagrt 2007
  • Wolf, D.: Ängste verstehen und überwinden. Gezielte Strategien für ein Leben ohn Angst. PAL, Mannheim 2001

Internet

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Asmus Finzen: Habilitation und Professur für Sozialpsychiatrie in Tübingen, ab 1975 Direktor des Niedersächsischen Landeskrankenhauses Wunstorf. Bis 2003 stellvertretender Ärztlicher Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik in Basel.

Text von Asmus Finzen und Ulrike Hoffmann-Richter aus BApK (Hg.): Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige. Balance buch + medien Verlag, 5. Auflage 2014

Buch zum Thema

Susanne Fricke und Iver Hand: Zwangsstörungen verstehen und bewältigen - Hilfe zur Selbsthilfe. Balance buch + medien verlag, Bonn, 6. Auflage 2011